# Vermögens- und Erbschaftssteuer

> Wandern Reiche ab? Zerstört das den Mittelstand? Antworten zu Vermögensverteilung, OECD-Vergleich und Aufkommen mit Quellen vom DIW und BMF.

- **URL:** https://fakten-stammtisch.de/thema/vermoegenssteuer/
- **Thema-ID:** `vermoegenssteuer`
- **Stand:** 2026-06-10
- **JSON-Daten:** https://fakten-stammtisch.de/data/vermoegenssteuer.json

## Kernzahlen

- Reichstes 1 % besitzt rund 1/3 des Vermögens (DIW)
- Nur ~1 % BIP vermögensbezogene Steuern (OECD: 1,9 %)
- BVerfG-Entscheidung zur Erbschaftsteuer 2026 erwartet
- SPD-Vorschlag: 1 % ab 2 Mio. € pro Person

## Fakten

### Die Vermögensverteilung in Deutschland

Deutschland weist im europäischen Vergleich eine sehr hohe Vermögensungleichheit auf. Während Einkommen relativ gleichmäßig verteilt sind, konzentriert sich das Vermögen (Immobilien, Aktien, Betriebsvermögen) stark an der Spitze. Neuere DIW-Schätzungen unter Einbeziehung von Milliardärslisten deuten darauf hin, dass das Top 1 % sogar über 30–35 % besitzen könnte, da Superreiche in Umfragen systematisch untererfasst sind.

_Anteil am Gesamtvermögen in Deutschland_

- Top 1 %: 26 %
- Nächste 9 %: 34 %
- Mittlere 40 %: 37.5 %
- Untere 50 %: 2.5 %

- Gini-Koeffizient: 0,72 (Vermögen (Bundesbank PHF 2023))
- Medianvermögen: 103.200 € (pro Haushalt (2023))
- Durchschnitt: 324.800 € (3,15× so hoch wie Median)

### Medianvermögen: Deutschland unter Spanien und Italien

Bei der Vermögensverteilung zeigt sich ein paradoxes Bild: Deutschland ist eine der größten Volkswirtschaften der Welt, liegt beim Medianvermögen (dem Vermögen des 'typischen' Haushalts) aber deutlich hinter südeuropäischen Ländern. Der Hauptgrund: Die extrem niedrige Wohneigentumsquote in Deutschland.

_Medianvermögen und Wohneigentumsquote im EU-Vergleich_

| Land | Medianvermögen | Eigentumsquote |
| --- | --- | --- |
| Spanien | ~178.000 € | 83 % |
| Italien | ~164.000 € | 68 % |
| Frankreich | ~134.000 € | 58 % |
| Deutschland | ~103.000 € | 42 % |

- Median West: 143.200 € (pro Haushalt (2023))
- Median Ost: 35.900 € (pro Haushalt (2023))

- Wer in Deutschland kein Wohneigentum besitzt, partizipiert nicht am Vermögensaufbau. Ein wichtiger Faktor dafür ist die niedrige Eigentumsquote (42 %), durch die der 'typische' deutsche Haushalt beim Medianvermögen hinter Ländern wie Spanien liegt.

### Vermögensbezogene Steuern: Deutschland im OECD-Vergleich

Deutschland besteuert Vermögen weit unterdurchschnittlich. Bei den Steuern auf Arbeit (Einkommensteuer, Sozialabgaben) liegt Deutschland an der Weltspitze — bei den vermögensbezogenen Steuern (Grundsteuer, Erbschaftsteuer, Vermögensteuer) deutlich unter dem OECD-Schnitt.

_Vermögensbezogene Steuern als % des BIP_

- UK: 4 bis 4.2 % BIP
- Frankreich: 3.5 bis 3.9 % BIP
- USA: 2.9 bis 3.1 % BIP
- OECD-Ø: 1.7 bis 2.3 % BIP
- Deutschland: 0.9 bis 1.1 % BIP

- Deutschland erhebt nur knapp die Hälfte des OECD-Durchschnitts an vermögensbezogenen Steuern. Die Vermögensteuer wurde 1997 faktisch ausgesetzt — das Vermögensteuergesetz gilt formal bis heute weiter.

