# KI betrifft nur einfache Tätigkeiten!

Thema: KI und der Arbeitsmarkt
URL: https://fakten-stammtisch.de/thema/ki-arbeitsmarkt/nur-einfache-taetigkeiten/
Bewertung: Falsch
Stand: 2026-06-10

## Antwort

Das Gegenteil ist der Fall: Die stärkste Zunahme der Automatisierbarkeit zeigt sich bei Expertenberufen (+9,7 Prozentpunkte). Betriebswirte, Softwareentwickler und Journalisten erleben Sprünge von 20 bis 30 Prozentpunkten. Der absolute Wert bleibt bei Fachkraftberufen am höchsten (62 %), aber der Trend zeigt klar: Generative KI trifft zunehmend die Wissensarbeit.

## Was hinter der Parole steckt

Fortschreibung eines veralteten Musters: Die Erfahrung aus der Industrieautomatisierung — Roboter ersetzen Handarbeit — wird unverändert auf generative KI übertragen. Die automatisiert aber gerade Text-, Analyse- und Codearbeit, also Kernaufgaben von Wissensberufen. Was bei Fließband und Lagerhalle stimmte, kehrt sich bei Sprachmodellen teilweise um.

## Am Tisch nützlich – Gegenfragen

- „Was kann ein Sprachmodell besser: ein Regal einräumen oder einen Bericht schreiben?"
- „Welche Tätigkeiten in deinem eigenen Job wären betroffen, wenn Texte, Analysen und Code automatisierbar werden?"
- „Warum ist das Automatisierungspotenzial laut IAB zuletzt ausgerechnet bei Akademikerberufen am stärksten gestiegen?"

## Fakten dazu

### Welche Berufe sind besonders exponiert?

Das IAB misst für jeden Beruf, welcher Anteil seiner Kerntätigkeiten heute potenziell von Computern oder KI übernommen werden könnte — das sogenannte Substituierbarkeitspotenzial. Das bedeutet nicht, dass diese Jobs tatsächlich wegfallen, sondern zeigt, wo technisch eine Automatisierung möglich wäre.

_Substituierbarkeitspotenzial nach Anforderungsniveau (2022)_

- Fachkraftberufe: 62 %
- Helferberufe: 57 %
- Spezialistenberufe: 50 %
- Expertenberufe: 36 %

- 13,03 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (38 %) arbeiten in Berufen mit einem Substituierbarkeitspotenzial von über 70 %. 2019 waren es noch 34 %.

Die überraschende Erkenntnis: Durch generative KI steigt das Potenzial bei Expertenberufen am stärksten (+9,7 Prozentpunkte seit 2019), obwohl es dort absolut am niedrigsten bleibt. Hochqualifizierte bekommen die Digitalisierung verstärkt zu spüren — ein neues Phänomen, das vor allem auf Text-, Bild- und Codegeneratoren zurückgeht.

- Bei mehr als der Hälfte der Berufe (2.234 von 4.316) hat sich das Substituierbarkeitspotenzial zwischen 2019 und 2022 gar nicht verändert. Gleichzeitig sind über 280 neue Berufe entstanden — etwa KI-Manager:in, Machine Learning Engineer oder Ethical Hacker.

### Wer gewinnt, wer verliert?

Generative KI hat das Bild verschoben: Nicht mehr nur Fabrikarbeit ist exponiert, sondern zunehmend Wissensarbeit. Der stärkste Anstieg der Substituierbarkeit findet in IT- und naturwissenschaftlichen Dienstleistungsberufen statt, gefolgt von Handels- und Unternehmensführungsberufen. Kaum verändert haben sich soziale, pflegerische und handwerkliche Berufe.

_Substituierbarkeitspotenzial ausgewählter Berufe (IAB 2024)_

| Beruf | 2019 | 2022 | Veränderung |
| --- | --- | --- | --- |
| Synchronsprecher:in | < 100 % | 100 % | vollständig |
| Modedesigner:in | 50 % | 88 % | +38 PP |
| Softwareentwickler:in | k. A. | k. A. | ca. +30 PP |
| Hörfunk-/Fernsehsprecher:in | 14 % | 43 % | +29 PP |
| Komponist:in | 0 % | 25 % | +25 PP |
| Betriebswirt:in (Industrie) | 46 % | 69 % | +23 PP |
| Journalist:in | 20 % | 40 % | +20 PP |
| Friedhofsarbeiter:in | 60 % | 44 % | −16 PP |
| Gesundheitsberufe | ~27 % | 26,5 % | ±0 |
| Soziale Dienstleistungen | ~14 % | 13,5 % | ±0 |

Zwei Lesehinweise zur Tabelle: Für Softwareentwickler:innen nennt das IAB nur den Anstieg (rund 30 Prozentpunkte durch Low- und No-Coding), keine Absolutwerte. Und das Potenzial kann auch sinken — bei Friedhofsarbeiter:innen fiel es von 60 auf 44 %, weil nicht automatisierbare Aufgaben wie Heckenschnitt und Winterdienst neu zu den Kerntätigkeiten zählen. Berufsbilder verschieben sich also in beide Richtungen.

- Frauen sind in Industrieländern fast dreimal stärker von KI-Automatisierung bedroht als Männer: 9,6 % der weiblichen Arbeitsplätze fallen in die höchste Expositionsstufe, bei Männern sind es 3,5 %. Grund ist die starke Konzentration von Frauen in Büro-, Verwaltungs- und Buchhaltungstätigkeiten.

## Quellen

- [IAB – Kurzbericht 5/2024: Substituierbarkeitspotenziale von Berufen](https://doku.iab.de/kurzber/2024/kb2024-05.pdf)
- [ILO – Generative AI and Jobs: Gender Impact (2024)](https://www.ilo.org/resource/news/new-ilo-data-confirm-women-face-higher-workplace-risks-generative-ai-men)
