# Die Gaspreise sind doch nur wegen der Sanktionen explodiert.

Thema: Russland, Ukraine & Sanktionen
URL: https://fakten-stammtisch.de/thema/russland-ukraine-sanktionen/gaspreise-nur-wegen-sanktionen/
Bewertung: Irreführend
Stand: 2026-06-10

## Antwort

Die Energiepreise sind 2022 tatsächlich stark gestiegen — aber nicht wegen Gassanktionen: Die EU hat russisches Gas 2022 gar nicht sanktioniert. Es war Russland, das die Lieferungen durch Nord Stream 1 ab Juni 2022 drosselte und im September ganz stoppte, bevor Energie-Embargos überhaupt griffen. Die Preise stiegen also durch die russische Verknappung und die Kriegsunsicherheit. Inzwischen haben sich die Großhandelspreise wieder weitgehend normalisiert.

## Was hinter der Parole steckt

Hier werden Ursache und Wirkung vertauscht: Der Preisanstieg wird den Sanktionen zugeschrieben, obwohl Gas 2022 nicht sanktioniert war. Tatsächlich ging die russische Lieferdrosselung den Energie-Embargos zeitlich voraus.

## Am Tisch nützlich – Gegenfragen

- „Wurde russisches Gas 2022 überhaupt von der EU sanktioniert?"
- „Was war zuerst da — die russische Drosselung der Lieferungen oder ein EU-Gasembargo?"
- „Wenn die Sanktionen schuld wären: Warum sind die Gaspreise trotz fortbestehender Sanktionen wieder gesunken?"

## Fakten dazu

### Energie: Abkehr von russischem Gas

Vor dem Krieg war Deutschland stark von russischem Erdgas abhängig: 2021 stammten rund 52 % der Gasimporte aus Russland. Heute fließt praktisch kein russisches Pipelinegas mehr nach Deutschland. Wichtig für die Einordnung: Es war Russland, das die Lieferungen drosselte — nicht eine Gassanktion der EU.

_Woher Deutschland 2024 sein Gas bezog_

- Norwegen: 48% (größter Lieferant)
- Niederlande: 25%
- Belgien: 18%
- LNG & Sonstige: 9% (LNG v. a. aus den USA)
- Gesamt: Russisches Pipelinegas: 0 %

- Russland drosselte die Lieferungen durch Nord Stream 1 ab Juni 2022 schrittweise und stoppte sie im September 2022 ganz — bevor überhaupt EU-Energieembargos in Kraft traten. Erdgas war 2022 von den EU-Sanktionen gar nicht erfasst.

- Am 26. September 2022 wurden die Pipelines Nord Stream 1 und 2 durch Sprengsätze schwer beschädigt. Der Generalbundesanwalt bestätigt eine vorsätzliche Sprengstoffexplosion — also Sabotage.

Die Großhandelspreise für Gas schossen 2022 in der Spitze auf ein Vielfaches des Vorkriegsniveaus, haben sich seither aber wieder weitgehend normalisiert. Die Versorgung wurde durch neue LNG-Terminals und andere Lieferländer umgestellt.

## Quellen

- [EU-Kommission: Sanktionen im Energiebereich](https://commission.europa.eu/topics/eu-solidarity-ukraine/eu-sanctions-against-russia-following-invasion-ukraine/sanctions-energy_en)
- [Bundesnetzagentur: Rückblick auf die Gasversorgung 2022](https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2023/20230106_RueckblickGasversorgung.html)
- [Bundesnetzagentur: Rückblick auf die Gasversorgung 2024](https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/20250108_GasRueckblick.html)
- [Generalbundesanwalt: Pressemitteilung zur Nord-Stream-Sabotage (21.08.2025)](https://www.generalbundesanwalt.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/Pressemitteilung-vom-21-08-2025.html)
