# Frauen bekommen weniger Rente, weil sie halt weniger gearbeitet haben — selbst schuld.

Thema: Gleichberechtigung
URL: https://fakten-stammtisch.de/thema/gleichberechtigung/pension-gap-arg/
Bewertung: Überwiegend falsch
Stand: 2026-06-10

## Antwort

Frauen haben tatsächlich im Schnitt weniger Beitragsjahre — 33 gegenüber 42 bei Männern. Nur ist das kein Faulheits-, sondern ein Sorgearbeits-Effekt: Die fehlenden neun Jahre stecken großteils in Kinderbetreuung und Pflege, also in Arbeit, die jemand leisten muss. Das Ergebnis sind 955 € statt 1.405 € Altersrente im Monat — 450 € weniger, über 20 Rentenjahre mehr als 100.000 € Differenz. Das Rentensystem koppelt die Absicherung fast vollständig an bezahlte Erwerbsarbeit und lässt unbezahlte Sorgearbeit weitgehend leer ausgehen — ‚selbst schuld' trifft es also nicht.

## Was hinter der Parole steckt

Das Wort ‚selbst schuld' macht aus einem strukturellen Ergebnis eine individuelle Verfehlung. Es setzt ‚weniger Erwerbsarbeit' mit ‚weniger gearbeitet' gleich und unterschlägt, dass die fehlenden Jahre überwiegend für unbezahlte, aber notwendige Sorgearbeit draufgehen. Die gesellschaftliche Aufgabenverteilung wird so zur Privatentscheidung umgedeutet.

## Am Tisch nützlich – Gegenfragen

- „Ist jemand, der jahrelang Kinder großzieht oder Angehörige pflegt, in deinen Augen wirklich ‚weniger fleißig'?"
- „Wer hätte die Sorgearbeit machen sollen, die hinter den fehlenden Beitragsjahren steckt?"
- „Wie sollte ein Rentensystem aus deiner Sicht mit Jahren umgehen, in denen jemand unbezahlt Kinder erzieht oder Angehörige pflegt?"

## Fakten dazu

### Gender Pension Gap & Altersarmut

Der Gender Pension Gap ist die Rentenlücke zwischen Männern und Frauen. Er spiegelt die kumulierten Auswirkungen von Pay Gap, Care Gap und Teilzeitarbeit über ein ganzes Erwerbsleben wider. Bei den eigenen Rentenansprüchen — also ohne Hinterbliebenenrenten — beträgt die Lücke gut ein Drittel. Sie sinkt langsam, bleibt aber eine der größten in Europa.

- Gender Pension Gap: 24,2 % (Mit Hinterbliebenenrenten (2024))
- Ohne Hinterbliebenenrenten: 36,0 % (Eigene Rentenansprüche (2024))
- Westdeutschland: 40,8 % (Ohne Hinterbliebenenrenten)
- Ostdeutschland: 13,2 % (Ohne Hinterbliebenenrenten)

_Durchschnittlicher monatlicher Rentenzahlbetrag (Altersrente)_

- Männer
  - Altersrente (Bestand): 1.405 €/Monat
  - Jahreseinkommen: ~16.860 €
- Frauen
  - Altersrente (Bestand): 955 €/Monat
  - Jahreseinkommen: ~11.460 €

_Armutsgefährdungsquote nach Geschlecht (65+)_

| Altersgruppe | Frauen | Männer | Differenz |
| --- | --- | --- | --- |
| 65+ | 21,3 % | 17,3 % | +4,0 Pp. |
| 75+ | 21,3 % | 15,8 % | +5,5 Pp. |

_Durchschnittliche Beitragsjahre zur Rentenversicherung (2024)_

- Männer
  - Beitragsjahre: 42 Jahre
- Frauen
  - Beitragsjahre: 33 Jahre

_Gender Pension Gap (mit Hinterbliebenenrenten)_

- 2007: 43 %
- 2011: 38 %
- 2015: 34 %
- 2019: 30 %
- 2024: 24.2 %

- Frauen erhalten im Schnitt 450 € weniger Altersrente pro Monat als Männer — über 20 Rentenjahre summiert sich das auf über 100.000 €. Ein Hauptgrund: Frauen haben durchschnittlich nur 33 Beitragsjahre (Männer: 42) — 9 Jahre fehlen durch Care-Arbeit. Immerhin sinkt der Gap langsam: von 43 % (2007) auf 24,2 % (2024). Bei den eigenen Rentenansprüchen — ohne Hinterbliebenenrenten — bleibt er bei 36,0 %.

