# Mehr Videoüberwachung macht uns endlich sicher!

Thema: Innere Sicherheit & Kriminalität
URL: https://fakten-stammtisch.de/thema/innere-sicherheit/videoueberwachung-macht-sicher/
Bewertung: Teilweise wahr
Stand: 2026-07-08

## Antwort

Videoüberwachung kann helfen — aber gezielt, nicht pauschal. Die Forschung zeigt: An überschaubaren Orten und bei planbaren Eigentumsdelikten (etwa Kfz-Diebstahl in Parkhäusern) sinkt die Kriminalität messbar. Bei spontaner Gewalt im Affekt zeigt sie dagegen kaum Wirkung. Der Test in der Berliner U-Bahn brachte keinen Sicherheitsgewinn; in Mannheim stieg bislang nur das subjektive Sicherheitsgefühl, die objektive Wirkung ist erst 2027 belastbar bewertbar. Kameras ersetzen keine Polizei — sie wirken nur im richtigen Kontext.

## Was hinter der Parole steckt

Die Parole macht aus einer kontextabhängigen Maßnahme eine Wunderwaffe (‚endlich sicher‘). Sie übergeneralisiert einen begrenzten Effekt (Eigentumsdelikte in abgegrenzten Räumen) auf alle Kriminalität — gerade bei spontaner Gewalt, die viele am meisten fürchten, ist die Wirkung schwach.

## Am Tisch nützlich – Gegenfragen

- „Bei welcher Art von Straftaten soll die Kamera konkret helfen — Eigentum oder spontane Gewalt?"
- „Wenn der Berliner U-Bahn-Test keinen Sicherheitsgewinn brachte, woran lag das?"
- „An welchem Ort und gegen welche Deliktart soll die Kamera konkret wirken — und was sagt die Forschung zu genau diesem Einsatz?"

## Fakten dazu

### Videoüberwachung & Prävention — was wirkt?

Mehr Videoüberwachung ist eine zentrale Forderung in der Sicherheitsdebatte. Die Forschung zeichnet ein differenziertes Bild: Videoüberwachung wirkt vor allem dort, wo Taten planbar sind und in abgegrenzten Räumen stattfinden — kaum dagegen bei spontaner Gewalt im Affekt. Eine internationale Meta-Analyse (Welsh & Farrington) findet einen ‚moderaten, aber signifikanten‘ Gesamteffekt, getragen vor allem von Parkhäusern.

_Wo Videoüberwachung wirkt — und wo kaum_

- Eher wirksam
  - Kfz-Diebstahl in Parkhäusern: deutlicher Rückgang (über 40 %)
  - Planbare Eigentumsdelikte: messbar reduziert
- Kaum wirksam
  - Gewaltkriminalität: kein nachweisbarer Effekt
  - Taschendiebstahl: nur 2–4 % weniger

- Praxisbeispiele bestätigen die Vorsicht: Der Videotest in der Berliner U-Bahn (2006/07) brachte keinen Sicherheitsgewinn — von tausenden Delikten lag nur in 78 Fällen verwertbares Material vor. In Mannheim stieg durch KI-gestützte Überwachung bislang nur das subjektive Sicherheitsgefühl (von 51 % auf 58 %); eine belastbare Bewertung der objektiven Wirkung steht erst 2027 an. Kameras können Polizeiarbeit ergänzen, aber nicht ersetzen.

## Quellen

- [Welsh & Farrington – Effects of Closed Circuit Television Surveillance on Crime (Campbell Systematic Review)](https://ideas.repec.org/a/wly/camsys/v4y2008i1p1-73.html)
- [SozTheo (Prof. Christian Wickert) – Videoüberwachung: Forschungsstand zur Wirksamkeit](https://soztheo.de/stadtsoziologie/videoueberwachung/)
- [KFN – Forschungsbericht 143: Evaluation polizeilicher Videobeobachtung in NRW (Glaubitz et al. 2018)](https://kfn.de/wp-content/uploads/Forschungsberichte/FB_143.pdf)
- [heise online – Studie: Videoüberwachung in Berliner U-Bahn brachte keinen Sicherheitsgewinn (2007)](https://www.heise.de/newsticker/meldung/Studie-Videoueberwachung-in-Berliner-U-Bahn-brachte-keinen-Sicherheitsgewinn-183294.html)
- [heise online – Evaluation von intelligenter Videoüberwachung in Mannheim erst 2027 (2023)](https://www.heise.de/news/Evaluation-von-intelligenter-Videoueberwachung-in-Mannheim-erst-2027-9580827.html)
