# Das ist doch reine Neidsteuer! Typisch deutsche Neidgesellschaft!

Thema: Vermögens- und Erbschaftssteuer
URL: https://fakten-stammtisch.de/thema/vermoegenssteuer/neidsteuer/
Stand: 2026-06-10

## Antwort

Ob hinter einer politischen Forderung Neid steckt, lässt sich nicht messen — das ist eine Motivunterstellung, keine überprüfbare Aussage. Messbar ist die Sachlage, auf die sich Befürworter berufen: Das reichste 1 % besitzt nach DIW-Schätzungen rund ein Drittel des Privatvermögens, und ein großer Teil sehr großer Vermögen ist geerbt statt selbst aufgebaut. Ob man daraus eine stärkere Besteuerung ableitet oder bestehendes Vermögen vor dem Zugriff des Staates schützen will, ist eine Wertefrage über Verteilungsgerechtigkeit — Daten können sie informieren, aber nicht entscheiden.

## Fakten dazu

### Die Vermögensverteilung in Deutschland

Deutschland weist im europäischen Vergleich eine sehr hohe Vermögensungleichheit auf. Während Einkommen relativ gleichmäßig verteilt sind, konzentriert sich das Vermögen (Immobilien, Aktien, Betriebsvermögen) stark an der Spitze. Neuere DIW-Schätzungen unter Einbeziehung von Milliardärslisten deuten darauf hin, dass das Top 1 % sogar über 30–35 % besitzen könnte, da Superreiche in Umfragen systematisch untererfasst sind.

_Anteil am Gesamtvermögen in Deutschland_

- Top 1 %: 26 %
- Nächste 9 %: 34 %
- Mittlere 40 %: 37.5 %
- Untere 50 %: 2.5 %

- Gini-Koeffizient: 0,72 (Vermögen (Bundesbank PHF 2023))
- Medianvermögen: 103.200 € (pro Haushalt (2023))
- Durchschnitt: 324.800 € (3,15× so hoch wie Median)

### Erbengesellschaft: Wachsende Ungleichheit durch Erbschaften

- Privatvermögen: > 50 % (ist geerbt, nicht selbst erarbeitet)
- Erbschaften: 54 % (beinhalten inzwischen Immobilien)
- Erbvolumen/BIP: 7–10 % (~300–400 Mrd. €/Jahr)
- ErbSt-Aufkommen: ~1,1 % (am Gesamtsteueraufkommen)

- Die reichsten 10 % erhalten die Hälfte aller Erbschaften — die ärmere Hälfte der Bevölkerung geht praktisch leer aus. Erbschaften erhöhen damit die bestehende Vermögensungleichheit.

_Erbschaften vs. Steuereinnahmen_

| Kennzahl | Wert |
| --- | --- |
| Geschätztes jährl. Erbvolumen | 300–400 Mrd. € |
| Steuerlich erfasst | 113 Mrd. € (2024) |
| Festgesetzte Steuer | 13,3 Mrd. € (2024) |
| Effektiver Steuersatz (gesamt) | ~2–3 % |
| Zum Vergleich: Tabaksteuer | ~15 Mrd. €/J. |

- Die Erbschaftsteuer bringt nur ~1,1 % des Gesamtsteueraufkommens ein — weniger als die Tabaksteuer (~15 Mrd. €). Bei einem geschätzten jährlichen Erbvolumen von 300–400 Mrd. € liegt der effektive Steuersatz bei nur 2–3 %.

In den 1970ern bestand etwa 20 % des deutschen Privatvermögens aus Erbvermögen — heute ist es über die Hälfte. Laut einer FES-Auswertung profitieren auch sehr junge Erben von weitreichenden Steuerbefreiungen bei großen Unternehmensvermögen.

## Quellen

- [DIW Berlin: Private Vermögen — Höhe, Entwicklung und Verteilung (2024)](https://www.diw.de/de/diw_01.c.925733.de/publikationen/sonstige_aufsaetze/2024_0000/private_vermoegen__hoehe__entwicklung_und_verteilung.html)
- [Deutsche Bundesbank: Panel on Household Finances (PHF), 5. Welle 2023](https://www.bundesbank.de/de/bundesbank/forschung/studie-zur-wirtschaftlichen-lage-privater-haushalte-phf/ergebnisse-604886)
- [Statistisches Bundesamt: Erbschaft- und Schenkungsteuer 2024 (PD25_320)](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/08/PD25_320_736.html)
- [DIW Wochenbericht 4/2026: Erbschaftsteuerreform (Bach/Sinclair)](https://www.diw.de/de/diw_01.c.996032.de/publikationen/wochenberichte/2026_04_1/erbschaftsteuerreform__verguenstigungen_abbauen__freibetraege_erhoehen__steuertarifstulen_reduzieren.html)
- [FES-Studie: Milliardenvermögen steuerfrei erben (2022)](https://library.fes.de/pdf-files/a-p-b/19775.pdf)
