# Frauen bekommen für die gleiche Arbeit 16 % weniger Lohn!

Thema: Gleichberechtigung
URL: https://fakten-stammtisch.de/thema/gleichberechtigung/gleiche-arbeit-16-prozent/
Bewertung: Ohne Kontext irreführend
Stand: 2026-06-10

## Antwort

Die 16 % stimmen als Zahl, aber sie messen etwas anderes: Das ist der unbereinigte Gender Pay Gap — der Durchschnittsvergleich aller erwerbstätigen Männer und Frauen, über alle Berufe, Branchen und Arbeitszeiten hinweg. Für ‚gleiche Arbeit' ist der bereinigte Wert die richtige Kennzahl: Bei vergleichbarer Qualifikation, Tätigkeit und Arbeitszeit bleiben 6 % — keine Bagatelle, aber eben nicht 16 %. Beide Zahlen zeigen reale Probleme, nur verschiedene: Die 16 % spiegeln vor allem Teilzeit, Branchenwahl und Erwerbsunterbrechungen, die 6 % den Unterschied bei vergleichbarer Stelle. Wer die 16 % auf ‚gleiche Arbeit' bezieht, macht ein berechtigtes Anliegen unnötig angreifbar.

## Was hinter der Parole steckt

Kennzahlen-Verwechslung: Eine korrekte Zahl (16 % unbereinigt) wird mit der falschen Bezugsgröße (‚gleiche Arbeit') kombiniert. Das Muster ist das Spiegelbild des ‚Pay-Gap-Mythos'-Arguments — dort wird die kleinste Zahl pauschal entwarnend, hier die größte Zahl pauschal alarmierend verwendet.

## Am Tisch nützlich – Gegenfragen

- „Vergleichen die 16 % zwei Personen auf derselben Stelle — oder alle Männer mit allen Frauen über alle Berufe hinweg?"
- „Welche Zahl beschreibt ‚gleiche Arbeit' genauer: der unbereinigte oder der bereinigte Gap?"
- „Wird das Anliegen stärker oder schwächer, wenn man die passende Kennzahl nennt?"

## Fakten dazu

### Gender Pay Gap

Der Gender Pay Gap beschreibt den Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen. Man unterscheidet zwischen dem unbereinigten Wert (Durchschnitt aller Beschäftigten) und dem bereinigten Wert (bei gleicher Qualifikation, Tätigkeit und Arbeitszeit). Beide Kennzahlen sind aussagekräftig: Der unbereinigte Gap zeigt die tatsächliche Einkommenslücke, der bereinigte den Unterschied, der bei vergleichbarer Qualifikation, Tätigkeit und Arbeitszeit verbleibt — er gilt als Obergrenze für mögliche Diskriminierung, weil auch nicht erfasste Faktoren eine Rolle spielen können.

- **Behauptung:** Der Gender Pay Gap von 16 % bedeutet, dass Frauen für die gleiche Arbeit 16 % weniger bekommen.
  - **Faktencheck:** Die 16 % sind der unbereinigte Gap über alle Beschäftigten — er erfasst auch Unterschiede bei Beruf, Branche und Arbeitszeit. Bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit verbleibt ein bereinigter Gap von 6 %, der als Obergrenze möglicher Diskriminierung gilt. Beide Werte sind real, messen aber Unterschiedliches.

- Unbereinigter Pay Gap: 16 % (Durchschnittlicher Verdienstunterschied (2025))
- Bereinigter Pay Gap: 6 % (Bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit)
- Westdeutschland: 17 % (Unbereinigt – deutlich über Ost)
- Ostdeutschland: 5 % (Unbereinigt – historisch geringere Lücke)

_Durchschnittlicher Bruttostundenverdienst (2025)_

- Männer
  - Stundenlohn: 27,05 €
  - Hochrechnung (38 h/Woche, 52 Wochen): ~53.450 € brutto/Jahr
- Frauen
  - Stundenlohn: 22,81 €
  - Hochrechnung (38 h/Woche, 52 Wochen): ~45.080 € brutto/Jahr

_Unbereinigter Gender Pay Gap in Deutschland_

- 2006: 23 %
- 2008: 23 %
- 2010: 22 %
- 2012: 23 %
- 2014: 22 %
- 2016: 21 %
- 2018: 20 %
- 2020: 18 %
- 2022: 18 %
- 2024: 16 %
- 2025: 16 %

_Branchen mit den größten Pay Gaps (unbereiningter GPG, 2024)_

| Branche | Pay Gap |
| --- | --- |
| Finanz- und Versicherungsdienstleistungen | 25 % |
| Freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienste | 25 % |
| Verarbeitendes Gewerbe | 22 % |
| Gesundheits- und Sozialwesen | 19 % |
| Öffentliche Verwaltung | 8 % |

- Bei einer Vollzeitstelle mit 38 Wochenstunden ergibt der unbereinigte Pay Gap von 4,24 €/Stunde einen Gehaltsunterschied von rund 8.400 € brutto pro Jahr. In Ostdeutschland ist der Gap mit 5 % deutlich geringer als in Westdeutschland (17 %) — ein Erbe der höheren weiblichen Erwerbsbeteiligung in der DDR.

## Quellen

- [Destatis: Gender Pay Gap 2025](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/12/PD25_453_621.html)
