# Deutschland ist beim digitalen Gesundheitssystem hoffnungslos rückständig

Thema: Deutsches Gesundheitssystem
URL: https://fakten-stammtisch.de/thema/gesundheit/digitalisierung-rueckstand/
Bewertung: Teilweise wahr
Stand: 2026-06-10

## Antwort

Der Rückstand war real: Die ePA startete mehrfach verzögert. Seit Februar 2025 haben 73 Millionen Versicherte automatisch eine ePA (Opt-out). Das ist ein echter Systemwechsel, wenn auch spät. Bei digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) ist Deutschland mit 58 zugelassenen Apps (Ende 2025) und schnellen Erstattungswegen internationaler Vorreiter – allerdings bei unklarem Kosten-Nutzen-Verhältnis. Fortschritt und Rückstand existieren gleichzeitig.

## Was hinter der Parole steckt

Die Parole macht aus jahrelangen Verzögerungen ein endgültiges Urteil — ‚hoffnungslos‘ lässt keine Entwicklung mehr zu. Das ist eine Momentaufnahme, die als Dauerzustand verkauft wird, und übersieht, dass Fortschritt und Rückstand gleichzeitig existieren: Bei der ePA war Deutschland spät, bei den DiGA dagegen international vorn. Pauschalurteile verdecken, wo es konkret hakt.

## Am Tisch nützlich – Gegenfragen

- „Rückständig wobei genau — bei der Patientenakte oder bei digitalen Anwendungen, wo Deutschland eher vorn liegt?"
- „Wenn seit 2025 über 70 Millionen Menschen eine ePA haben und sie in Praxen Pflicht ist — ist ‚hoffnungslos‘ dann noch die richtige Beschreibung?"
- „Was würde dich überzeugen, dass es vorangeht — welche konkrete Funktion müsste im Alltag funktionieren?"

## Fakten dazu

### Digitalisierung: ePA, DiGA und der lange Weg

Seit Februar 2025 haben rund 73 Millionen GKV-Versicherte automatisch eine elektronische Patientenakte (ePA) – sofern sie nicht aktiv widersprochen haben. Deutschland setzt damit nach Jahren der Verzögerung auf ein Opt-out-Modell. Seit Oktober 2025 ist die ePA-Nutzung für Praxen, Kliniken und Apotheken verpflichtend; seit Januar 2026 drohen Sanktionen bei Nichtbefüllung.

- ePA-Versicherte (Opt-out): 73 Mio. (Rollout ab Februar 2025; Widerspruchsrate unter 10 %)
- DiGA im BfArM-Verzeichnis: 58 (Stand 31.12.2025 im BfArM-Verzeichnis (§139e SGB V))
- DiGA-Freischaltcodes bis Ende 2024: ~870.000 (Eingelöste Codes; DiGA-Kosten stiegen 2024 um +71 %)

- Die DiGA-Kosten für die GKV stiegen 2024 um +71 %. Gleichzeitig belegen erste Studien bei einzelnen DiGA klinisch messbare Effekte.

Der GKV-Spitzenverband kritisiert das Kosten-Nutzen-Verhältnis vieler DiGA: Apps werden erstattet, bevor langfristige Wirksamkeitsnachweise vorliegen. Die ePA soll Doppeluntersuchungen reduzieren, Medikationsfehler vermeiden und Forschungsdaten erschließen. Ohne konsequente Befüllung durch Praxen und Kliniken bleibt die Akte jedoch leer.

## Quellen

- [BMG – ePA für alle (elektronische Patientenakte)](https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/digitalisierung/elektronische-patientenakte/epa-fuer-alle)
- [Deutsches Ärzteblatt – DiGA-Nutzung steigt deutlich an (2024)](https://www.aerzteblatt.de/archiv/digitale-gesundheitsanwendungen-nutzung-steigt-deutlich-an-d5a67022-6911-4ca8-a07d-4e28266a7b60)
- [BfArM – DiGA-Verzeichnis (§139e SGB V)](https://diga.bfarm.de/de)