- Stand 2025 erheben nur drei europäische OECD-Länder eine Netto-Vermögensteuer: Norwegen (1,0-1,1 % ab rund 145.000 €), Spanien (progressiv 0,16-3,5 % ab 700.000 €) und die Schweiz (kantonal verschieden, Beispiel Zürich ab 80.000 CHF). Aufkommen 2023: Schweiz 9,5 Mrd. € (1,16 % BIP), Norwegen 2,7 Mrd. € (1,5 % der Steuereinnahmen), Spanien 3,1 Mrd. €.

### Erbschaftsteuer: Milliardäre zahlen weniger als Mittelstandserben

- Aufkommen: 13,3 Mrd. € (festgesetzt 2024 (Rekord))
- jährl. Erbvolumen: 300–400 Mrd. (davon nur 113 Mrd. steuerlich erfasst)
- Mindereinnahmen/J.: ~7,8 Mrd. € (durch Betriebsvermögens-Verschonung)
- Effektiver Ø-Satz: niedrig (je nach Bezugsbasis unterschiedlich)

_Kassenmäßiges Erbschaft- und Schenkungsteuer-Aufkommen_

- 2010: 4.4 Mrd. €
- 2012: 4.3 Mrd. €
- 2014: 5.4 Mrd. €
- 2016: 7 Mrd. €
- 2018: 6.8 Mrd. €
- 2020: 8.6 Mrd. €
- 2022: 9.2 Mrd. €
- 2024: 11 Mrd. €

- 0,7 % der Steuerpflichtigen erhalten 32 % aller erfassten Übertragungen — und 68 % aller steuerbefreiten Unternehmensübertragungen. Kleine Erben zahlen prozentual mehr als Milliardenerben.

- 2021–2024 wurden in nur 105 Fällen über die Verschonungsbedarfsprüfung (§ 28a ErbStG) rund 7,38 Mrd. € Erbschaftsteuer erlassen. Das zeigt, wie stark einzelne Großübertragungen privilegiert werden.

Die Betriebsvermögensverschonung ist laut 30. Subventionsbericht der Bundesregierung die größte Steuersubvention Deutschlands. Das BVerfG erklärte die Regelung bereits 2014 für verfassungswidrig — die Reform 2016 ließ die Kernprivilegien aber bestehen. Eine erneute Prüfung ist seit 2022 anhängig.

### Erbengesellschaft: Wachsende Ungleichheit durch Erbschaften

- Privatvermögen: > 50 % (ist geerbt, nicht selbst erarbeitet)
- Erbschaften: 54 % (beinhalten inzwischen Immobilien)
- Erbvolumen/BIP: 7–10 % (~300–400 Mrd. €/Jahr)
- ErbSt-Aufkommen: ~1,1 % (am Gesamtsteueraufkommen)

- Die reichsten 10 % erhalten die Hälfte aller Erbschaften — die ärmere Hälfte der Bevölkerung geht praktisch leer aus. Erbschaften erhöhen damit die bestehende Vermögensungleichheit.

_Erbschaften vs. Steuereinnahmen_

| Kennzahl | Wert |
| --- | --- |
| Geschätztes jährl. Erbvolumen | 300–400 Mrd. € |
| Steuerlich erfasst | 113 Mrd. € (2024) |
| Festgesetzte Steuer | 13,3 Mrd. € (2024) |
| Effektiver Steuersatz (gesamt) | ~2–3 % |
| Zum Vergleich: Tabaksteuer | ~15 Mrd. €/J. |

- Die Erbschaftsteuer bringt nur ~1,1 % des Gesamtsteueraufkommens ein — weniger als die Tabaksteuer (~15 Mrd. €). Bei einem geschätzten jährlichen Erbvolumen von 300–400 Mrd. € liegt der effektive Steuersatz bei nur 2–3 %.

In den 1970ern bestand etwa 20 % des deutschen Privatvermögens aus Erbvermögen — heute ist es über die Hälfte. Laut einer FES-Auswertung profitieren auch sehr junge Erben von weitreichenden Steuerbefreiungen bei großen Unternehmensvermögen.

### Aufkommenspotenzial: Was brächte eine Vermögensteuer?

Das DIW Berlin hat verschiedene Modelle einer Vermögensteuer durchgerechnet. Betroffen wäre im Wesentlichen nur das reichste 1 % der Bevölkerung; den Großteil des Aufkommens trüge das reichste 0,1 %.

