# Heute sind doch die Jungen die Bildungsverlierer — wozu noch Frauenförderung, wenn die Mädchen die besseren Abschlüsse machen?

Thema: Gleichberechtigung
URL: https://fakten-stammtisch.de/thema/gleichberechtigung/jungen-bildungsverlierer/
Bewertung: Ohne Kontext irreführend
Stand: 2026-06-10

## Antwort

Der Befund stimmt und ist ernst zu nehmen: Jungen verlassen die Schule häufiger ohne Abschluss, machen seltener Abitur und haben öfter früh Sprachprobleme — das belegt auch der ‚Gender Education Gap‘ des Statistischen Bundesamts. Mädchen stellen die Mehrheit bei Abitur und Hochschulabschluss. Nur folgt daraus nicht, dass Frauenförderung überflüssig wäre: Trotz besserer Abschlüsse landen Frauen seltener in Führung und verdienen weniger — der Bildungsvorsprung wandelt sich nicht in Einkommen und Macht um. Es ist kein Entweder-oder: Jungen in der Schule zu fördern und Frauen im Beruf zu fördern widerspricht sich nicht, sondern beschreibt zwei verschiedene Engpässe an verschiedenen Stellen im Lebenslauf.

## Was hinter der Parole steckt

Die Parole spielt zwei reale Probleme gegeneinander aus, als gäbe es nur ein begrenztes Kontingent an Förderung — ein Nullsummen-Frame. Sie springt zudem von der Schule (wo Jungen zurückfallen) unzulässig zum Erwerbsleben (wo Frauen zurückfallen), als beträfe beides dieselbe Stufe. Damit wird ein Befund über 18-Jährige genutzt, um eine Benachteiligung 45-Jähriger für erledigt zu erklären.

## Am Tisch nützlich – Gegenfragen

- „Wenn Mädchen die besseren Abschlüsse machen — warum sitzen dann später so viel weniger Frauen in den Chefetagen?"
- „Schließt es sich für dich aus, Jungen in der Schule und Frauen im Beruf zu unterstützen?"
- „Warum schlägt sich der Bildungsvorsprung der Frauen nicht in höheren Gehältern nieder?"

## Fakten dazu

### Bildung & Berufswahl

Frauen sind in Deutschland im Bildungssystem mittlerweile überdurchschnittlich erfolgreich: Sie stellen die Mehrheit der Hochschulabsolventen. Dennoch zeigen sich bei Berufswahl und MINT-Fächern weiterhin deutliche Geschlechterunterschiede, die zu den Einkommenslücken beitragen.

- Hochschulabschlüsse: 53,1 % (Frauenanteil an allen Abschlüssen (2024))
- MINT-Absolventinnen: ~23 % (Frauenanteil in MINT-Studiengängen)
- Informatik: ~22 % (Frauenanteil Studienanfänger)
- Professorinnen: 30 % (Frauenanteil an Professuren (2024))

_Frauenanteil nach Qualifikationsstufe_

- Abitur: 54 %
- Bachelor: 52 %
- Master: 50 %
- Promotion: 45 %
- Professur: 30 %

- Frauen stellen 53 % der Hochschulabsolventen, aber nur rund 23 % der MINT-Absolventinnen und 30 % der Professuren. Diese 'Leaky Pipeline' — der abnehmende Frauenanteil auf jeder Karrierestufe — lässt sich nicht mit mangelnder Qualifikation erklären; welche Mischung aus Sorgeverantwortung, Arbeitszeitmodellen und Aufstiegshürden sie verursacht, ist Gegenstand der Forschung.

Umgekehrt zeigt sich am Anfang der Bildungskette ein gegenläufiges Muster: Jungen fallen in der Schule häufiger zurück. Beim Statistischen Bundesamt (Destatis) heißt das ‚Gender Education Gap'. Das ist ein eigenständiges, ernst zu nehmendes Problem — und kein Widerspruch zur beruflichen Benachteiligung von Frauen, sondern ein zweiter Engpass an anderer Stelle im Lebenslauf.

_Schulabschlüsse nach Geschlecht (2023)_

- Allgemeine Hochschulreife (Abitur)
  - Frauen: 55 %
  - Männer: 45 %
- Niedrigster Schulabschluss
  - Männer: 59 %
  - Frauen: 41 %

### Repräsentation & Führung

Frauen sind in politischen und wirtschaftlichen Führungspositionen in Deutschland weiterhin unterrepräsentiert — trotz überdurchschnittlicher Bildungsabschlüsse. Der Frauenanteil im Bundestag ist 2025 sogar gesunken.

- Führungspositionen (DE): 29,1 % (Frauenanteil in Führungspositionen)
- EU-Durchschnitt: 35,2 % (Frauenanteil in Führungspositionen)
- Bundestag (21. WP): 32,4 % (Rückgang von 34,8 % (20. WP))
- DAX-Vorstände: 25,4 % (Frauenanteil in DAX-40-Vorständen (Anfang 2026))

_Frauenanteil in Führungspositionen (2024)_

- Deutschland: 0 bis 29.1 %
- EU-Durchschnitt: 0 bis 35.2 %

_Frauenanteil im Bundestag – historisch_

| Legislaturperiode | Jahr | Frauenanteil |
| --- | --- | --- |
| 1. Bundestag | 1949 | 6,8 % |
| 10. Bundestag | 1983 | 9,8 % |
| 14. Bundestag | 1998 | 30,9 % |
| 19. Bundestag | 2017 | 30,7 % |
| 20. Bundestag | 2021 | 34,8 % |
| 21. Bundestag | 2025 | 32,4 % |

- Im 21. Deutschen Bundestag (gewählt 2025) liegt der Frauenanteil bei 32,4 % — ein Rückgang gegenüber der vorherigen Legislaturperiode (34,8 %). Deutschland liegt bei weiblicher politischer Repräsentation international im Mittelfeld, hinter skandinavischen Ländern (Schweden: ~46 %).

## Quellen

- [Destatis: Frauen in Führungspositionen (2024/2025)](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/11/PD25_393_13.html)
- [Bundestag: Abgeordneten-Statistik 21. Bundestag](https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2025/kw09-wahlergebnis-statistik-1055550)
- [Destatis: Bildung und Geschlecht](https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Hochschulen/hochschulen.html)
- [DIW Berlin: Managerinnen-Barometer (Frauenanteil DAX-Vorstände, Q4 2025)](https://www.diw.de/de/diw_01.c.994710.de/managerinnen-barometer.html)
- [Destatis: Gender Education Gap (Bildungsunterschiede nach Geschlecht, 2025)](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/04/PD25_N014_212.html)
