# Eine neue Gasheizung ist doch als Übergang günstiger.

Thema: Heizungswechsel 2026
URL: https://fakten-stammtisch.de/thema/heizung/gas-uebergangsloesung/
Bewertung: Irreführend
Stand: 2026-06-10

## Antwort

Die Anschaffung ist günstiger, aber die Übergangsdauer ist meist die Laufzeit der Heizung, nicht ein paar Jahre. Über 15 bis 20 Jahre kommen ETS-2-Kostenrisiko, geplante Bio-Treppe und steigende Netzentgelte zusammen; bei sinkender Auslastung tragen verbleibende Gaskunden lokal höhere spezifische Netzkosten. Wer wirklich nur überbrücken will, kann das auch unterhalb eines Kesseltauschs — etwa mit Reparatur, hydraulischem Abgleich oder größeren Heizkörpern. Der Begriff ‚Übergang' passt nur, wenn die Nutzungsdauer tatsächlich kurz bleibt — ein neuer Kessel bindet dagegen für 15 bis 20 Jahre.

## Was hinter der Parole steckt

Sunk-Cost-Falle in Vorlauf-Variante: Niedriger Anschaffungspreis wird gegen Lebensdauerkosten gerechnet — eine 2026 eingebaute Gasheizung läuft typisch 15-20 Jahre und durchläuft genau die Phase, in der ETS 2, Bio-Quote und ggf. lokaler Gasnetz-Rückbau greifen. ‚Übergang‘ unterstellt eine kurze Brücke, die in der Praxis Heizungs-Lebensdauer lang ist.

## Am Tisch nützlich – Gegenfragen

- „Über welche Lebensdauer rechnest du den ‚Übergang‘ — 5 Jahre oder die typischen 15-20 Jahre einer Gasheizung?"
- „Wie sieht deine Kostenbilanz aus, wenn der ETS-2-Preis 2030 auf 100-160 EUR/t steht und die Bio-Quote 10-15 % erreicht?"
- „Was passiert, wenn du in 5 Jahren doch eine WP brauchst und die 2026er-Förderkonditionen längst gesunken sind?"

## Fakten dazu

### Lock-in-Risiko: warum Übergangs-Gas trügerisch sein kann

Eine 2026 eingebaute Gasheizung läuft typischerweise 15 bis 20 Jahre. In diesem Zeitraum greifen mehrere belastende Effekte zusammen: ETS 2 ab 2028 (Marktpreis ohne Deckel), eine geplante Bio-Treppe ab 2029 (Referentenentwurf GModG, noch nicht beschlossen), steigende Gasnetzentgelte bei sinkender Auslastung sowie lokale Stilllegungspläne von Stadtwerken. Wer heute fossil investiert, trägt diese kumulierten Risiken.

### Gasnetz-Zukunft: lokal entschieden, mit Strukturrisiko

Die VKU-Umfrage 2025 unter 164 Stadtwerken zeigt: Bei knapp der Hälfte ist die Gasnetzzukunft offen. Ein klares Stadtwerk-Bekenntnis zu Wasserstoff im Verteilnetz für Privathaushalte ist eine Minderheitenposition.

- noch offen: 46 % (Gasnetzzukunft nicht entschieden)
- Mix: 23 % (Stilllegung + grüne Gase teilweise)
- Stilllegung: 19 % (auf Fernwärme/WP setzen)
- rein H2: 4 % (vollständige Umrüstung)

- MVV strebt an, das Gasnetz in Mannheim bis 2035 stillzulegen.

- Die EU-Gasbinnenmarktrichtlinie 2024/1788 verlangt vorausschauende Transformationspläne für Gas- und Wasserstoffnetze.

- DIW Berlin warnt: Wird das Gasverteilnetz nicht geordnet zurückgebaut, können die spezifischen Netzentgelte für die verbleibenden Kunden stark steigen — Modellrechnungen zeigen Vervielfachungspotenzial bis 2045.

## Quellen

- [DIW Berlin — Wärmewende und Stilllegung der Erdgasnetze](https://www.diw.de/de/diw_01.c.898168.de/publikationen/wochenberichte/2024_13_1/waermewende__bundesregierung_sollte_kommunen_bei_der_stilllegung_der_erdgasnetze_unterstuetzen.html)
- [DEHSt — Nationaler Emissionshandel/EU-ETS 2 Ausblick](https://www.dehst.de/DE/Themen/nEHS/EU-ETS-2/eu-ets-2-ausblick/eu-ets-2-ausblick_node.html)
- [VKU — Umfrage zur Zukunft der Gasnetze (Pressemitteilung 2025)](https://www.vku.de/presse/pressemitteilungen/vku-umfrage-zukunft-der-gasnetze-bei-46-prozent-der-stadtwerke-noch-offen/)
- [MVV Mannheim — Wärmewende und Gasnetz](https://www.mvv.de/journalisten/pressemitteilungen/detail/gemeinsam-die-waermewende-in-mannheim-umsetzen)
- [EU-Gasbinnenmarktrichtlinie 2024/1788](https://eur-lex.europa.eu/eli/dir/2024/1788/oj/eng)
- [Energie-Fachberater — Update GEG/GModG (Mai 2026)](https://www.energie-fachberater.de/news/diskussion-um-geg-wie-gehts-weiter-mit-dem-heizungsgesetz.php)
