# Die Leute wollen heute alle nur noch in Teilzeit arbeiten und ihre Freizeit genießen.

Thema: Teilzeit & Arbeitsmoral
URL: https://fakten-stammtisch.de/thema/teilzeit/arg-1/
Bewertung: Teilweise wahr
Stand: 2026-06-10

## Antwort

Der Wunsch nach reduzierter Arbeitszeit ist tatsächlich der häufigste Einzelgrund für Teilzeit (27,9 %). Fast genauso viele (23,5 %) arbeiten aber wegen Care-Arbeit reduziert — bei Frauen liegen beide Gründe nahezu gleichauf (28,9 % vs. 28,8 %). Und nur 4,8 % finden keine Vollzeitstelle, ein historischer Tiefstand. ‚Alle' stimmt also nicht, und ‚nur Freizeit' verkennt, dass hinter einem großen Teil der Teilzeit die Betreuung von Kindern und Pflegebedürftigen steht.

## Was hinter der Parole steckt

Die Parole pauschalisiert von einzelnen Beobachtungen auf ‚alle' und setzt Teilzeit mit Bequemlichkeit gleich. Sie blendet aus, dass ein großer Teil der reduzierten Stunden auf unbezahlte Sorgearbeit entfällt — also Arbeit ist, nur eben unvergütete.

## Am Tisch nützlich – Gegenfragen

- „Wen genau meinst du mit ‚alle' — auch die Mutter, die wegen fehlender Kitaplätze nicht aufstocken kann?"
- „Würdest du die Pflege von Angehörigen als ‚Freizeit genießen' bezeichnen?"
- „Wenn so viele lieber kürzertreten — warum werden dann jedes Jahr über 600 Millionen Überstunden unbezahlt geleistet?"

## Fakten dazu

### Warum arbeiten Menschen in Teilzeit?

Die Gründe für Teilzeitarbeit sind vielfältig. Der allgemeine Wunsch nach reduzierter Arbeitszeit ist der häufigste Einzelgrund, doch Care-Arbeit (Betreuung von Kindern oder Pflegebedürftigen) spielt eine fast ebenso große Rolle — insbesondere bei Frauen. Nur 4,8 % der Teilzeitbeschäftigten geben an, keine Vollzeitstelle gefunden zu haben.

_Hauptgründe für Teilzeitarbeit (2024)_

- Eigener Wunsch: 27.9 %
- Care-Arbeit (Kinder/Pflege): 23.5 %
- Aus- und Weiterbildung: 11.6 %
- Krankheit/Behinderung: 4.9 %
- Keine Vollzeitstelle gefunden: 4.8 %

_Teilzeitgründe nach Geschlecht (2024)_

- Frauen
  - Eigener Wunsch: 28,9 %
  - Care-Arbeit: 28,8 %
  - Aus-/Weiterbildung: 8,4 %
- Männer
  - Eigener Wunsch: 24,9 %
  - Care-Arbeit: 6,8 %
  - Aus-/Weiterbildung: 21,5 %

Auffällig: Der Anteil der unfreiwillig Teilzeitbeschäftigten ist mit 4,8 % auf einem historischen Tiefstand (2014: noch 13,6 %). Bei Frauen liegen Wunsch (28,9 %) und Care-Arbeit (28,8 %) nahezu gleichauf, bei Männern dominiert Aus- und Weiterbildung. Care-Arbeit ist bei Frauen damit mehr als viermal so häufig ein Teilzeitgrund wie bei Männern.

### Wunsch und Wirklichkeit der Arbeitszeit

Die gewünschte Arbeitszeit ist in Deutschland seit 2007 in allen Altersgruppen gesunken — nicht nur bei den Jungen. Laut Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ging der Wunsch bei Unter-25-Jährigen, bei 26- bis 40-Jährigen und bei Über-40-Jährigen jeweils um rund zwei bis drei Wochenstunden zurück. Der stärkste Rückgang zeigte sich bei Beschäftigten mit niedrigen Stundenlöhnen — ein Hinweis darauf, dass dahinter oft finanzielle und strukturelle Gründe stehen, nicht reine Bequemlichkeit.

_Durchschnittlich gewünschte Wochenarbeitszeit (2021)_

- Frauen
  - Gewünschte Stunden/Woche: ~29,5 h
- Männer
  - Gewünschte Stunden/Woche: ~35,4 h

Wunsch und tatsächliche Arbeitszeit klaffen dabei in beide Richtungen auseinander: Viele Vollzeitbeschäftigte würden gern etwas kürzer treten, während ein erheblicher Teil der Teilzeitbeschäftigten — vor allem alleinstehende Frauen — gern aufstocken würde. Es gibt also nicht nur überarbeitete, sondern auch unterbeschäftigte Menschen. Die pauschale Erzählung ‚alle wollen weniger arbeiten' verdeckt dieses gegenläufige Muster.

## Quellen

- [Destatis: Gründe für Teilzeittätigkeit 2024 (Mikrozensus-Endergebnisse, PD26 N007)](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/01/PD26_N007_13.html)
- [IW Köln: Arbeitszeitwünsche von jungen Beschäftigten (Hammermann/Schäfer, 2024)](https://www.iwkoeln.de/studien/andrea-hammermann-holger-schaefer-arbeitszeitwuensche-von-jungen-beschaeftigten.html)
- [IAB-Forum: Die gesetzliche Brückenteilzeit wird eher zurückhaltend genutzt (2023)](https://iab-forum.de/die-gesetzliche-bruckenteilzeit-wird-eher-zuruckhaltend-genutzt/)
