# Im Osten verdient man immer noch viel weniger als im Westen!

Thema: Ostdeutschland — Ost-West-Unterschiede
URL: https://fakten-stammtisch.de/thema/ostdeutschland/loehne-luecke-real/
Bewertung: Teilweise wahr
Stand: 2026-07-07

## Antwort

Richtig ist: Eine Lücke besteht noch, sie ist aber auf einem historischen Tiefstand. 1991 lag der Ostlohn bei nur 46 % des Westniveaus, 2024 sind es je nach Methodik 83–86 %. Bei niedrigen Löhnen ist die Lücke durch den Mindestlohn fast geschlossen, bei mittleren und hohen Gehältern bleibt sie größer. Der pauschale Satz trifft im Schnitt zu, unterschätzt aber deutlich, wie stark sich der Abstand seit 2015 verkleinert hat.

## Was hinter der Parole steckt

Momentaufnahme statt Trend: Die Aussage ignoriert, dass sich die Lücke gerade in den letzten zehn Jahren stark verkleinert hat, und erweckt so den Eindruck von Stillstand.

## Am Tisch nützlich – Gegenfragen

- „Meinst du den Unterschied bei niedrigen oder bei hohen Einkommen?"
- „Hat sich der Abstand in den letzten 10 Jahren für dich verändert oder ist er gleich geblieben?"

## Fakten dazu

### Löhne & Einkommen

Die Lohnlücke zwischen Ost- und Westdeutschland ist eines der langlebigsten Stammtischthemen — und gleichzeitig eines der Themen mit der klarsten Datenlage. Nach der Wiedervereinigung verdienten Beschäftigte im Osten nur einen Bruchteil des Westniveaus. Seither hat sich der Abstand deutlich verringert, ist aber nicht verschwunden.

_Bruttomonatsverdienst Vollzeitbeschäftigte_

- Ost 1991: 924 €
- West 1991: 1987 €
- Ost 2024: 3973 €
- West 2024: 4810 €

- Verdienstlücke 2024: 17,4 % (Destatis, alle Vollzeitbeschäftigten)
- Lohnlücke 2024 (IAB): 14 % (war noch 26 % im Jahr 2012)
- Stundenlohn 1. Dezil: 12,87 € / 13,00 € (im Niedriglohnbereich fast angeglichen)

Laut einer Auswertung des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung hat sich das Tempo der Angleichung seit Einführung des Mindestlohns 2015 verdreifacht: Zwischen 1999 und 2014 schrumpfte die Lücke nur um 1,6 Prozentpunkte, zwischen 2014 und 2024 um 7,0 Prozentpunkte. Im unteren Lohnbereich ist die Lücke damit praktisch geschlossen, bei mittleren und hohen Einkommen bleibt sie größer.

## Quellen

- [Statistisches Bundesamt – 35 Jahre Deutsche Einheit: Verdienstunterschiede](https://www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/35-Jahre-Deutsche-Einheit/Vermoegen-Einkommen/Textbausteine/01_verdienstunterschiede.html)
- [IAB – Lohnlücke zwischen Ost und West bei Vollzeitbeschäftigten](https://iab.de/presseinfo/trotz-schrumpfender-lohnluecke-beschaeftigte-im-osten-verdienen-immer-noch-14-prozent-weniger-als-im-westen/)
- [Hans-Böckler-Stiftung/WSI – Weiter Lohngefälle zwischen West und Ost](https://www.boeckler.de/de/pressemitteilungen-2675-weiter-lohngefalle-zwischen-west-und-ost-71794.htm)
