# Homeoffice macht die Verkehrswende doch überflüssig — es wird ja sowieso immer weniger gependelt.

Thema: Verkehrswende
URL: https://fakten-stammtisch.de/thema/verkehrswende/arg-homeoffice-verkehrswende/
Bewertung: Irreführend
Stand: 2026-07-08

## Antwort

Homeoffice verändert das Pendelverhalten, macht Verkehrspolitik aber nicht überflüssig: Zwar sinkt die Zahl der täglichen Pendelwege, doch laut IAB stiegen die durchschnittlichen Pendeldistanzen zwischen 2020 und 2023 gleichzeitig deutlich — wer seltener ins Büro muss, zieht offenbar auch mal weiter weg und nimmt dafür einen längeren Arbeitsweg in Kauf. Der wahre Kern: Für die rund 35 % der Beschäftigten mit Homeoffice-Option sinkt die Pendelhäufigkeit tatsächlich. Für den Großteil der Erwerbstätigen — inklusive praktisch aller Berufe mit Publikumsverkehr, Produktion oder Pflege — sowie für Einkauf, Schule und Freizeit ändert sich dadurch nichts an der Autoabhängigkeit.

## Was hinter der Parole steckt

Die Parole verallgemeinert einen Teileffekt (weniger Fahrten für eine Minderheit mit Bürojobs) zu einer Aussage über den gesamten Verkehr und übersieht den Rebound-Effekt: Der scheinbare Fortschritt bei der Häufigkeit wird durch längere Distanzen teilweise wieder aufgezehrt.

## Am Tisch nützlich – Gegenfragen

- „Wie viele deiner Wege sind eigentlich Arbeitswege — und wie viele sind Einkauf, Kinder bringen, Arzt, Freizeit?"
- „Wenn Homeoffice weitere Pendelstrecken erst attraktiv macht — sinkt dann wirklich die insgesamt gefahrene Distanz?"
- „Was ändert Homeoffice für Berufe, die sich nicht von zu Hause erledigen lassen?"

## Fakten dazu

### Soziale Teilhabe & Gerechtigkeit

Verkehrswende heißt nicht Autoverbot, sondern echte Wahlfreiheit zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln. Viele Menschen sind heute mangels Alternativen auf das Auto angewiesen — gute Alternativen zu schaffen ist der eigentliche Kern der Verkehrswende.

- Haushalte ohne Auto: 20 % (bundesweit (MiD 2023))
- MIV-Anteil im ländlichen Raum: > 60 % (an den Wegen laut MiD)
- Bevölkerung mit gut erreichbarer Haltestelle: 90 % (aber große regionale Unterschiede)

_Pendlerkosten-Vergleich: 17 km einfach, 220 Arbeitstage/Jahr_

| Verkehrsmittel | Kosten/Monat | Kosten/Jahr |
| --- | --- | --- |
| PKW (Kleinwagen, ADAC-Vollkosten) | ~290 € | ~3.500 € |
| Deutschlandticket (ÖPNV) | 63 € | 756 € |
| E-Bike (Anschaffung + Strom + Wartung) | ~40 € | ~480 € |
| Fahrrad (Wartung/Abschreibung) | ~20 € | ~240 € |

- Bei einer typischen Pendelstrecke von 17 km kostet das Auto rund 3.500 €/Jahr (ADAC-Vollkosten). Wer auf Deutschlandticket + Fahrrad umsteigen kann, spart über 2.500 € im Jahr.

_Mobilitätskosten im Vergleich (monatlich)_

- Eigener Kleinstwagen
  - ADAC-Gesamtkosten: ab ~350 €/Monat
  - davon Wertverlust: ~100–150 €
  - davon Kraftstoff: ~80–120 €
  - davon Versicherung + Steuer: ~60–80 €
  - Jährlich: ab ~4.200 €
- D-Ticket + Fahrrad + Carsharing
  - Deutschlandticket: 63 €/Monat
  - Fahrrad (Abschreibung/Wartung): ~20 €/Monat
  - Carsharing (gelegentlich): ~50 €/Monat
  - Jährlich: ~1.600 €
- Ersparnis: Ersparnis ohne eigenes Auto: rund 2.600 €/Jahr bei diesem Beispiel — sofern Alternativen vorhanden sind.

- Schon der günstigste Kleinstwagen kostet laut ADAC ab rund 350 € im Monat — weit mehr, als die meisten Menschen für Sprit allein rechnen. Wer Alternativen hat, kann erheblich sparen.

- Laut FÖS begünstigt das Dienstwagenprivileg vor allem höhere Einkommen und setzt im Verkehrssystem klimapolitisch problematische Anreize.

Rund zwei Drittel aller Neuwagen werden gewerblich zugelassen. Wie Dienstwagen besteuert werden, beeinflusst deshalb direkt das Tempo der Antriebswende.

In vielen ländlichen Regionen ist ein alltagstauglicher ÖPNV schwerer erreichbar als in Städten. Genau dort braucht die Verkehrswende bessere Takte, Rufbusse und sichere Anschlüsse statt bloß Appelle.

- Homeoffice verändert das Pendelverhalten, löst die Verkehrswende aber nicht von selbst: Laut IAB stiegen die durchschnittlichen Pendeldistanzen zwischen 2020 und 2023 spürbar (Männer von 28,7 auf 30,8 km, Frauen von 19,1 auf 20,9 km) — wer seltener ins Büro muss, nimmt dafür einen weiteren Arbeitsweg in Kauf.

## Quellen

- [VDV: Deutschlandticket bleibt stabil nach Preisanpassung (27.01.2026)](https://www.vdv.de/presse.aspx?id=05b80d88-b010-4841-986a-fef4ae9c1873&mode=detail)
- [BMV: Mobilität in Deutschland 2023 - Überblick](https://www.bmv.de/SharedDocs/DE/Artikel/G/mobilitaet-in-deutschland.html)
- [ADAC: Autokosten-Check - Das sind die günstigsten Kleinstwagen](https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/auto-kaufen-verkaufen/autokosten/guenstigste-kleinstwagen-autokosten/)
- [BBSR: ÖV-Erreichbarkeit in Deutschland](https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/presse/presseinformationen/2023/oev-erreichbarkeit.html)
- [FÖS: Dienstwagenprivileg](https://foes.de/de-de/publikationen/publikation?tx_foespublications_listpublications%5Bpublication%5D=340&tx_foespublications_listpublications%5Baction%5D=show&tx_foespublications_listpublications%5Bcontroller%5D=Publication&cHash=9f763bdd4ac1008645f0f4e8df2f1c40)
- [IAB-Forum: Die Wege zwischen Arbeits- und Wohnort sind seit der Covid-19-Pandemie deutlich länger geworden](https://iab-forum.de/die-wege-zwischen-arbeits-und-wohnort-sind-seit-der-covid-19-pandemie-deutlich-laenger-geworden/)
