# Die Replikationskrise beweist, dass die ganze Forschung kaputt ist!

Thema: Vertrauen in die Wissenschaft
URL: https://fakten-stammtisch.de/thema/wissenschaftsskepsis/replikationskrise-alles-kaputt/
Bewertung: Ohne Kontext irreführend
Stand: 2026-06-10

## Antwort

Die Replikationskrise ist real und ernst — in der Psychologie ließen sich nur rund 36 % der untersuchten Befunde klar wiederholen. Aufgedeckt wurde sie allerdings von der Wissenschaft selbst, nicht von ihren Gegnern. Und die Reaktion war Reform: Über 300 Fachzeitschriften nutzen heute die Präregistrierung, bei der die Methodik vor der Datenerhebung begutachtet wird. Das Problem betrifft bestimmte Felder und wird aktiv bearbeitet — es ist ein Zeichen funktionierender Selbstkontrolle, keine Bankrotterklärung.

## Was hinter der Parole steckt

Pars pro toto: Ein reales Problem einzelner Disziplinen wird zur Generalabrechnung mit ‚der Forschung' aufgeblasen. Dass die Krise aus der Wissenschaft selbst kam und Reformen auslöste, wird ausgeblendet.

## Am Tisch nützlich – Gegenfragen

- „Wer hat die Replikationskrise eigentlich entdeckt und benannt?"
- „Spricht es gegen ein System, wenn es eigene Fehler sucht, offenlegt und korrigiert?"

## Fakten dazu

### Die Replikationskrise

Seit etwa 2011 ist klar: Nicht jeder publizierte Befund lässt sich wiederholen. Besonders in Teilen der Psychologie und der biomedizinischen Forschung scheiterten Replikationsversuche häufiger als erwartet. Das ist ein ernstes Problem — aber eines, das die Wissenschaft selbst entdeckt, benannt und untersucht hat.

- Psychologie repliziert: 36 % (von 100 Studien (Originale: 97 %))
- Krebsbiologie repliziert: 40 % (positive Effekte (39 von 97))
- Journals mit Präregistrierung: 300+ (Registered Reports)

- Die Replikationskrise wurde nicht von Kritikern der Wissenschaft aufgedeckt, sondern von Forschenden selbst — in großangelegten, kooperativen Replikationsprojekten.

Dass die Wissenschaft ihre eigenen Schwächen sucht, offenlegt und korrigiert, ist Selbstkontrolle in Aktion. Die Reaktion war Reform, nicht Vertuschung: Über 300 Fachzeitschriften nutzen heute das Format der Registered Reports, bei dem die Methodik einer Studie schon vor der Datenerhebung begutachtet und angenommen wird — das nimmt den Anreiz, Ergebnisse im Nachhinein schönzurechnen.

## Quellen

- [Open Science Collaboration – Estimating the Reproducibility of Psychological Science, Science (2015)](https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26315443/)
- [Errington et al. – Reproducibility Project: Cancer Biology, eLife (2021)](https://elifesciences.org/articles/71601)
- [Center for Open Science – Registered Reports](https://www.cos.io/initiatives/registered-reports)