_Modelle einer Vermögensteuer und geschätztes Aufkommen_

| Modell | Freibetrag | Steuersatz | Aufkommen (brutto) |
| --- | --- | --- | --- |
| Die Linke: konservativ (DIW 2026) | 1 Mio. € | 1 % proportional | ~42 Mrd. €/J. |
| Die Linke: progressiv (DIW 2026) | 1 Mio. € | 1–12 % (progressiv) | ~147 Mrd. €/J. |

- Schon die konservativste Variante (1 % ab 1 Mio. € Freibetrag) brächte laut DIW rund 42 Mrd. Euro pro Jahr — mehr als dreimal so viel wie die Erbschaftsteuer. Betroffen wäre weniger als 1 % der Bevölkerung.

_Was 1 % Vermögensteuer (Freibetrag 1 Mio. €) konkret bedeuten würde_

| Nettovermögen | Steuerbetrag/Jahr | Einordnung |
| --- | --- | --- |
| 500.000 € | 0 € | unter Freibetrag — nicht betroffen |
| 1,5 Mio. € | 5.000 € | nur auf 500.000 € über Freibetrag |
| 5 Mio. € | 40.000 € | bei 5–10 % Rendite aus laufenden Erträgen zahlbar |
| 50 Mio. € | 490.000 € | entspricht ~1 % des Vermögens |
| 1 Mrd. € | 9,99 Mio. € | weniger als eine typische Quartalsdividende |

_Freibeträge Erbschaftsteuer: Deutschland vs. international_

| Land | System | Freibetrag (Kind) | Spitzensatz |
| --- | --- | --- | --- |
| Deutschland | Erwerberbasiert | 400.000 € (alle 10 J.) | 30 % |
| Frankreich | Erwerberbasiert | 100.000 € (alle 15 J.) | 45 % |
| UK | Nachlassbasiert | ~380.000 € (+ 205.000 Wohneigentum) | 40 % |
| USA | Nachlassbasiert | ~13,1 Mio. € pro Person | 40 % |
| Japan | Erwerberbasiert | ~185.000 € + pro Erbe | 55 % |

- OECD und andere internationale Institutionen empfehlen Deutschland seit Jahren, vermögensbezogene Steuern stärker zu nutzen und die hohe Belastung von Arbeit zu verringern.

### Politische Debatte 2026: Wo steht die Diskussion?

Die Debatte ist seit dem Regierungswechsel 2025 wieder aktiv. Der Bundestag beriet am 6. März 2026 erstmals Anträge der Fraktion Die Linke (‚Vermögensteuer wieder erheben – Länderfinanzen nachhaltig sichern‘) und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zur Wiedererhebung der Vermögensteuer. Die SPD schlägt eine Vermögensteuer von 1 % auf Nettovermögen ab 2 Mio. € pro Person vor. Die Union unter Kanzler Friedrich Merz lehnt eine Vermögensteuer kategorisch ab; im Koalitionsvertrag steht stattdessen eine Einkommensteuer-reform zum 1. Januar 2027 zur Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen.

- Beim Bundesverfassungsgericht ist seit 2022 eine Verfassungsbeschwerde gegen die aktuelle Erbschaftsteuer anhängig (Az. 1 BvR 804/22). Im Mittelpunkt: die Privilegien für Betriebsvermögen und ihre Vereinbarkeit mit dem Gleichheitsgrundsatz. Eine Entscheidung wird 2026 erwartet, lag aber Stand Mai 2026 noch nicht vor.

Die SPD hat im Januar 2026 ein Konzeptpapier für die Erbschaftsteuer vorgelegt: Abschaffung der bisherigen Verschonungs-Regelungen für Betriebsvermögen, einheitlicher Freibetrag von 5 Mio. €, darüber hinaus reguläre Besteuerung. Um Liquiditätsbelastung abzufedern, soll die Steuer bei Erhalt von Arbeitsplätzen über 20 Jahre gestundet werden können. Das DIW Berlin plädiert in seinem Wochenbericht 4/2026 ähnlich: Vergünstigungen abbauen, Freibeträge erhöhen, Steuertarifstufen reduzieren.

