# Die Wärmepumpe rechnet sich für jeden — wer heute noch Gas einbaut, ist selbst schuld!

Thema: Heizungswechsel 2026
URL: https://fakten-stammtisch.de/thema/heizung/wp-rechnet-sich-immer/
Bewertung: Ohne Kontext irreführend
Stand: 2026-06-10

## Antwort

So pauschal stimmt auch das nicht: Die Kostenvergleiche zeigen eine Bandbreite, keinen Automatismus. Im mittleren Szenario (JAZ 3,5, WP-Tarif) spart die Wärmepumpe rund 1.150 Euro pro Jahr — im ungünstigen Fall (niedrige JAZ, hoher Strompreis, teure Einbausituation) ist sie nur knapp vorn, bei deutlich höherer Anschaffung. Entscheidend sind Vorlauftemperatur, Heizflächen, Stromtarif und Förderquote — also der Einzelfall. Die Tendenz spricht durch ETS 2 und Netzentgelte zunehmend für die Wärmepumpe, aber ‚rechnet sich für jeden' ersetzt genauso wenig eine Einzelfallrechnung wie ‚Gas ist billiger'.

## Was hinter der Parole steckt

Spiegelbild der ‚Gas ist billiger'-Pauschale: Ein im Mittel zutreffender Befund wird zur Regel ohne Ausnahme erklärt, und die Schuldzuweisung (‚selbst schuld') ersetzt die Einzelfallprüfung. Beide Pauschalen scheitern an derselben Stelle — der Bandbreite der realen Einbausituationen.

## Am Tisch nützlich – Gegenfragen

- „Kennst du die Vorlauftemperatur und den Stromtarif des konkreten Hauses — oder schließt du vom Durchschnitt auf den Einzelfall?"
- „Was ist mit Fällen, in denen JAZ und Einbausituation ungünstig sind — gilt dein ‚für jeden' auch dort?"
- „Würdest du die gleiche Pauschalisierung gelten lassen, wenn jemand sagt ‚Gas ist immer billiger'?"

## Fakten dazu

### Wirtschaftlichkeit: drei Szenarien statt einer Wahrheit

Seriöse Kostenvergleiche hängen stark von Gebäude, Wärmebedarf, Strom- und Gaspreis, Jahresarbeitszahl (JAZ) und Förderung ab. Die folgenden Szenarien zeigen die Bandbreite für ein typisches Einfamilienhaus mit 20.000 kWh Wärmebedarf — mit dokumentierten Annahmen und gerundeten Werten.

_Typisches EFH, 20.000 kWh/Jahr — jährliche Betriebskosten_

- Gas (Brennwert), CO2 55 EUR/t
  - Gasverbrauch: 20.000 kWh
  - Gaspreis (Mittel 2026): ~11 Ct/kWh
  - Energiekosten: ~2.200 EUR
  - CO2-Anteil 2026 (~1,1 Ct/kWh): ~220 EUR
  - Wartung + Schornsteinfeger: ~250 EUR
  - Betriebskosten p.a.: ~2.670 EUR
- WP, mittlere JAZ 3,5, WP-Tarif
  - Stromverbrauch: ~5.700 kWh
  - WP-Sondertarif: ~24 Ct/kWh
  - Energiekosten: ~1.370 EUR
  - CO2-Anteil: 0 EUR (kein fossiler Brennstoff direkt)
  - Wartung: ~150 EUR
  - Betriebskosten p.a.: ~1.520 EUR
- Ersparnis: Die Differenz im mittleren Fall liegt bei rund 1.150 EUR/Jahr zugunsten der WP. Sie verändert sich stark mit JAZ, Strom- und Gaspreis sowie CO2-Pfad.

