# Früher war Rauchen laut Wissenschaft doch auch gesund!

Thema: Vertrauen in die Wissenschaft
URL: https://fakten-stammtisch.de/thema/wissenschaftsskepsis/rauchen-war-gesund/
Bewertung: Falsch
Stand: 2026-06-10

## Antwort

Das ist ein hartnäckiger Mythos: Die Wissenschaft hat die Gesundheitsgefahren des Rauchens früh erkannt — verschleiert wurden sie gezielt von der Tabakindustrie. Ein internes Memo von 1969 bringt deren Strategie auf den Punkt: ‚Doubt is our product' — Zweifel zu säen war das erklärte Ziel, um den Faktenkörper der Wissenschaft zu untergraben. Hier hat also nicht die Forschung versagt, sondern eine Industrie hat sie aktiv bekämpft. Der Fall zeigt das Gegenteil der Behauptung: Man musste der Wissenschaft glauben, nicht der bezahlten PR.

## Was hinter der Parole steckt

Umkehrung von Quelle und Täter: Eine gezielte Desinformationskampagne der Industrie wird der Wissenschaft als deren Irrtum untergeschoben. Verwechselt wird bezahlte PR mit dem damaligen Forschungsstand.

## Am Tisch nützlich – Gegenfragen

- „Wer hat damals behauptet, Rauchen sei harmlos — Forschungsinstitute oder die Tabakindustrie?"
- „Wem nützte es, Zweifel an den Gesundheitsstudien zu streuen?"

## Fakten dazu

### Interessenkonflikte und Finanzierung

Der Verdacht, Forschung sei käuflich, hat einen wahren Kern: Wer eine Studie bezahlt, kann ihre Ergebnisse beeinflussen. Deshalb gibt es Offenlegungspflichten, unabhängige Replikation und Peer Review — Mechanismen, die genau solche Verzerrungen sichtbar machen sollen. Die Geschichte kennt klare Negativbeispiele.

_Dokumentierte Fälle industrieller Einflussnahme_

| Fall | Vorgehen der Industrie | Beleg |
| --- | --- | --- |
| Tabak | Gezielt Zweifel an Krebsstudien gesät; internes Memo 1969: ‚Doubt is our product' | Brown & Williamson (UCSF-Archiv) |
| Zucker | Sugar Research Foundation finanzierte 1965 eine Übersicht, die Fett statt Zucker beschuldigte — ohne Offenlegung | Kearns et al., JAMA Intern. Med. 2016 |

- Der Effekt ist messbar: Eine Cochrane-Übersicht von 2017 zeigt, dass von der Industrie finanzierte Arzneimittel- und Medizinproduktstudien häufiger zu herstellergünstigen Ergebnissen kommen (relatives Risiko 1,27).

Daraus folgt aber nicht, dass ‚die Forschung' gekauft ist. 2023 entfielen von 129,7 Mrd. Euro Forschungsausgaben in Deutschland zwar mehr als zwei Drittel auf die Wirtschaft (als durchführenden Sektor), doch ein erheblicher Teil läuft an öffentlich finanzierten Hochschulen und Instituten. Entscheidend ist nicht, ob es Interessenkonflikte gibt, sondern ob sie offengelegt und kontrolliert werden.

### Methoden der Wissenschaftsleugnung

Echte Skepsis und Wissenschaftsleugnung sehen oberflächlich ähnlich aus, funktionieren aber gegensätzlich: Skepsis prüft Evidenz und lässt sich überzeugen, Leugnung lehnt unliebsame Schlüsse unabhängig von der Evidenz ab. Die Forschung hat fünf wiederkehrende Techniken der Leugnung beschrieben (Diethelm & McKee 2009).

_Fünf Techniken der Wissenschaftsleugnung_

| Technik | Masche | Beispiel |
| --- | --- | --- |
| Fake-Experten | Scheinautoritäten ins Feld führen, deren Ansichten dem Forschungsstand widersprechen | Listen ‚Tausender Wissenschaftler', die einen Konsens bestreiten |
| Rosinenpickerei | Einzelne abweichende oder schwache Studien herauspicken | Ein kühles Jahr als ‚Beweis' gegen die Erderwärmung |
| Unmögliche Erwartungen | Unerfüllbare Beweisansprüche stellen | Exakte Temperaturdaten aus der Zeit vor dem Thermometer verlangen |
| Logikfehler | Trugschlüsse und falsche Vergleiche nutzen | Tabakgegner als ‚Nazis', weil auch Hitler Rauchen ablehnte |
| Verschwörungsmythen | Konsens als Komplott statt als Ergebnis unabhängiger Forschung deuten | ‚Die Forscher sind alle gekauft oder gleichgeschaltet' |

Der Unterschied ist entscheidend: Wer nach widerlegbaren Belegen fragt, betreibt Wissenschaft. Wer keine Evidenz akzeptiert, die der eigenen Position widerspricht, betreibt Leugnung — auch wenn er sich ‚kritisch' nennt.

## Quellen

- [Brown & Williamson – Smoking and Health Proposal (1969), UCSF Truth Tobacco Industry Documents](https://www.industrydocuments.ucsf.edu/tid/nvs40f00)
- [Kearns, Schmidt & Glantz – Sugar Industry and Coronary Heart Disease Research, JAMA Internal Medicine (2016)](https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/2548255)
- [Lundh et al. – Industry Sponsorship and Research Outcome, Cochrane Database of Systematic Reviews (2017)](https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8132492/)
- [Statistisches Bundesamt – Ausgaben für Forschung und Entwicklung 2023 (Pressemitteilung Nr. 084, 2025)](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/03/PD25_084_218.html)
- [Diethelm & McKee – Denialism: what is it and how should scientists respond?, European Journal of Public Health (2009)](https://academic.oup.com/eurpub/article/19/1/2/463780)
