# Die Sanktionen schaden uns mehr als Russland!

Thema: Russland, Ukraine & Sanktionen
URL: https://fakten-stammtisch.de/thema/russland-ukraine-sanktionen/sanktionen-schaden-uns-mehr/
Bewertung: Irreführend
Stand: 2026-06-10

## Antwort

Die Kosten für Deutschland sind real — Energiepreise, Inflation, Belastungen für Unternehmen. Doch die Größenordnung unterscheidet sich: Russland steckt rund 7,5 % seines BIP ins Militär, die Öl- und Gaseinnahmen sanken 2025 nach eigenen Angaben um etwa 21 %, und die Zentralbank musste den Leitzins zeitweise auf ein Rekordhoch von 21 % anheben. Deutschland federte die Krise mit einem 200-Mrd.-Abwehrschirm ab, und die Inflation ging ab 2023 wieder zurück. Beide Seiten zahlen — aber dass es ‚uns mehr' schadet, tragen die Daten nicht.

## Was hinter der Parole steckt

Die Parole vergleicht selektiv: Sie stellt die sichtbaren Kosten bei uns den weniger sichtbaren Belastungen in Russland gegenüber und blendet aus, dass Sanktionen langfristig wirken. Oft schwingt ein Nullsummen-Denken mit — als wäre jeder Nachteil bei uns automatisch ein Vorteil für die Gegenseite.

## Am Tisch nützlich – Gegenfragen

- „Woran genau machst du fest, dass es uns ‚mehr' schadet — an welcher Zahl?"
- „Wenn Russland 7,5 % seines BIP fürs Militär aufwendet und die Energieeinnahmen sinken: Wer trägt da die größere Last?"
- „Würdest du den einmaligen Preisschock 2022 mit der dauerhaften Belastung einer Kriegswirtschaft gleichsetzen?"

## Fakten dazu

### Was kostet uns das?

Der Krieg und die Energiekrise haben Deutschland viel Geld gekostet — über höhere Energiepreise, Inflation und milliardenschwere Entlastungspakete. Diese Lasten sind real und sollten nicht kleingeredet werden. Es lohnt aber, die Größenordnungen einzuordnen.

- Inflation 2022: 7,9 % (VPI; harmonisiert (HVPI): 8,7 %)
- Inflation 2023: 5,9 % (rückläufig (VPI, Jahresdurchschnitt))
- Energie-Abwehrschirm: 200 Mrd. € (‚Doppelwumms' 2022, Gas-/Strompreisbremse)
- Bundeshaushalt 2025: 502,55 Mrd. € (Bezugsgröße für Einordnung)

- Der einmalige Energie-Abwehrschirm von 2022 (200 Mrd. €) übertraf die über fast vier Jahre kumulierte deutsche Ukraine-Hilfe deutlich. Die größten Kosten der Krise entstanden im Inland — bei der Abfederung der Energiepreise.

### Wirken die Sanktionen?

Sanktionen wirken selten als Knockout, sondern als langsame Erosion der wirtschaftlichen Handlungsspielräume. Kurzfristig hat Russland sie besser verkraftet als von manchen erwartet — die Kriegswirtschaft hielt die Konjunktur zunächst oben. Mittelfristig zeigen sich aber deutliche Belastungen.

- BIP-Wachstum Russland: +4,3 % → +0,6 % (2024 (Ist) zu 2025 (IWF-Prognose))
- des BIP für das Militär: ~7,5 % (2025, höchster Anteil seit Sowjet-Ende (SIPRI))
- Öl- & Gaseinnahmen: −21 % (Jan.–Okt. 2025, russ. Finanzministerium)

- Selbst nach Russlands eigenen Zahlen sanken die Öl- und Gaseinnahmen 2025 um rund 21 % — ihr Anteil an den Föderalhaushaltseinnahmen fiel unter 23 %, der niedrigste Rohstoff-Anteil seit Jahrzehnten.

Gleichzeitig laufen die Sanktionen nicht ins Leere, aber auch nicht perfekt: Russland beschafft militärisch relevante Komponenten weiter über Drittländer und Parallelimporte. Das Kiel Institute beschreibt die Kriegswirtschaft als ‚groß und wachsend' — finanziert allerdings auf Kosten ziviler Bereiche und mit einem Leitzins, den die Zentralbank zeitweise auf ein Rekordhoch von 21 % anheben musste.

## Quellen

- [SIPRI: Military spending in Russia's budget 2026](https://www.sipri.org/publications/2026/sipri-insights-peace-and-security/budget-fifth-year-war-military-spending-russias-budget-2026)
- [IWF World Economic Outlook (Okt. 2025), zit. n. The Moscow Times](https://www.themoscowtimes.com/2025/10/14/imf-cuts-russias-2025-economic-forecast-again-a90809)
- [Russisches Finanzministerium: Öl- und Gaseinnahmen 2025, zit. n. TASS](https://tass.com/economy/2042183)
- [Kiel Institute: Kiel Report Nr. 3 – Russlands Kriegswirtschaft (Juni 2025)](https://www.kielinstitut.de/fileadmin/Dateiverwaltung/IfW-Publications/fis-import/eef51261-68bf-4883-b1e9-ed0fb74a92ed-Kiel_Report_no3.pdf)
- [Russische Zentralbank: Leitzins-Anhebung auf Rekordhoch 21 %, zit. n. TASS](https://tass.com/economy/1862371)
- [Destatis: Inflationsrate 2022 bei +7,9 %](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2023/01/PD23_022_611.html)
- [Destatis: Inflationsrate 2023 bei +5,9 %](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/01/PD24_020_611.html)
- [Deutscher Bundestag: Wirtschaftsstabilisierungsfonds / 200-Mrd.-Abwehrschirm (Okt. 2022)](https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2022/kw42-de-stabilisierungsfond-915612)
- [Deutscher Bundestag: Haushaltsgesetz 2025 (502,55 Mrd. €)](https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2025/kw38-de-haushaltsgesetz-2025-dritte-lesung-1104010)
- [Auswärtiges Amt: Deutsche Unterstützung für die Ukraine (Stand 24.02.2026)](https://www.auswaertiges-amt.de/de/service/laender/ukraine-node/ukraine-solidaritaet-2513956)
