# Die Zahlen zu häuslicher Gewalt sind doch aufgebauscht — so schlimm kann es nicht sein.

Thema: Gleichberechtigung
URL: https://fakten-stammtisch.de/thema/gleichberechtigung/dunkelziffer/
Bewertung: Falsch
Stand: 2026-06-10

## Antwort

Die belastbaren Daten zeigen das Gegenteil: Die polizeilich erfassten Fälle sind eher zu niedrig als zu hoch. Die LeSuBiA-Dunkelfeldstudie des BKA (2026) — eine Befragung von über 15.000 Menschen — kommt auf Anzeigequoten von meist unter 10 %, bei Partnerschaftsgewalt sogar darunter. Fast jede zweite Frau (48,7 %) hat im Lauf ihres Lebens psychische Partnerschaftsgewalt erlebt. Die Gründe fürs Schweigen sind gut dokumentiert: Angst, Scham, emotionale und finanzielle Abhängigkeit. Wer von ‚aufgebauscht' spricht, müsste also erklären, warum so viele Betroffene gerade nicht zur Polizei gehen.

## Was hinter der Parole steckt

Die Parole unterstellt, was nicht angezeigt wird, gebe es kaum — ein Fehlschluss, der die polizeiliche Statistik mit der Realität verwechselt. Tatsächlich misst das Hellfeld nur die gemeldeten Fälle; gerade bei Gewalt im Nahbereich ist die Anzeigeschwelle besonders hoch. Niedrige Anzeigezahlen werden so als Entwarnung missdeutet, obwohl sie das Problem verbergen.

## Am Tisch nützlich – Gegenfragen

- „Wenn nur ein Bruchteil der Taten angezeigt wird — sagen die niedrigen Zahlen dann etwas über die Gewalt oder über das Schweigen?"
- „Warum, glaubst du, gehen so viele Betroffene gerade nicht zur Polizei?"
- „Würdest du eine Dunkelfeldstudie mit über 15.000 Befragten für ‚aufgebauscht' halten — und woran machst du das fest?"

## Fakten dazu

### Gewalt gegen Frauen

Gewalt gegen Frauen ist in Deutschland ein gravierendes Problem — und kein Randphänomen. Laut BKA-Lagebild 2024 wurden mehr als 265.000 Opfer häuslicher Gewalt erfasst, über 70 % davon weiblich. Die Dunkelziffer liegt deutlich höher.

- Opfer häuslicher Gewalt: 265.942 (Polizeilich erfasst (2024))
- Davon weiblich: 70,4 % (187.128 Frauen und Mädchen)
- Getötete Frauen: 132 (Durch Partner/Ex-Partner (2024))
- Anstieg 5 Jahre: +17,8 % (Häusliche Gewalt 2019 bis 2024)

_Gewalt gegen Frauen – Überblick 2024_

| Kategorie | Anzahl | Veränderung |
| --- | --- | --- |
| Häusliche Gewalt gesamt | 265.942 Opfer | +3,8 % zu 2023 |
| Partnerschaftsgewalt | 171.069 Opfer | ~80 % weiblich |
| Getötete Frauen (Partnerschaft) | 132 | ~1 Frau alle 3 Tage |
| Sexualdelikte gegen Frauen | 53.451 Opfer | — |
| Digitale Gewalt in Partnerschaften | 4.876 Fälle | +10,9 % |

- Anzeigequote: unter 10 % (der Fälle werden polizeilich bekannt (LeSuBiA))
- Betroffene Frauen: 48,7 % (psychische Partnerschaftsgewalt im Leben (LeSuBiA))
- Tötungsdelikte (Partnerschaft): 308 (versuchte + vollendete an Frauen (2024))
- Sexualdelikte: 53.451 (weibliche Opfer von Sexualdelikten (2024))

- Alle drei Tage wird in Deutschland eine Frau durch ihren Partner oder Ex-Partner getötet. 2024 waren es 132 Frauen. Die LeSuBiA-Dunkelfeldstudie des BKA (2026) zeigt, warum die Hellfeld-Zahlen das Ausmaß unterschätzen: Die Anzeigequote liegt bei den meisten Gewaltformen unter 10 %, bei Partnerschaftsgewalt noch niedriger. Die 265.942 polizeilich erfassten Fälle sind also nur die Spitze des Eisbergs — fast jede zweite Frau (48,7 %) erlebt im Lauf ihres Lebens psychische Partnerschaftsgewalt.

## Quellen

- [BKA: Lagebild Häusliche Gewalt 2024](https://www.bka.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/Kurzmeldungen/251121_BLB_HaeuslicheGewalt2024.html)
- [BKA: Geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichtete Straftaten 2024](https://www.bka.de/DE/Presse/Listenseite_Pressemitteilungen/2025/Presse2025/251121_PM_BLB_HG_StraftatengegenFrauen2024.html)
- [BMI: Straftaten gegen Frauen 2024](https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/pressemitteilungen/DE/2025/11/StraftatengegenFrauen2024.html)
- [BKA: LeSuBiA-Dunkelfeldstudie (veröffentlicht Februar 2026)](https://www.bka.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/Kurzmeldungen/260210_LeSuBiA.html)
