# Investitionen fließen ab und Firmen gehen ins Ausland!

Thema: Vermögens- und Erbschaftssteuer
URL: https://fakten-stammtisch.de/thema/vermoegenssteuer/investitionen-flucht/
Bewertung: Überwiegend falsch
Stand: 2026-06-10

## Antwort

Standortentscheidungen hängen von vielen Faktoren ab: Fachkräfte, Infrastruktur, Rechtssicherheit, Absatzmärkte und Energiekosten. Eine Vermögensteuer allein entscheidet selten über Investitionen. Ob eine konkrete Ausgestaltung produktive Investitionen belastet, hängt an Freibeträgen und der Behandlung von Betriebsvermögen — pauschal lässt sich der Effekt weder behaupten noch ausschließen.

## Was hinter der Parole steckt

Monokausale Erklärung: Standortentscheidungen werden auf eine einzelne Steuervariable reduziert. Fachkräfte, Infrastruktur, Rechtssicherheit, Absatzmärkte, Energiekosten — alle empirisch wichtigeren Faktoren — werden ausgeblendet, um eine Kausalitäts-Drohung zu konstruieren.

## Am Tisch nützlich – Gegenfragen

- „Wenn Norwegen mit Vermögensteuer und Spanien ohne signifikante Investitionsabwanderung leben — was unterscheidet Deutschland?"
- „Welche Studie quantifiziert eine direkte Vermögensteuer-Investitions-Kausalität — und mit welcher Effektgröße?"
- „Würde eine 1-%-Vermögensteuer wirklich Standort-Entscheidungen drehen, die sonst von Fachkräften, Infrastruktur und Energiekosten getrieben sind?"

## Fakten dazu

### Vermögensbezogene Steuern: Deutschland im OECD-Vergleich

Deutschland besteuert Vermögen weit unterdurchschnittlich. Bei den Steuern auf Arbeit (Einkommensteuer, Sozialabgaben) liegt Deutschland an der Weltspitze — bei den vermögensbezogenen Steuern (Grundsteuer, Erbschaftsteuer, Vermögensteuer) deutlich unter dem OECD-Schnitt.

_Vermögensbezogene Steuern als % des BIP_

- UK: 4 bis 4.2 % BIP
- Frankreich: 3.5 bis 3.9 % BIP
- USA: 2.9 bis 3.1 % BIP
- OECD-Ø: 1.7 bis 2.3 % BIP
- Deutschland: 0.9 bis 1.1 % BIP

- Deutschland erhebt nur knapp die Hälfte des OECD-Durchschnitts an vermögensbezogenen Steuern. Die Vermögensteuer wurde 1997 faktisch ausgesetzt — das Vermögensteuergesetz gilt formal bis heute weiter.

- Stand 2025 erheben nur drei europäische OECD-Länder eine Netto-Vermögensteuer: Norwegen (1,0-1,1 % ab rund 145.000 €), Spanien (progressiv 0,16-3,5 % ab 700.000 €) und die Schweiz (kantonal verschieden, Beispiel Zürich ab 80.000 CHF). Aufkommen 2023: Schweiz 9,5 Mrd. € (1,16 % BIP), Norwegen 2,7 Mrd. € (1,5 % der Steuereinnahmen), Spanien 3,1 Mrd. €.

## Quellen

- [OECD Revenue Statistics — Taxes on property](https://stats.oecd.org/Index.aspx?DataSetCode=REV)
- [Gesetze im Internet – Vermögensteuergesetz (VStG)](https://www.gesetze-im-internet.de/vstg_1974/)
- [Tax Foundation / Euronews – Wealth taxes in Europe 2025 (Übersicht Sätze und Aufkommen)](https://www.euronews.com/business/2025/09/29/wealth-taxes-in-europe-who-collects-them-and-how-much-do-they-raise)
