# Forschung ist doch eh von der Industrie gekauft!

Thema: Vertrauen in die Wissenschaft
URL: https://fakten-stammtisch.de/thema/wissenschaftsskepsis/von-industrie-gekauft/
Bewertung: Teilweise wahr
Stand: 2026-06-10

## Antwort

Die Sorge ist berechtigt — Studien mit Industriefinanzierung kommen nachweislich häufiger zu herstellergünstigen Ergebnissen (Cochrane: relatives Risiko 1,27). Genau deshalb gibt es Offenlegungspflichten, unabhängige Replikation und Peer Review, die solche Verzerrungen sichtbar machen sollen. Pauschal ‚gekauft' ist die Forschung damit aber nicht: Ein erheblicher Teil läuft an öffentlich finanzierten Hochschulen und Instituten. Entscheidend ist nicht, ob es Interessenkonflikte gibt, sondern ob sie offengelegt und kontrolliert werden.

## Was hinter der Parole steckt

Verallgemeinerung eines realen Teilproblems: Aus belegbaren Verzerrungen bei industrienaher Forschung wird ein Pauschalurteil über alle Wissenschaft. Die Mechanismen, die genau diese Verzerrung aufdecken, werden übergangen.

## Am Tisch nützlich – Gegenfragen

- „Wer hat die konkrete Studie finanziert — und ist das offengelegt?"
- „Gibt es unabhängige Studien, die zum selben Ergebnis kommen?"

## Fakten dazu

### Interessenkonflikte und Finanzierung

Der Verdacht, Forschung sei käuflich, hat einen wahren Kern: Wer eine Studie bezahlt, kann ihre Ergebnisse beeinflussen. Deshalb gibt es Offenlegungspflichten, unabhängige Replikation und Peer Review — Mechanismen, die genau solche Verzerrungen sichtbar machen sollen. Die Geschichte kennt klare Negativbeispiele.

_Dokumentierte Fälle industrieller Einflussnahme_

| Fall | Vorgehen der Industrie | Beleg |
| --- | --- | --- |
| Tabak | Gezielt Zweifel an Krebsstudien gesät; internes Memo 1969: ‚Doubt is our product' | Brown & Williamson (UCSF-Archiv) |
| Zucker | Sugar Research Foundation finanzierte 1965 eine Übersicht, die Fett statt Zucker beschuldigte — ohne Offenlegung | Kearns et al., JAMA Intern. Med. 2016 |

- Der Effekt ist messbar: Eine Cochrane-Übersicht von 2017 zeigt, dass von der Industrie finanzierte Arzneimittel- und Medizinproduktstudien häufiger zu herstellergünstigen Ergebnissen kommen (relatives Risiko 1,27).

Daraus folgt aber nicht, dass ‚die Forschung' gekauft ist. 2023 entfielen von 129,7 Mrd. Euro Forschungsausgaben in Deutschland zwar mehr als zwei Drittel auf die Wirtschaft (als durchführenden Sektor), doch ein erheblicher Teil läuft an öffentlich finanzierten Hochschulen und Instituten. Entscheidend ist nicht, ob es Interessenkonflikte gibt, sondern ob sie offengelegt und kontrolliert werden.

## Quellen

- [Brown & Williamson – Smoking and Health Proposal (1969), UCSF Truth Tobacco Industry Documents](https://www.industrydocuments.ucsf.edu/tid/nvs40f00)
- [Kearns, Schmidt & Glantz – Sugar Industry and Coronary Heart Disease Research, JAMA Internal Medicine (2016)](https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/2548255)
- [Lundh et al. – Industry Sponsorship and Research Outcome, Cochrane Database of Systematic Reviews (2017)](https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8132492/)
- [Statistisches Bundesamt – Ausgaben für Forschung und Entwicklung 2023 (Pressemitteilung Nr. 084, 2025)](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/03/PD25_084_218.html)
