# Männer arbeiten dafür mehr in Vollzeit und machen die harten Überstunden.

Thema: Gleichberechtigung
URL: https://fakten-stammtisch.de/thema/gleichberechtigung/teilzeit/
Bewertung: Überwiegend falsch
Stand: 2026-06-10

## Antwort

Bei der bezahlten Erwerbsarbeit stimmt das — Männer leisten im Schnitt mehr Erwerbsstunden. Zählt man aber die unbezahlte Arbeit dazu, dreht sich das Bild: Frauen kommen laut Destatis auf 45:33 Stunden pro Woche, Männer auf 44:23. Die Differenz ist nicht, dass Frauen weniger arbeiten, sondern dass ein großer Teil ihrer Arbeit unsichtbar bleibt — Kinderbetreuung, Pflege, Haushalt. Diese Stunden haben keine Überstundenzuschläge, keinen Renteneintrag und keine Beförderung.

## Was hinter der Parole steckt

Die Parole verengt ‚Arbeit' auf bezahlte Erwerbsarbeit und blendet die unbezahlte Sorgearbeit komplett aus. So entsteht der Eindruck, die eine Seite leiste mehr — obwohl in Wahrheit nur ein Teil der Leistung gezählt wird. Was nicht auf der Gehaltsabrechnung steht, zählt rhetorisch als Nichtstun.

## Am Tisch nützlich – Gegenfragen

- „Zählt für dich nur die Arbeit als Arbeit, für die jemand bezahlt wird?"
- „Wer macht in deinem Haushalt die Wäsche, kocht, organisiert Arzttermine und Großeltern — und steht das auf irgendeiner Lohnabrechnung?"
- „Wenn die unbezahlte Arbeit morgen niemand mehr machen würde — wie lange liefe der Betrieb dann noch?"

## Fakten dazu

### Unbezahlte Care-Arbeit & Child Penalty

Der Gender Care Gap zeigt den Unterschied in der Zeitverwendung für unbezahlte Sorgearbeit (Kinderbetreuung, Pflege, Haushalt). Frauen leisten in Deutschland deutlich mehr unbezahlte Arbeit als Männer — mit weitreichenden Folgen für Einkommen, Karriere und Rente.

- Gender Care Gap: 43,4 % (Frauen leisten deutlich mehr unbezahlte Arbeit)
- Tägliche Differenz: +76 Min. (Mehrarbeit von Frauen pro Tag)
- Teilzeitquote Frauen: 47,4 % (der erwerbstätigen Frauen (15–64) in Teilzeit)
- Teilzeitquote Männer: 12,7 % (der erwerbstätigen Männer (15–64) in Teilzeit)

_Unbezahlte Arbeit pro Woche (in Stunden)_

- Frauen: 29 h
- Männer: 20 h

_Gesamtarbeitszeit pro Woche (bezahlt + unbezahlt)_

- Frauen
  - Bezahlte Erwerbsarbeit: 16:33 h
  - Unbezahlte Arbeit: 29:00 h
  - Gesamt: 45:33 h
- Männer
  - Bezahlte Erwerbsarbeit: 24:23 h
  - Unbezahlte Arbeit: 20:00 h
  - Gesamt: 44:23 h

_Erwerbstätigkeit von Eltern mit Kindern_

- Mütter
  - Teilzeitquote: 66–67 %
  - Vollzeitquote (Schulkinder): 37,1 %
- Väter
  - Teilzeitquote: 9 %
  - Vollzeitquote (Schulkinder): 93,0 %

- Laut ZEW verdienen Mütter im vierten Jahr nach der ersten Geburt durchschnittlich fast 30.000 Euro weniger als vergleichbare Frauen ohne Kinder. Dieser 'Child Penalty' wirkt langfristig auf Karriere, Vermögen und Rente. Bei Vätern gibt es keinen vergleichbaren Effekt. Zwei Drittel der erwerbstätigen Mütter arbeiten in Teilzeit — bei Vätern sind es nur 9 %.

## Quellen

- [BMFSFJ / Destatis: Gender Care Gap (Zeitverwendungserhebung 2022)](https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/aktuelles/alle-meldungen/statistisches-bundesamt-veroeffentlicht-neue-zahlen-zum-gender-care-gap-236794)
- [Destatis: Erwerbsarbeit und unbezahlte Arbeit nach Geschlecht](https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Einkommen-Konsum-Lebensbedingungen/Zeitverwendung/Tabellen/erwerbsarbeit-unbezahlte-arbeit-geschlecht-zve.html)
- [ZEW: Einkommensverlust nach Geburt](https://www.zew.de/presse/pressearchiv/einkommensverlust-nach-geburt-weit-hoeher-als-bisher-gedacht)
- [Destatis: Teilzeitquote nach Geschlecht](https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Qualitaet-Arbeit/Dimension-3/teilzeitbeschaeftigte.html)
