# Radwege sind Geldverschwendung — die nutzt doch kaum jemand!

Thema: Verkehrswende
URL: https://fakten-stammtisch.de/thema/verkehrswende/arg-radwege/
Bewertung: Überwiegend falsch
Stand: 2026-07-08

## Antwort

Gut geplante Radwege zahlen sich aus: Wo sichere, durchgängige Infrastruktur entsteht, steigt die Nutzung belegbar: Oldenburg erreicht im Binnenverkehr 47 % Radanteil, Fraunhofer ISI hält bei umfassendem Ausbau bis zu 45 % auf Strecken bis 30 km für möglich. Der wahre Kern: Ein halbfertiger Radweg, der im Nichts endet, wird kaum genutzt — Kritik an schlechter Planung ist berechtigt. Genau deshalb zahlt sich nur ein zusammenhängendes Netz aus, nicht das Stückwerk.

## Was hinter der Parole steckt

Die Parole zieht aus einer Momentaufnahme (der Radweg ist gerade leer) einen Dauerschluss und verkennt die Henne-Ei-Logik: Kaum genutzte Radwege sind oft Folge lückenhafter Netze, nicht fehlender Nachfrage. Gute Infrastruktur schafft erst die Nachfrage, die sie scheinbar voraussetzt.

## Am Tisch nützlich – Gegenfragen

- „Würdest du dein Kind auf einem Radweg fahren lassen, der mitten auf der Hauptstraße endet — und wenn nicht, liegt es am Bedarf oder an der Planung?"
- „Wie viele Menschen siehst du auf einem sicheren, durchgehenden Radweg gegenüber einem, der ständig abbricht?"
- „Was kostet ein Kilometer Radweg im Vergleich zu einem Kilometer Autostraße — und wie viele Menschen bewegt er pro Quadratmeter?"

## Fakten dazu

### Radverkehr & aktive Mobilität

- Radanteil (Wege): 11,2 % (MiD 2023, deutschlandweit)
- Fahrräder in DE: ~80 Mio. (MiD 2023)
- davon elektrisch: 1/4 (MiD 2023)

_Radverkehrsanteil am Modal Split (Alltagswege) in Deutschland_

- 2002: 9.3 %
- 2008: 9.9 %
- 2017: 10.9 %
- 2023: 11.2 %

- Ein Drittel aller Fahrrad-Personenkilometer werden mittlerweile mit E-Bikes gefahren.

- Oldenburg zeigt, was mit guter Radinfrastruktur möglich ist: Im Binnenverkehr werden dort laut SrV 2023 bereits 47 % der Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt — vor dem Auto (28 %).

_Radverkehrsanteil: Ist-Stand vs. Fraunhofer-ISI-Potenzial_

- Radanteil auf Wegen bis 30 km: aktuell 11.2 %, Ziel 45 %

Laut Fraunhofer ISI könnte der Radverkehrsanteil auf Wegen bis 30 km bei umfangreichen Maßnahmen auf durchschnittlich 45 % steigen — mehr als das Vierfache des heutigen Werts. Auch Lastenräder tragen dazu bei: 2025 wurden laut Branchenverband ZIV rund 220.300 Lastenräder verkauft, der Anteil mit elektrischer Unterstützung liegt inzwischen bei 84 %.

## Quellen

- [BMV / MiD 2023: Mobilität in Deutschland - Kurzreport](https://www.bmv.de/SharedDocs/DE/Anlage/G/mid-2023-kurzreport.pdf)
- [BMV: Mobilität in Deutschland 2023 - Überblick](https://www.bmv.de/SharedDocs/DE/Artikel/G/mobilitaet-in-deutschland.html)
- [MiD 2023: Veröffentlichungen](https://www.mobilitaet-in-deutschland.de/publikationen2023.html)
- [Stadt Oldenburg: Fahrrad baut Vorsprung als Verkehrsmittel Nummer 1 aus (SrV 2023)](https://www.oldenburg.de/metanavigation/presse/pressemitteilung/news/fahrrad-baut-vorsprung-als-verkehrsmittel-nummer-1-aus.html)
- [Fraunhofer ISI: Potenziale des Radverkehrs für den Klimaschutz](https://www.isi.fraunhofer.de/de/blog/2024/adfc-radverkehrsanteil-potenzialabschaetzungen.html)
- [ZIV - Die Fahrradindustrie: Marktdaten der Fahrradwirtschaft 2025 (PDF)](https://www.ziv-zweirad.de/wp-content/uploads/2026/03/Marktdaten-Fahrradwirtschaft-2025.pdf)
