# KI und Roboter machen den ganzen Fachkräftemangel sowieso überflüssig.

Thema: Fachkräftemangel
URL: https://fakten-stammtisch.de/thema/fachkraeftemangel/ki-macht-ueberfluessig/
Bewertung: Ohne Kontext irreführend
Stand: 2026-06-10

## Antwort

KI wird die Arbeitswelt verändern und kann produktiver machen — gegen den Fachkräftemangel hilft sie aber ausgerechnet dort am wenigsten, wo er am größten ist. Pflege, Erziehung und Sozialarbeit haben mit 13 bis 27 % das niedrigste Automatisierungspotenzial; das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) warnt ausdrücklich davor, die Entlastung durch KI ‚zu überschätzen'. Bei IT-Berufen könnte der Engpass durch steigende KI-Nachfrage sogar zunehmen. Realistisch bringt KI moderate Produktivitätsgewinne (rund 1 % pro Jahr), aber keinen Ersatz für Millionen fehlende Kräfte.

## Was hinter der Parole steckt

Die Parole überträgt ein allgemeines Versprechen (KI ersetzt Arbeit) pauschal auf die Engpassberufe, obwohl gerade diese kaum automatisierbar sind. Sie verwechselt technisches Potenzial mit tatsächlicher, kurzfristiger Entlastung.

## Am Tisch nützlich – Gegenfragen

- „Welcher Roboter übernimmt die Grundpflege im Altenheim oder die Betreuung in der Kita?"
- „Wenn KI die Lösung ist — warum dämpft ausgerechnet das Arbeitsmarkt-Forschungsinstitut die Erwartung?"
- „Kann es sein, dass KI bei IT-Berufen den Bedarf eher erhöht als senkt?"

## Fakten dazu

### Lösen KI und Roboter das Problem?

Eine verbreitete Hoffnung lautet: Automatisierung und Künstliche Intelligenz machen den Fachkräftemangel überflüssig. Die Forschung des IAB dämpft diese Erwartung — und zwar ausgerechnet dort, wo der Mangel am größten ist. Denn die Engpassberufe gehören zu den am schwersten automatisierbaren Tätigkeiten.

_Substituierbarkeitspotenzial nach Berufssegment (IAB, 2022)_

| Berufssegment | Automatisierbar |
| --- | --- |
| Fertigungsberufe | 87,9 % |
| Bau- und Ausbauberufe | 42,5 % |
| Gesundheitsberufe | 26,5 % |
| Soziale und kulturelle Berufe (inkl. Erziehung) | 13,5 % |

- Das IAB warnt ausdrücklich, das Potenzial der KI zur Linderung von Fachkräfteengpässen ‚nicht zu überschätzen'. Pflege, Erziehung und Sozialarbeit lassen sich kaum durch Maschinen ersetzen — oft auch aus ethischen oder rechtlichen Gründen. Bei IT-Berufen ist sogar offen, ob KI den Engpass lindert oder durch steigende Nachfrage nach KI-Lösungen weiter verschärft.

KI kann produktiver machen und damit Druck aus dem Mangel nehmen — aber in Maßen. Das IW Köln erwartet durch KI ein Produktivitätswachstum von 0,9 % pro Jahr (2025–2030) und 1,2 % (2030–2040). Das wäre eine spürbare Verbesserung, erreicht aber nur das ohnehin schwache Niveau der 2000er Jahre. Ein ‚Produktivitätswunder', das die fehlenden Millionen Arbeitskräfte ersetzt, ist nicht in Sicht.

### Wo genau fehlen die Fachkräfte?

Der Mangel ist kein gleichmäßiges Phänomen, sondern konzentriert sich auf wenige Felder. Die Bundesagentur für Arbeit zählte in ihrer Engpassanalyse 2024 Engpässe in 163 von rund 1.200 bewerteten Berufen — also etwa jedem achten. Besonders betroffen sind zwei Bereiche: Bau- und Elektroberufe sowie Gesundheits- und Sozialberufe. Es handelt sich überwiegend um praktische Ausbildungsberufe, nicht um akademische Tätigkeiten.

_Größte Fachkräftelücken nach Berufsgattung (KOFA, Ø 2025)_

- Bauelektrik: 16270 fehlende Kräfte
- Altenpflege: 15233 fehlende Kräfte
- Gesundheits-/Krankenpflege: 13390 fehlende Kräfte
- Kinderbetreuung/Erziehung: 13351 fehlende Kräfte
- Kraftfahrzeugtechnik: 13327 fehlende Kräfte
- Sozialarbeit/Sozialpädagogik: 11077 fehlende Kräfte

- Auch die IT bleibt ein Engpass: Laut Bitkom waren 2025 rund 109.000 IT-Stellen unbesetzt, eine offene IT-Stelle blieb im Schnitt 7,7 Monate vakant. 85 % der Unternehmen beklagen einen IT-Fachkräftemangel. Der Engpass reicht damit vom Handwerk über die Pflege bis in die Hochtechnologie.

Bemerkenswert ist die Spaltung des Arbeitsmarkts: Trotz mehrerer Millionen Arbeitsloser suchte laut BA nur etwa ein Viertel der arbeitslos gemeldeten Fachkräfte in einem Engpassberuf. Offene Stellen und arbeitslose Bewerber passen also häufig nicht zusammen — weder regional noch fachlich. Genau dieser ‚Mismatch' macht den Engpass aus, nicht ein simpler Mangel an Menschen.

## Quellen

- [IW Köln / KOFA – KOFA Kompakt 3/2026: Jahresrückblick 2025 (2026)](https://www.iwkoeln.de/studien/jurek-tiedemann-gero-kunath-paula-risius-jahresrueckblick-2025-schwacher-arbeitsmarkt-erste-impulse-durch-sondervermoegen.html)
- [Bundesagentur für Arbeit – Qualifizierte Fachkräfte weiterhin gesucht: Engpässe in 163 Berufen (Engpassanalyse 2024, 2025)](https://www.arbeitsagentur.de/presse/2025-25-qualifizierte-fachkraefte-weiterhin-gesucht)
- [Bitkom – In Deutschland fehlen weiterhin mehr als 100.000 IT-Fachkräfte (2025)](https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Deutschland-fehlen-IT-Fachkraefte)
- [IAB – Folgen des technologischen Wandels: Substituierbarkeitspotenziale von Berufen (IAB-Kurzbericht 5/2024)](https://doku.iab.de/kurzber/2024/kb2024-05.pdf)
- [Institut der deutschen Wirtschaft – Wie wird KI die Produktivität in Deutschland verändern? (2025)](https://www.iwkoeln.de/studien/vera-demary-michael-groemling-christian-kestermann-marc-scheufen-stefanie-seele-oliver-stettes-marco-trenz-wie-wird-ki-die-produktivitaet-in-deutschland-veraendern.html)
