# Die Energiewende hat Deutschland deindustrialisiert.

Thema: Energiewende & Atomkraft
URL: https://fakten-stammtisch.de/thema/energiewende/energiewende-deindustrialisierung/
Bewertung: Irreführend
Stand: 2026-06-19

## Antwort

Die deutsche Industrie steckt tatsächlich in einer Schwächephase: Der Produktionsindex liegt rund 13 % unter dem Niveau von 2018, seit 2019 sind gut 340.000 Industriejobs weggefallen. Die preisbereinigte Wertschöpfung ging allerdings nur um etwa 3 % zurück, weil Firmen einfache Fertigung verlagern und sich auf höherwertige Tätigkeiten verlegen. Die Ursachen sind zudem vielfältig — schwache Weltnachfrage, der Gaspreisschock 2022 nach dem russischen Lieferstopp, hohe Zinsen, der Umbruch in der Autoindustrie, Fachkräftemangel und Bürokratie. Hohe Energiekosten gehören dazu, doch die Krise allein der Energiewende zuzuschreiben blendet die übrigen Treiber aus. Bezeichnend: Chemie und Elektroindustrie haben trotz desselben Strompreises seit 2019 Beschäftigung aufgebaut.

## Was hinter der Parole steckt

Die Parole macht aus einem Faktor die alleinige Ursache (Monokausalität). Auf die Industrie wirken mehrere Kräfte gleichzeitig — Weltkonjunktur, Gaspreisschock, Zinsen, Strukturwandel der Autobranche, Demografie. Energiekosten gehören dazu, erklären den Rückgang aber nicht allein; die Zuspitzung auf ‚die Energiewende' ersetzt die Ursachenanalyse durch ein Feindbild.

## Am Tisch nützlich – Gegenfragen

- „Welcher Anteil des Produktionsrückgangs geht konkret auf Strompreise zurück — und welcher auf schwache Nachfrage aus China oder den Umbruch der Autoindustrie?"
- „Warum sind Chemie/Pharma und Elektroindustrie seit 2019 gewachsen, wenn der Strompreis doch für alle gilt?"
- „Der Gaspreisschock 2022 kam durch den russischen Lieferstopp — was davon hätte ein langsameres Energiewende-Tempo verhindert?"

## Fakten dazu

### Industrie unter Druck: ein Faktor, viele Ursachen

- Produktionsindex vs. 2018: -13 % (verarbeitendes Gewerbe)
- Industriejobs weg: 341.500 (seit 2019 (EY))
- weniger Industriebeschäftigte: ~6 % (2019-2025)

- Der Produktionsindex des verarbeitenden Gewerbes liegt rund 13 % unter dem Niveau von 2018; seit 2019 sind laut EY rund 341.500 Industriejobs weggefallen (gut 6 %), allein 2025 etwa 124.100.

- Die preisbereinigte Bruttowertschöpfung der Industrie fiel 2018-2024 nur um rund 3 %. Der Produktionsindex überzeichnet den Rückgang, weil Firmen einfache Fertigung verlagern und sich im Inland auf Entwicklung, Dienstleistungen und höherwertige Tätigkeiten konzentrieren.

- Besonders betroffen ist die Autoindustrie — dort ging seit 2019 etwa jeder siebte Job verloren. Chemie/Pharma (+3 %) und Elektroindustrie (+2 %) legten im selben Zeitraum dagegen zu.

Die Ursachen sind vielfältig: schwache Weltnachfrage (vor allem aus China), der Gaspreisschock 2022 nach dem russischen Lieferstopp, hohe Zinsen, der Umbruch in der Autoindustrie, Fachkräftemangel und Bürokratie. Hohe Energiekosten sind ein Faktor unter mehreren — eine allein auf die Energiewende verengte Erklärung greift zu kurz.

### Strompreis: hoch — aber warum eigentlich?

- Industriestrompreis 2025: ~18 ct/kWh (mittleres Verbrauchsband (Eurostat))
- über EU-Durchschnitt: +17 % (Industrie 2025)
- Beschaffung & Vertrieb: ~41 % (am Haushaltspreis (BDEW))

Der deutsche Strompreis ist im internationalen Vergleich hoch: Industriekunden im mittleren Verbrauchsband zahlten 2025 laut Eurostat rund 18 ct/kWh — etwa 17 % mehr als der EU-Durchschnitt. Der Preis besteht aber aus mehreren Bausteinen: Beim Haushaltsstrompreis (rund 37 ct/kWh) entfallen laut BDEW etwa 41 % auf Beschaffung und Vertrieb, der Rest auf Netzentgelte (25 %) sowie Steuern, Abgaben und Umlagen (34 %).

- Netzentgelte, Steuern, Abgaben und Umlagen machen zusammen den größeren Teil des Strompreises aus — nicht die Erzeugungskosten der Erneuerbaren.

## Quellen

- [Eurostat: Electricity price statistics — Industriestrompreise EU (2. Halbjahr 2025)](https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php?title=Electricity_price_statistics)
- [BDEW-Strompreisanalyse (2026) — Zusammensetzung des Strompreises](https://www.bdew.de/service/daten-und-grafiken/bdew-strompreisanalyse/)
- [ifo Institut: Strukturwandel im Verarbeitenden Gewerbe (2025)](https://www.ifo.de/DocDL/sd-digital-2025-05-lehmann-etal-strukturwandel-verarbeitendes-gewerbe.pdf)
- [Destatis: Produktion im Produzierenden Gewerbe 2025 (-1,1 % zum Vorjahr)](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/02/PD26_043_421.html)
- [EY-Industriebarometer Q1 2026 — 341.500 Industriejobs seit 2019 verloren](https://www.ey.com/de_de/newsroom/2026/05/ey-industriebarometer-q1-2026)
