# Das Stromnetz bricht zusammen, wenn alle elektrisch fahren.

Thema: Verkehrswende
URL: https://fakten-stammtisch.de/thema/verkehrswende/arg-stromnetz/
Bewertung: Überwiegend falsch
Stand: 2026-07-08

## Antwort

Ein flächendeckender Blackout durch E-Autos ist nicht das reale Szenario — die Herausforderung heißt gesteuertes Laden und Netzausbau. Genau dafür gilt seit 2024 § 14a EnWG: Netzbetreiber dürfen Wallboxen in seltenen Engpässen kurz drosseln (mindestens 4,2 kW bleiben garantiert) und dürfen den Anschluss im Gegenzug nicht mehr verweigern. Da die meisten Autos nachts laden, wenn der Verbrauch niedrig ist, lässt sich die Last verteilen. Klar ist: Das Netz muss ausgebaut und digitalisiert werden — das ist Arbeit, aber kein Zusammenbruch.

## Was hinter der Parole steckt

Die Parole springt von einer realen Herausforderung (lokale Lastspitzen) zur Katastrophe (das Netz bricht zusammen) — eine Dammbruch-Dramatisierung. Sie unterstellt, alle würden gleichzeitig laden, und ignoriert Steuerung, zeitliche Verteilung und den ohnehin laufenden Netzausbau.

## Am Tisch nützlich – Gegenfragen

- „Warum sollten alle E-Autos gleichzeitig mit voller Leistung laden, wenn die meisten nachts über Stunden am Netz hängen?"
- „Was spricht dagegen, das Laden wie früher den Nachtstrom gezielt in verbrauchsarme Zeiten zu lenken?"
- „Hat das Stromnetz nicht schon den Wegfall ganzer Industriezweige und den Zubau von Millionen Solaranlagen verkraftet?"

## Fakten dazu

### Reichweite, Laden & Stromnetz

- Tagesstrecke pro Person: ~30 km (werktäglich, MiD 2023)
- Autofahrten unter 10 km: > 60 % (MiD 2023)
- reale BEV-Reichweite: 300–400 km (typisch, je nach Modell)

- Die durchschnittliche Alltagsmobilität liegt weit unter typischen E-Auto-Reichweiten: Laut MiD 2023 legt eine Person werktäglich im Schnitt rund 30 km zurück, über 60 % der Autofahrten sind kürzer als 10 km. Reale Reichweiten aktueller E-Autos liegen meist bei 300 bis 400 km.

_Anteil der Autofahrten unter 10 km Länge_

- 6 von 10: Autofahrten sind kürzer als 10 km

- öffentliche Ladepunkte: 203.951 (Stand 1. Mai 2026)
- davon Schnelllader: 52.499 (DC / HPC)
- BEV pro Ladepunkt: ~10 (öffentlich, rechnerisch)

- Anfang Mai 2026 waren bei der Bundesnetzagentur 203.951 öffentliche Ladepunkte gemeldet, davon 52.499 Schnelllader — zusammen mit 8,75 GW gleichzeitig verfügbarer Ladeleistung. Das öffentliche Netz wächst weiter stark, regionale Lücken zwischen Stadt und Land bleiben aber bestehen.

- Seit dem 1. Januar 2024 regelt § 14a EnWG das netzorientierte Steuern von Wallboxen und Wärmepumpen: Netzbetreiber dürfen die Ladeleistung in seltenen Engpässen kurz drosseln — mindestens 4,2 kW bleiben garantiert — und dürfen den Anschluss im Gegenzug nicht mehr verweigern oder verzögern. Dafür sinkt das Netzentgelt.

Ein großer Teil der Ladevorgänge findet ohnehin zu Hause oder am Arbeitsplatz statt — gerade auf dem Land mit eigenem Stellplatz. Öffentliche Säulen sind dann vor allem für Langstrecke und Menschen ohne eigenen Stellplatz wichtig.

## Quellen

- [ADAC: Stromverbrauch und reale Reichweite von Elektroautos im Test](https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/elektromobilitaet/elektroauto/stromverbrauch-elektroautos-adac-test/)
- [KBA: Fahrzeugbestand am 1. Januar 2026](https://www.kba.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Fahrzeugbestand/2026/pm09_fz_bestand_pm_komplett.html)
- [BMV / MiD 2023: Mobilität in Deutschland - Kurzreport](https://www.bmv.de/SharedDocs/DE/Anlage/G/mid-2023-kurzreport.pdf)
- [Bundesnetzagentur: Ladesäulenregister / E-Mobilität (Stand 1. April 2026)](https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/E-Mobilitaet/Ladesaeulenkarte/start.html)
- [Bundesnetzagentur: Steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG](https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Vportal/Energie/SteuerbareVBE/start.html)
