# Bei Corona hat sich die Wissenschaft doch ständig geirrt!

Thema: Vertrauen in die Wissenschaft
URL: https://fakten-stammtisch.de/thema/wissenschaftsskepsis/corona-staendig-geirrt/
Bewertung: Irreführend
Stand: 2026-06-10

## Antwort

Dass sich Empfehlungen geändert haben, stimmt — bei einem neuen Virus ist das meist kein Irrtum, sondern die Methode: Wissen wird an neue Daten angepasst. Die anfängliche Überschätzung der Übertragung über Oberflächen etwa wurde korrigiert, als sich die Aerosolübertragung als entscheidend erwies. Nicht jede Kehrtwende war reine Wissenschaft — bei der Maskenfrage spielten zeitweise auch Materialknappheit und politische Abwägungen mit. Bemerkenswert ist trotzdem, dass das Vertrauen in die Wissenschaft in der Pandemie sogar stieg — im April 2020 auf 73 %. Eine Position bei neuer Evidenz zu revidieren ist ein Qualitätsmerkmal, kein Versagen; problematisch wäre das Festhalten an überholten Annahmen.

## Was hinter der Parole steckt

Revision als Schwäche umgedeutet: Die Anpassung an neue Evidenz wird als Beweis für Unzuverlässigkeit gelesen. Tatsächlich wäre das Gegenteil — starres Festhalten trotz neuer Daten — das eigentliche Versagen.

## Am Tisch nützlich – Gegenfragen

- „Welche Kehrtwende meinst du konkret — und beruhte sie auf neuen Daten oder auf etwas anderem?"
- „Woran würdest du einen echten Irrtum von einer Anpassung an neue Daten unterscheiden?"
- „Unterscheidest du zwischen einer korrigierten Annahme und einer von Anfang an falschen Tatsache?"

## Fakten dazu

### Vertrauen in Zahlen

Das Vertrauen in die Wissenschaft ist in Deutschland seit Jahren mehrheitlich stabil, schwankt aber mit dem Zeitgeschehen. Im Wissenschaftsbarometer — der jährlichen Bevölkerungsbefragung von Wissenschaft im Dialog — gaben 2024 rund 55 % an, der Wissenschaft eher oder voll zu vertrauen. Das ist deutlich mehr als das Vertrauen in viele andere Institutionen, aber kein bedingungsloser Freibrief.

_Vertrauen in Wissenschaft und Forschung in Deutschland (Wissenschaftsbarometer)_

- 2017: 50 %
- 2018: 54 %
- 2019: 46 %
- 2020: 60 %
- 2021: 61 %
- 2022: 62 %
- 2023: 56 %
- 2024: 55 %

- In der Frühphase der Corona-Pandemie stieg das Vertrauen sprunghaft: Im April 2020 vertrauten 73 % der Wissenschaft — der höchste je gemessene Wert.

- Wissenschaftler: 77 % (Edelman 2024 (global))
- Journalisten: 49 % (Edelman 2024 (global))
- Regierungschefs: 42 % (Edelman 2024 (global))
- Vertrauen Klima-Aussagen: 59 % (2024 (2016: 39 %))

Wissenschaftler genießen damit international klar mehr Vertrauen als Politik oder Medien; eine pauschale Vertrauenskrise lässt sich aus den Daten nicht ableiten. Gleichzeitig ist das Vertrauen nicht gleich verteilt: Es hängt von Bildung, politischer Orientierung und Thema ab — und das Vertrauen in einzelne Aussagen (etwa zum Klimawandel) ist über die Jahre sogar gewachsen.

### Wie Wissenschaft funktioniert

Viele Missverständnisse über die Wissenschaft entstehen aus einer falschen Erwartung: Wissenschaft liefere fertige, endgültige Wahrheiten. Tatsächlich ist sie ein Verfahren, das Wissen schrittweise prüft, eingrenzt und bei Bedarf korrigiert. Eine einzelne Studie ist immer vorläufig — verlässlich wird Wissen erst durch das Zusammenspiel vieler unabhängiger Befunde.

_Wie aus einer Idee belastbares Wissen wird_

- Hypothese: Begründete Vermutung, aus der sich überprüfbare Vorhersagen ableiten lassen
- Studie & Daten: Kontrollierte Überprüfung an der Realität
- Peer Review: Begutachtung durch unabhängige Fachleute vor der Veröffentlichung
- Replikation: Unabhängige Wiederholung durch andere Forschungsgruppen
- Konsens: Verdichtung vieler Befunde zum belastbaren Forschungsstand

- Eine wissenschaftliche ‚Theorie' ist keine bloße Vermutung, sondern laut der US-amerikanischen National Academy of Sciences eine ‚gut belegte Erklärung eines Aspekts der natürlichen Welt', die Fakten, Gesetze und geprüfte Hypothesen zusammenführt.

Dass die Wissenschaft ihre Aussagen revidiert, wenn neue Evidenz vorliegt, ist kein Mangel, sondern ihr Kern: Ein Befund gewinnt erst dann Vertrauen, wenn er wiederholter Prüfung standhält. Das Verfahren ist darauf ausgelegt, eigene Fehler zu finden — nicht, sie zu vermeiden.

## Quellen

- [Wissenschaft im Dialog / Kantar – Wissenschaftsbarometer 2024](https://idw-online.de/de/news842012)
- [Wissenschaft im Dialog / Kantar – Wissenschaftsbarometer 2021 (Vertrauensverlauf 2017–2021)](https://idw-online.de/de/news778910)
- [Wissenschaft im Dialog / Kantar – Wissenschaftsbarometer 2023 (Werte 2022–2023)](https://www.bundesverband-hochschulkommunikation.de/aktuelles/news/einzelnews/wissenschaftsbarometer-2023-nach-wie-vor-grosses-vertrauen-in-wissenschaft-und-forschung/)
- [Wissenschaft im Dialog – Wissenschaftsbarometer Corona Spezial (April 2020)](https://idw-online.de/de/news745443)
- [Edelman – Trust Barometer 2024 (Vertrauen in Berufsgruppen)](https://www.edelman.com/trust/2024/trust-barometer)
- [National Academy of Sciences – Definitions: Fact, Theory, Law](https://www.nationalacademies.org/evolution/definitions)
- [Institute for Work & Health – What researchers mean by: peer review](https://www.iwh.on.ca/what-researchers-mean-by/peer-review)
- [National Academies – Reproducibility and Replicability in Science (2019)](https://www.nationalacademies.org/read/25303/chapter/3)
