# Wir sind sowieso schon Hochsteuerland, eine Vermögenssteuer macht uns kaputt!

Thema: Vermögens- und Erbschaftssteuer
URL: https://fakten-stammtisch.de/thema/vermoegenssteuer/hochsteuerland/
Bewertung: Teilweise wahr
Stand: 2026-06-10

## Antwort

Bei Steuern und Abgaben auf Arbeit liegt Deutschland tatsächlich hoch. Bei vermögensbezogenen Steuern liegt Deutschland mit rund 1 % des BIP aber klar unter dem OECD-Durchschnitt von 1,9 %. Drei europäische OECD-Länder (Norwegen, Spanien, Schweiz) erheben eine Netto-Vermögensteuer und zeigen, dass sie administrativ machbar ist. ‚Hochsteuerland' trifft also auf Arbeit zu, auf Vermögen nicht — ob man die Last zwischen beidem verschieben will, ist eine politische Gestaltungsfrage, die die Daten nicht beantworten.

## Was hinter der Parole steckt

Pars-pro-toto: Aus dem (richtigen) Befund hoher Steuer-/Abgabenlast auf Arbeit wird ‚Hochsteuerland‘ als pauschales Label. Vermögensbezogene Steuern (1 % BIP, OECD-Schnitt 1,9 %) werden ausgeblendet, der Gegensatz Arbeit teuer / Vermögen günstig verschwindet aus der Argumentation.

## Am Tisch nützlich – Gegenfragen

- „Wenn Deutschland bei vermögensbezogenen Steuern mit rund 1 % BIP unter dem OECD-Schnitt von 1,9 % liegt — wo siehst du das ‚Hoch‘ bei Vermögen?"
- „Wenn Norwegen, Spanien und Schweiz mit Vermögensteuer wirtschaften — was unterscheidet Deutschland an dieser Stelle, dass es uns ‚kaputt‘ machen würde?"
- „Meinst du mit ‚Hochsteuerland‘ die Belastung von Arbeit, von Vermögen oder beides — und wie hoch liegt sie jeweils im internationalen Vergleich?"

## Fakten dazu

### Vermögensbezogene Steuern: Deutschland im OECD-Vergleich

Deutschland besteuert Vermögen weit unterdurchschnittlich. Bei den Steuern auf Arbeit (Einkommensteuer, Sozialabgaben) liegt Deutschland an der Weltspitze — bei den vermögensbezogenen Steuern (Grundsteuer, Erbschaftsteuer, Vermögensteuer) deutlich unter dem OECD-Schnitt.

_Vermögensbezogene Steuern als % des BIP_

- UK: 4 bis 4.2 % BIP
- Frankreich: 3.5 bis 3.9 % BIP
- USA: 2.9 bis 3.1 % BIP
- OECD-Ø: 1.7 bis 2.3 % BIP
- Deutschland: 0.9 bis 1.1 % BIP

- Deutschland erhebt nur knapp die Hälfte des OECD-Durchschnitts an vermögensbezogenen Steuern. Die Vermögensteuer wurde 1997 faktisch ausgesetzt — das Vermögensteuergesetz gilt formal bis heute weiter.

- Stand 2025 erheben nur drei europäische OECD-Länder eine Netto-Vermögensteuer: Norwegen (1,0-1,1 % ab rund 145.000 €), Spanien (progressiv 0,16-3,5 % ab 700.000 €) und die Schweiz (kantonal verschieden, Beispiel Zürich ab 80.000 CHF). Aufkommen 2023: Schweiz 9,5 Mrd. € (1,16 % BIP), Norwegen 2,7 Mrd. € (1,5 % der Steuereinnahmen), Spanien 3,1 Mrd. €.

## Quellen

- [OECD Revenue Statistics — Taxes on property](https://stats.oecd.org/Index.aspx?DataSetCode=REV)
- [Gesetze im Internet – Vermögensteuergesetz (VStG)](https://www.gesetze-im-internet.de/vstg_1974/)
- [Tax Foundation / Euronews – Wealth taxes in Europe 2025 (Übersicht Sätze und Aufkommen)](https://www.euronews.com/business/2025/09/29/wealth-taxes-in-europe-who-collects-them-and-how-much-do-they-raise)