### Verfassungsrecht: Vermögensteuer ist nicht verboten

_Geschichte der Vermögensteuer in Deutschland_

- 1893: Einführung der Vermögensteuer (Preußen, später Deutsches Reich)
- 1995: BVerfG-Beschluss: Einheitswerte verfassungswidrig (Ungleiche Bewertung von Immobilien vs. Geldvermögen)
- 1997: Erhebung eingestellt (nicht abgeschafft) (Kabinett Kohl — politische Entscheidung, kein Zwang)
- 2006: BVerfG gibt 'Halbteilungsgrundsatz' auf (Keine starre 50-%-Obergrenze für Gesamtbelastung)
- 2014: BVerfG: Erbschaftsteuer-Privilegien verfassungswidrig (Reform 2016 ließ Kernprivilegien bestehen)
- 2025: Grundsteuer-Reform in Kraft (Erstmals aktuelle Immobilienbewertungen — Grundlage für Vermögensteuer)
- seit 2022 anhängig: Erneute verfassungsrechtliche Prüfung der Erbschaftsteuer-Privilegien (Az. 1 BvR 804/22)

- Das BVerfG hat die Vermögensteuer NICHT für verfassungswidrig erklärt — nur die damalige Bewertungsmethode. Das Vermögensteuergesetz ist formal noch in Kraft. Für eine Wiedereinführung genügt ein einfaches Bundesgesetz (+ Bundesratszustimmung).

Die Vermögensteuer ist im Grundgesetz als Ländersteuer (Art. 106 Abs. 2 Nr. 1 GG) ausdrücklich vorgesehen. Die seit 2025 wirksame Grundsteuer-Reform schafft zudem eine deutlich aktuellere Immobilienbewertung als früher, was eine verfassungskonforme Ausgestaltung erleichtern kann.

## Argumente

### Wir sind sowieso schon Hochsteuerland, eine Vermögenssteuer macht uns kaputt!

**Bewertung:** Teilweise wahr

Bei Steuern und Abgaben auf Arbeit liegt Deutschland tatsächlich hoch. Bei vermögensbezogenen Steuern liegt Deutschland mit rund 1 % des BIP aber klar unter dem OECD-Durchschnitt von 1,9 %. Drei europäische OECD-Länder (Norwegen, Spanien, Schweiz) erheben eine Netto-Vermögensteuer und zeigen, dass sie administrativ machbar ist. ‚Hochsteuerland' trifft also auf Arbeit zu, auf Vermögen nicht — ob man die Last zwischen beidem verschieben will, ist eine politische Gestaltungsfrage, die die Daten nicht beantworten.

[Detailseite](https://fakten-stammtisch.de/thema/vermoegenssteuer/hochsteuerland/)

### Das ist doch reine Neidsteuer! Typisch deutsche Neidgesellschaft!

Ob hinter einer politischen Forderung Neid steckt, lässt sich nicht messen — das ist eine Motivunterstellung, keine überprüfbare Aussage. Messbar ist die Sachlage, auf die sich Befürworter berufen: Das reichste 1 % besitzt nach DIW-Schätzungen rund ein Drittel des Privatvermögens, und ein großer Teil sehr großer Vermögen ist geerbt statt selbst aufgebaut. Ob man daraus eine stärkere Besteuerung ableitet oder bestehendes Vermögen vor dem Zugriff des Staates schützen will, ist eine Wertefrage über Verteilungsgerechtigkeit — Daten können sie informieren, aber nicht entscheiden.

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### Eine Vermögenssteuer zerstört unsere Familienunternehmen und den Mittelstand!

**Bewertung:** Überwiegend falsch

Seriöse Modelle arbeiten mit hohen Freibeträgen und zielen auf sehr große Vermögen. Die besonders großzügigen Privilegien im Erbschaftsteuer-recht kommen heute vor allem bei sehr großen Unternehmensvermögen zum Tragen, nicht bei typischen kleinen Betrieben — genau diese Privilegien sind seit 2022 Gegenstand einer Verfassungsbeschwerde (Az. 1 BvR 804/22, BVerfG-Entscheidung 2026 erwartet). Die SPD hat im Januar 2026 ein Erbschaftsteuer-Konzept vorgelegt: einheitlicher Freibetrag von 5 Mio. €, Stundung über 20 Jahre bei Erhalt von Arbeitsplätzen. Ob ein Betrieb betroffen wäre, ist damit vor allem eine Frage der konkreten Ausgestaltung — die vorliegenden Modelle nehmen typische kleine und mittlere Betriebe ausdrücklich aus.

