Gleichberechtigung

Fakten zu Bezahlung, Care-Arbeit und Repräsentation

Fakten

Gender Pay Gap

Der Gender Pay Gap beschreibt den Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen. Man unterscheidet zwischen dem unbereinigten und dem bereinigten Wert.

Durchschnittlicher Bruttostundenverdienst (2025)

Männer

Frauen

Unbereinigter Gender Pay Gap in Deutschland

Unbezahlte Care-Arbeit & Child Penalty

Der Gender Care Gap zeigt den Unterschied in der Zeitverwendung für unbezahlte Sorgearbeit (Kinderbetreuung, Pflege, Haushalt).

Unbezahlte Arbeit pro Woche (in Stunden)

Repräsentation & Führung

Frauen sind in politischen und wirtschaftlichen Führungspositionen in Deutschland weiterhin unterrepräsentiert.

Frauenanteil in Führungspositionen (2024)

Argumente

Behauptung: Frauen verdienen nur deshalb weniger, weil sie sich freiwillig für schlechter bezahlte soziale Berufe entscheiden.

Antwort: Branche und Beruf erklären rund 18 % der Verdienstlücke. Selbst wenn weitere Faktoren wie Qualifikation, Tätigkeit, Erwerbsbiografie und Teilzeit berücksichtigt werden, bleibt 2025 ein bereinigter Gender Pay Gap von 6 %.

Behauptung: Frauen wollen gar keine Führungspositionen übernehmen, weil ihnen die Familie wichtiger ist.

Antwort: Die Unterrepräsentation liegt nicht einfach am mangelnden Willen. In Deutschland sind nur 29,1 % der Führungskräfte weiblich, deutlich weniger als im EU-Durchschnitt (35,2 %). Gleichzeitig erschwert die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit vielen Frauen den beruflichen Aufstieg.

Behauptung: Die Gleichberechtigung ist doch längst erreicht, Frauen haben heute genau die gleichen Möglichkeiten wie Männer.

Antwort: Gesetzlich sind Frauen gleichgestellt, faktisch gibt es weiterhin große Lücken. Frauen leisten täglich 76 Minuten mehr unbezahlte Care-Arbeit (Gender Care Gap von 43,4 %). Auch in der politischen Repräsentation gibt es Rückschritte: Im aktuellen Bundestag (2025) ist der Frauenanteil auf 32,4 % gesunken. Echte Gleichberechtigung erfordert auch wirtschaftliche Unabhängigkeit und gleiche Repräsentation.

Behauptung: Männer arbeiten dafür mehr in Vollzeit und machen die harten Überstunden.

Antwort: Männer leisten zwar mehr bezahlte Erwerbsarbeit, aber wenn man bezahlte und unbezahlte Arbeit zusammenrechnet, ist die Gesamtarbeitszeit ähnlich hoch. Personen ab 18 leisten laut Destatis 2022 insgesamt ähnlich viel Arbeit, Frauen aber etwas mehr (45:33 Std./Woche) als Männer (44:23 Std./Woche), weil unbezahlte Arbeit die geringere Erwerbsarbeit übersteigt.

Behauptung: Eine Frauenquote führt nur dazu, dass unqualifizierte Frauen bevorzugt werden und fähige Männer das Nachsehen haben.

Antwort: Quoten sind ein Instrument gegen dauerhafte Unterrepräsentation. Dass Frauen in Führungspositionen in Deutschland deutlich unterrepräsentiert sind, ist belegt. Die eigentliche Debatte ist deshalb nicht, ob es ein Problem gibt, sondern welche Instrumente es wirksam und fair verringern.

Behauptung: Frauen bekommen weniger Rente, weil sie halt weniger gearbeitet haben — selbst schuld.

Antwort: In konkreten Euro: Männer bekommen im Schnitt ~1.346 € Altersrente pro Monat, Frauen nur ~903 € — das sind 443 € weniger, jeden Monat. Auf ein Jahr gerechnet fehlen Frauen über 5.300 € Rente. Dahinter stehen niedrigere Löhne, häufigere Teilzeit und Erwerbsunterbrechungen durch Care-Arbeit. Frauen ab 65 sind zudem häufiger armutsgefährdet (2023: 20,8 % vs. 15,9 % bei Männern).

Behauptung: Kinder sind eine freiwillige Entscheidung, dann muss man halt mit den Konsequenzen leben.

Antwort: Kindererziehung ist keine rein private Randfrage, sondern hat große Folgen für Erwerbsbiografien. Eine aktuelle ZEW-Studie zeigt, dass Mütter im vierten Jahr nach der ersten Geburt durchschnittlich fast 30.000 Euro weniger verdienen als gleichaltrige Frauen ohne Kinder. Solche Einbußen wirken langfristig auf Karriere und Rente.

Quellen