### Unbezahlte Care-Arbeit & Child Penalty

Der Gender Care Gap zeigt den Unterschied in der Zeitverwendung für unbezahlte Sorgearbeit (Kinderbetreuung, Pflege, Haushalt). Frauen leisten in Deutschland deutlich mehr unbezahlte Arbeit als Männer — mit weitreichenden Folgen für Einkommen, Karriere und Rente.

- Gender Care Gap: 43,4 % (Frauen leisten deutlich mehr unbezahlte Arbeit)
- Tägliche Differenz: +76 Min. (Mehrarbeit von Frauen pro Tag)
- Teilzeitquote Frauen: 47,4 % (der erwerbstätigen Frauen (15–64) in Teilzeit)
- Teilzeitquote Männer: 12,7 % (der erwerbstätigen Männer (15–64) in Teilzeit)

_Unbezahlte Arbeit pro Woche (in Stunden)_

- Frauen: 29 h
- Männer: 20 h

_Gesamtarbeitszeit pro Woche (bezahlt + unbezahlt)_

- Frauen
  - Bezahlte Erwerbsarbeit: 16:33 h
  - Unbezahlte Arbeit: 29:00 h
  - Gesamt: 45:33 h
- Männer
  - Bezahlte Erwerbsarbeit: 24:23 h
  - Unbezahlte Arbeit: 20:00 h
  - Gesamt: 44:23 h

_Erwerbstätigkeit von Eltern mit Kindern_

- Mütter
  - Teilzeitquote: 66–67 %
  - Vollzeitquote (Schulkinder): 37,1 %
- Väter
  - Teilzeitquote: 9 %
  - Vollzeitquote (Schulkinder): 93,0 %

- Laut ZEW verdienen Mütter im vierten Jahr nach der ersten Geburt durchschnittlich fast 30.000 Euro weniger als vergleichbare Frauen ohne Kinder. Dieser 'Child Penalty' wirkt langfristig auf Karriere, Vermögen und Rente. Bei Vätern gibt es keinen vergleichbaren Effekt. Zwei Drittel der erwerbstätigen Mütter arbeiten in Teilzeit — bei Vätern sind es nur 9 %.

## Quellen

- [BMFSFJ / Destatis: Gender Care Gap (Zeitverwendungserhebung 2022)](https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/aktuelles/alle-meldungen/statistisches-bundesamt-veroeffentlicht-neue-zahlen-zum-gender-care-gap-236794)
- [Destatis: Erwerbsarbeit und unbezahlte Arbeit nach Geschlecht](https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Einkommen-Konsum-Lebensbedingungen/Zeitverwendung/Tabellen/erwerbsarbeit-unbezahlte-arbeit-geschlecht-zve.html)
- [Destatis: Gender Pension Gap (EU-SILC 2025, Berichtsjahr 2024)](https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Einkommen-Konsum-Lebensbedingungen/Lebensbedingungen-Armutsgefaehrdung/Tabellen/einkommen-gender-pension-gap.html)
- [Destatis: Armutsgefährdung älterer Menschen](https://www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/Demografischer-Wandel/Aeltere-Menschen/armutsgefaehrdung.html)
- [WSI Gender-Datenportal: Durchschnittlicher Rentenzahlbetrag](https://www.wsi.de/de/einkommen-14619-durchschnittlicher-rentenzahlbetrag-von-frauen-und-maennern-14916.htm)
- [ZEW: Einkommensverlust nach Geburt](https://www.zew.de/presse/pressearchiv/einkommensverlust-nach-geburt-weit-hoeher-als-bisher-gedacht)
- [Destatis: Teilzeitquote nach Geschlecht](https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Qualitaet-Arbeit/Dimension-3/teilzeitbeschaeftigte.html)
- [Deutsche Rentenversicherung: Rentenatlas 2024](https://www.deutsche-rentenversicherung.de/SharedDocs/Downloads/DE/Statistiken-und-Berichte/Rentenatlas/2024/rentenatlas-2024-download.pdf)