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### Die Reichen wandern dann einfach ins Ausland ab!

**Bewertung:** Überwiegend falsch

Abwanderungsrisiken gibt es, sie werden aber meist überschätzt. Das aktuellste Beispiel: Norwegen erhöhte 2021 die Vermögensteuer; zwischen 2022 und 2023 verließen über 500 vermögende Personen das Land — mehr als doppelt so viele wie in den Vorjahren, viele zogen in die Schweiz. Eine Harvard-Studie hat aber das Gesamtbild gerechnet: Die Mehreinnahmen aus der erhöhten Steuer übersteigen die Verluste durch Wegzug deutlich — unterm Strich stieg das Aufkommen. Wohnsitzentscheidungen hängen ohnehin von Unternehmen, Familie, Infrastruktur und Rechtssicherheit ab, nicht allein von einer Steuer. Wegzugs- und Missbrauchsregeln lassen sich zudem so gestalten, dass reine Steuergestaltung erschwert wird.

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### Es wird doch schon alles bei der Einkommensteuer versteuert (Doppelbesteuerung)!

**Bewertung:** Überwiegend falsch

Vermögen wächst oft ohne Einkommensteuerzahlung — durch Wertsteigerungen von Immobilien, Aktien oder Unternehmensanteilen. Diese unrealisierten Gewinne werden erst bei Verkauf besteuert, bei Erbschaften oft gar nicht. Zudem: Auch die Mehrwertsteuer ist eine 'Doppelbesteuerung' von bereits versteuertem Einkommen. Das Leistungsfähigkeitsprinzip erlaubt mehrere Steuern auf verschiedene Bemessungsgrundlagen.

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### Eine Vermögensteuer geht an die Substanz — das zerstört Unternehmen!

**Bewertung:** Überwiegend falsch

Nicht das Unternehmen zahlt, sondern der Eigentümer. Bei einem Steuersatz von 1 % und typischen Kapitalrenditen von 5–10 % lässt sich die Steuer in der Regel aus den laufenden Erträgen bezahlen; für ertragsschwache Jahre sehen die diskutierten Modelle Stundungsregeln vor. Bei der Erbschaftsteuer ist eine Stundung über 15 Jahre möglich — das entspricht etwa 1–2 % des jährlichen Unternehmensgewinns. Zum Vergleich: Wer ein Unternehmen kauft, muss den vollen Preis sofort aufbringen.

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### Die Erbschaftsteuer zwingt Erben dazu, ihr Elternhaus zu verkaufen!

**Bewertung:** Falsch

Für das Familienheim gibt es weitreichende Ausnahmen: Wer das geerbte Haus selbst für mindestens 10 Jahre bewohnt, zahlt darauf null Euro Erbschaftsteuer (bis 200 m² Wohnfläche). Zudem gibt es hohe persönliche Freibeträge: 400.000 € pro Kind, 500.000 € für Ehepartner — alle 10 Jahre erneuerbar. 96 % aller Erbfälle fallen komplett unter die Freibeträge. Das selbstgenutzte Elternhaus ist also schon heute weitgehend steuerfrei — von weiteren Entlastungen würden rechnerisch vor allem die wenigen sehr großen Nachlässe oberhalb der Freibeträge profitieren.

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### Die Erhebung einer Vermögenssteuer kostet mehr, als sie einbringt!

**Bewertung:** Überwiegend falsch

Das Verwaltungsargument ist heute schwächer als in den 1990ern. Durch Digitalisierung, Informationsaustausch und die reformierte Immobilienbewertung sind die Voraussetzungen deutlich besser. Eine ehrliche Einschränkung: Aktuelle Erhebungskosten-Daten für Deutschland gibt es nicht, weil die Steuer seit 1997 ausgesetzt ist. Die Länder, die sie erheben, erzielen damit aber relevante Nettoeinnahmen (Schweiz 2023: 9,5 Mrd. €). Entscheidend ist das Design: hohe Freibeträge und klare Bewertungsregeln halten den Aufwand beherrschbar.

