# Der Staat reguliert den Wohnungsbau zu Tode — deshalb wird nichts mehr gebaut!

Thema: Wohnen & Mieten
URL: https://fakten-stammtisch.de/thema/wohnen/staat-reguliert-bau-zu-tode/
Bewertung: Teilweise wahr
Stand: 2026-07-05

## Antwort

Der Kern ist berechtigt: Gestiegene (vor allem energetische) Standards erklären nach einer Auswertung der Bundestags-Wissenschaftsdienste rund 30 % des Baukostenanstiegs von 2000 bis 2020, und lange Genehmigungsverfahren kosten zusätzlich Zeit und Geld. Als Erklärung für den aktuellen Einbruch taugt Regulierung allein aber nicht: 2020 wurden trotz nahezu gleicher Vorschriften noch 306.400 Wohnungen fertiggestellt. Eingebrochen ist der Bau, als die Zinsen von 0,8 auf rund 4 % stiegen und die Neubaupreise um 44 % zulegten — dazu Baulandpreise, die sich binnen zehn Jahren verdoppelt haben. Vereinfachte Standards können Bauen billiger machen; den Zins- und Kostenschock ersetzen sie nicht.

## Was hinter der Parole steckt

Einzelursache statt Ursachenbündel — mit falscher zeitlicher Zuordnung: Der Einbruch ab 2022 fällt mit dem Zinsschock zusammen, nicht mit neuen Bauvorschriften. Ein realer Kostenfaktor (Standards) wird zur Alleinerklärung aufgeblasen, wodurch die größeren Hebel aus dem Blick geraten.

## Am Tisch nützlich – Gegenfragen

- „Welche konkrete Vorschrift meinst du — und was kostet sie pro Quadratmeter?"
- „Warum wurde 2020 mit fast denselben Standards noch 50 % mehr gebaut als 2025?"

## Fakten dazu

### Neubau: Weit unter Ziel und Bedarf

Die Bundesregierung hat sich 2021 das Ziel gesetzt, jährlich 400.000 neue Wohnungen zu bauen, davon 100.000 öffentlich gefördert. Erreicht wurde es nie — 2025 wurde mit 206.600 fertiggestellten Wohnungen nur gut die Hälfte geschafft, der niedrigste Wert seit 2012. Hauptursachen des Einbruchs ab 2022: der schnelle Zinsanstieg und massiv gestiegene Baukosten.

_Fertiggestellte Wohnungen vs. Regierungsziel 400.000 pro Jahr_

- 2023: aktuell 294.4 Tsd., Ziel 400 Tsd.
- 2024: aktuell 251.9 Tsd., Ziel 400 Tsd.
- 2025: aktuell 206.6 Tsd., Ziel 400 Tsd.

_Baugenehmigungen für Wohnungen (Vorlaufindikator für künftige Fertigstellungen)_

- 2021: 380.7 Tsd.
- 2022: 354.4 Tsd.
- 2023: 260.1 Tsd.
- 2024: 215.3 Tsd.
- 2025: 238.5 Tsd.

- Neubaupreise: +44 % (Wohngebäude, Anfang 2021 bis Anfang 2026)
- Bauzinsen: 0,8 → 4,0 % (10 Jahre Zinsbindung, 2020 vs. Anfang 2026)
- Baulandpreise: +102 % (2010–2020 (Baupreise: +29 %))

Wie groß ist die Lücke? Das IW Köln beziffert den Neubaubedarf für 2021–2025 auf 372.600 Wohnungen pro Jahr; ab 2026 sinkt er demografiebedingt auf rund 257.400. Das Pestel-Institut schätzte Anfang 2026 den aufgelaufenen Mangel auf 1,4 Mio. fehlende Wohnungen (Studie im Auftrag des Bündnisses Soziales Wohnen, hier zitiert nach ZDF-Berichterstattung). Ein Hoffnungswert: Die Genehmigungen stiegen 2025 erstmals seit 2021 wieder (+10,8 %), und Ende 2025 waren 760.700 genehmigte Wohnungen noch nicht fertiggestellt. Wichtig für die Wirkung von Neubau: Über Umzugsketten macht er auch ältere, günstigere Wohnungen frei (Sickereffekt) — auf angespannten Märkten reicht dieser Effekt laut Studienauswertung der Bundestags-Wissenschaftsdienste aber nur eingeschränkt bis ins preisgünstige Segment.

## Quellen

- [Statistisches Bundesamt – 18,0 % weniger fertiggestellte Wohnungen im Jahr 2025, Pressemitteilung Nr. 174 (2026)](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/05/PD26_174_31121.html)
- [Statistisches Bundesamt – 0,3 % weniger fertiggestellte Wohnungen im Jahr 2023, Pressemitteilung Nr. 203 (2024)](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/05/PD24_203_31121.html)
- [Statistisches Bundesamt – 14,4 % weniger fertiggestellte Wohnungen im Jahr 2024, Pressemitteilung Nr. 183 (2025)](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/05/PD25_183_31121.html)
- [BMWSB – Maßnahmenpaket der Bundesregierung für den Wohnungsbau (2026)](https://www.bmwsb.bund.de/SharedDocs/topthemen/DE/Massnahmenpaket-bauen/massnahmenpaket-artikel.html)
- [Statistisches Bundesamt – 10,8 % mehr Baugenehmigungen für Wohnungen im Jahr 2025, Pressemitteilung Nr. 052 (2026)](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/02/PD26_052_3111.html)
- [Statistisches Bundesamt – 26,6 % weniger Baugenehmigungen für Wohnungen im Jahr 2023, Pressemitteilung Nr. 074 (2024)](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/02/PD24_074_3111.html)
- [Statistisches Bundesamt – 6,9 % weniger Baugenehmigungen für Wohnungen im Jahr 2022, Pressemitteilung Nr. 095 (2023)](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2023/03/PD23_095_3111.html)
- [Statistisches Bundesamt – Preisindizes für Bauwerke, Wohngebäude (2026)](https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Konjunkturindikatoren/Preise/bpr110.html)
- [Interhyp – Baufinanzierung: Zinsen im 45-Jahres-Vergleich (2025)](https://www.interhyp.de/ratgeber/news/blick-in-die-vergangenheit-baufinanzierung/)
- [IW Köln – Wohnungsbedarf: Jährlich müssten 372.600 Wohnungen gebaut werden (2024)](https://www.iwkoeln.de/presse/pressemitteilungen/jaehrlich-muessten-372600-wohnungen-gebaut-werden.html)
- [Pestel-Institut / ZDFheute – Studie zählt 1,4 Millionen fehlende Wohnungen (2026)](https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/studie-wohnungsmangel-rekordstand-100.html)
- [Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages – Kostensteigerungen im Wohnungsbau durch höhere Energiestandards, WD 5-3000-012/22 (2022)](https://www.bundestag.de/resource/blob/892394/813e72ec7f01d0287e82027918ed7d4e/WD-5-012-22-pdf-data.pdf)
- [Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages – Sickereffekt im Wohnungsmarkt, WD 5-3000-079/22 (2022)](https://www.bundestag.de/resource/blob/906072/8d24ffc3211f7974a2945b6b55f5f815/WD-5-079-22-pdf-data.pdf)