_Drei Szenarien für die laufenden Kosten — Sensitivität_

| Szenario | Annahmen | WP p.a. | Gas p.a. | Differenz |
| --- | --- | --- | --- | --- |
| günstig (WP) | JAZ 4,0; WP-Tarif 22 Ct; Gas 12 Ct + 1,1 Ct CO2 | ~1.250 EUR | ~2.870 EUR | ~1.620 EUR weniger |
| mittel | JAZ 3,5; WP-Tarif 24 Ct; Gas 11 Ct + 1,1 Ct CO2 | ~1.520 EUR | ~2.670 EUR | ~1.150 EUR weniger |
| ungünstig (WP) | JAZ 2,8; WP-Tarif 28 Ct; Gas 10 Ct + 1,1 Ct CO2 | ~2.150 EUR | ~2.470 EUR | ~320 EUR weniger |

Die WP ist im Mittel und im günstigen Fall klar wirtschaftlich, im ungünstigen Fall nur knapp. Steigende ETS-2-Preise ab 2028 und steigende Gasnetzentgelte verschieben den Break-even tendenziell zugunsten der WP; entscheidend für die individuelle Rechnung sind Auslegung (Heizflächen, Hydraulik), Stromtarif und Förderquote.

### Fraunhofer ISE WP-QS (2025): Wärmepumpe im Bestand

Im BMWE-geförderten Projekt WP-QS im Bestand wurden 77 Wärmepumpen (61 Luft/Wasser, 16 Sole/Wasser) in Bestandsgebäuden mit Baujahren von 1826 bis 2001 vier Jahre lang vermessen. Abschluss November 2025.

- **Behauptung:** Im Altbau funktionieren Wärmepumpen nicht — dort sind sie ineffizient und unwirtschaftlich.
  - **Faktencheck:** Die Fraunhofer-ISE-Feldstudie vermaß vier Jahre lang 77 Wärmepumpen in Bestandsbauten (Baujahre 1826 bis 2001): Luft/Wasser-Geräte erreichten im Mittel eine Jahresarbeitszahl von 3,4, Sole/Wasser-Geräte 4,3 — ohne erkennbaren Zusammenhang zwischen Baujahr und Effizienz.

- Luft/Wasser-WP: JAZ 3,4 (Mittel (Bandbreite 2,6 bis 4,9))
- Sole/Wasser-WP: JAZ 4,3 (Mittel (Bandbreite 3,6 bis 5,4))
- CO2 vs. Gas: -64 % (dynamisch bilanziert (2024))
- Zusammenhang: kein (Baujahr ↔ Effizienz)

- Ausreichend dimensionierte Heizkörper konnten im Mittel mit ähnlich niedrigen Vorlauftemperaturen betrieben werden wie Fußbodenheizungen. Entscheidend sind Heizflächen und Hydraulik, nicht das Gebäudealter.

- Wichtige Einschränkung: Die Studie zeigt das Mögliche, nicht das Garantierte. Schlechte Auslegung, zu kleine Heizkörper, ungünstige Hydraulik, hohe Vorlauftemperaturen oder ein hoher Heizstabanteil können die JAZ deutlich drücken.

## Quellen

- [Fraunhofer ISE — WP-QS im Bestand (Pressemitteilung, November 2025)](https://www.ise.fraunhofer.de/en/press-media/press-releases/2025/fraunhofer-ise-research-project-completed-heat-pumps-provide-climate-friendly-heating-in-existing-buildings.html)
- [BDEW — Heizungsmarkt und Gebäudebestand (Zensus 2022)](https://www.bdew.de/media/documents/BDEW_Heizungsmarkt_2023_Zensus2022_BROSCH%C3%9CRE_Druckdatei_Final_1_8zcnCHX.pdf)
- [DIW Berlin — Wärmewende und Stilllegung der Erdgasnetze](https://www.diw.de/de/diw_01.c.898168.de/publikationen/wochenberichte/2024_13_1/waermewende__bundesregierung_sollte_kommunen_bei_der_stilllegung_der_erdgasnetze_unterstuetzen.html)
- [EWI Köln — Auswirkungen und Preispfade des EU-ETS 2](https://www.ewi.uni-koeln.de/de/publikationen/auswirkungen-und-preispfade-des-eu-ets2/)
- [Verivox — Gaspreisentwicklung 2026](https://www.verivox.de/gas/gaspreisentwicklung/)
- [Verivox — Wärmepumpenstrom Preisentwicklung](https://www.verivox.de/heizstrom/waermepumpenstrom-preisentwicklung/)