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### Erbschaftsteuer bestraft Leistung und zerstört Lebenswerke!

**Bewertung:** Überwiegend falsch

Hier stecken zwei Ebenen ineinander. Empirisch prüfbar ist der zweite Teil: ‚Zerstörte Lebenswerke' sind angesichts hoher Freibeträge, Stundungsregeln und der Tatsache, dass 96 % aller Erbfälle komplett unter den Freibeträgen bleiben, nicht dokumentiert — das geltende Recht verschont große Unternehmensübertragungen sogar besonders stark (2021–2024 wurden allein über die Verschonungsbedarfsprüfung rund 7,38 Mrd. € erlassen). Ob Erbschaftsteuer ‚Leistung bestraft', ist dagegen eine Wertefrage: Die einen stellen die Lebensleistung des Erblassers in den Mittelpunkt, die anderen, dass der Erbe selbst nichts dafür geleistet hat. Diese Abwägung können Daten nicht entscheiden — sie zeigen nur, wer von den heutigen Regeln tatsächlich profitiert.

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### Investitionen fließen ab und Firmen gehen ins Ausland!

**Bewertung:** Überwiegend falsch

Standortentscheidungen hängen von vielen Faktoren ab: Fachkräfte, Infrastruktur, Rechtssicherheit, Absatzmärkte und Energiekosten. Eine Vermögensteuer allein entscheidet selten über Investitionen. Ob eine konkrete Ausgestaltung produktive Investitionen belastet, hängt an Freibeträgen und der Behandlung von Betriebsvermögen — pauschal lässt sich der Effekt weder behaupten noch ausschließen.

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### Mit einer Vermögenssteuer wären unsere Haushaltsprobleme doch gelöst — die Reichen können das locker bezahlen!

**Bewertung:** Teilweise wahr

Das Aufkommenspotenzial ist real, aber begrenzt: Die konservativste DIW-Variante (1 % ab 1 Mio. € Freibetrag) brächte rund 42 Mrd. € pro Jahr — mehr als das Dreifache der Erbschaftsteuer, aber kein Betrag, der die Finanzierungslücken aller staatlichen Ebenen schließt. Hinzu kommt: Die Vermögensteuer ist im Grundgesetz als Ländersteuer vorgesehen, würde also nicht direkt den Bundeshaushalt entlasten. Und die Schätzungen hängen von Bewertung, Freibeträgen und Ausweichreaktionen ab. Als Baustein ist das Aufkommen relevant; ‚Haushaltsprobleme gelöst' verspricht mehr, als die Zahlen hergeben.

[Detailseite](https://fakten-stammtisch.de/thema/vermoegenssteuer/haushaltsprobleme-geloest/)

### Erben ist Privatsache — der Staat hat da nichts zu suchen!

Das ist im Kern eine Werteposition — hier die Faktenbasis dazu: Art. 14 GG garantiert Eigentum und Erbrecht, verankert in Absatz 2 aber auch die Sozialpflichtigkeit des Eigentums. Das BVerfG hat die Erbschaftsteuer als solche nie beanstandet, sondern nur einzelne Ausgestaltungen — zuletzt 2014 die Verschonungsregeln für Betriebsvermögen. 96 % aller Erbfälle bleiben heute komplett unter den Freibeträgen. Wie weit der Staat darüber hinaus besteuern soll, ist eine Verteilungsfrage, die Daten allein nicht entscheiden können — sie zeigen nur, dass die heutige Praxis große Übertragungen stärker verschont als kleine.

[Detailseite](https://fakten-stammtisch.de/thema/vermoegenssteuer/privatsache/)

## Quellen

- [DIW Berlin: Private Vermögen — Höhe, Entwicklung und Verteilung (2024)](https://www.diw.de/de/diw_01.c.925733.de/publikationen/sonstige_aufsaetze/2024_0000/private_vermoegen__hoehe__entwicklung_und_verteilung.html)
- [Deutsche Bundesbank: Panel on Household Finances (PHF), 5. Welle 2023](https://www.bundesbank.de/de/bundesbank/forschung/studie-zur-wirtschaftlichen-lage-privater-haushalte-phf/ergebnisse-604886)
- [Statistisches Bundesamt: Erbschaft- und Schenkungsteuer 2024 (PD25_320)](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/08/PD25_320_736.html)
- [DIW Politikberatung kompakt 211: Vermögensteuer Die Linke (Bach/Wichers/Mudrack 2026)](https://www.diw.de/de/diw_01.c.998456.de/publikationen/politikberatung_kompakt/2026_0211/vermoegensteuer_die_linke_____aufkommens-_und_verteilungswir___n_die_linke_in_den_landtagen_und_der_rosa-luxemburg-stiftung.html)
- [DIW Wochenbericht 4/2026: Erbschaftsteuerreform (Bach/Sinclair)](https://www.diw.de/de/diw_01.c.996032.de/publikationen/wochenberichte/2026_04_1/erbschaftsteuerreform__verguenstigungen_abbauen__freibetraege_erhoehen__steuertarifstulen_reduzieren.html)
- [FES-Studie: Milliardenvermögen steuerfrei erben (2022)](https://library.fes.de/pdf-files/a-p-b/19775.pdf)
- [OECD Revenue Statistics — Taxes on property](https://stats.oecd.org/Index.aspx?DataSetCode=REV)
- [OECD Economic Survey Germany 2023 — Empfehlung Vermögensteuer](https://www.oecd.org/en/publications/oecd-economic-surveys-germany-2023_9642a3f5-en.html)
- [30. Subventionsbericht der Bundesregierung (Sept. 2025)](https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/Broschueren_Bestellservice/30-subventionsbericht.html)
- [BVerfG: Beschluss vom 22.6.1995 zur Vermögensteuer](https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/1995/06/rs19950622_2bvr055291.html)
- [Gesetze im Internet – Vermögensteuergesetz (VStG)](https://www.gesetze-im-internet.de/vstg_1974/)
- [Eurostat – Housing in Europe 2024](https://ec.europa.eu/eurostat/web/interactive-publications/housing-2024)
- [EZB: Household Finance and Consumption Survey (HFCS), Wave 2021](https://www.ecb.europa.eu/stats/ecb_surveys/hfcs/html/index.en.html)
- [Tax Foundation: Wealth Taxes in Europe (2025)](https://taxfoundation.org/data/all/eu/wealth-taxes-in-europe/)
- [Netzwerk Steuergerechtigkeit](https://www.netzwerk-steuergerechtigkeit.de)
- [Deutscher Bundestag – Debatte zur Wiedererhebung der Vermögensteuer (6. März 2026)](https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2026/kw10-de-vermoegensteuer-1150522)
- [BVerfG – Verfassungsbeschwerde Az. 1 BvR 804/22 (Erbschaftsteuer, Entscheidung 2026 erwartet)](https://www.bundesverfassungsgericht.de/DE/Aktuelles/GeplanteEntscheidungen/geplante-Entscheidungen_node.html)
- [DIW Berlin – Erbschaftsteuerreform: Vergünstigungen abbauen, Freibeträge erhöhen (Wochenbericht 4/2026)](https://www.diw.de/de/diw_01.c.996032.de/publikationen/wochenberichte/2026_04_1/erbschaftsteuerreform__verguenstigungen_abbauen__freibetraege_erhoehen__steuertarifstufen_reduzieren.html)
- [Tax Foundation / Euronews – Wealth taxes in Europe 2025 (Übersicht Sätze und Aufkommen)](https://www.euronews.com/business/2025/09/29/wealth-taxes-in-europe-who-collects-them-and-how-much-do-they-raise)
- [Netzwerk Steuergerechtigkeit – Höhere Vermögensteuer in Norwegen, weniger Einnahmen? Ein verbreiteter Mythos](https://www.netzwerk-steuergerechtigkeit.de/hoehere-vermoegenssteuer-in-norwegen-weniger-einnahmen-ein-weit-verbreiteter-und-falscher-mythos/)

_Daten basieren auf Erhebungen des DIW Berlin (Wochenbericht 4/2026 zur Erbschaftsteuerreform), der Deutschen Bundesbank (PHF 2023), des Statistischen Bundesamtes, der OECD Revenue Statistics, der OECD Germany Survey, der FES-Studie 2022, Tax Foundation / Euronews (internationaler Vergleich 2025), der Bundestags-Debatte vom 6. März 2026 sowie dem anhängigen BVerfG-Verfahren 1 BvR 804/22._
