Kreativberufe sind tatsächlich stark betroffen: Modedesigner (+38 PP), Journalisten (+20 PP), Komponisten erstmals automatisierbar (von 0 auf 25 %). Der Synchronsprecher ist der einzige Beruf mit 100 % Substituierbarkeit. Aber in der Breite zeigt sich eher eine Verschiebung hin zur Mensch-KI-Kollaboration als eine vollständige Ersetzung — kreative Gesamtkonzepte sind bisher kaum automatisierbar.
Was hinter der Parole steckt: Unzulässige Verallgemeinerung: ‚Die Kreativen' werden als homogene Gruppe behandelt, obwohl die Betroffenheit extrem streut — vom vollständig substituierbaren Synchronsprechen bis zu Gesamtkonzept und Regie, die bisher kaum automatisierbar sind. Zudem wird vom automatisierbaren Handwerksanteil (Bild generieren, Text formulieren) auf die gesamte kreative Leistung geschlossen.
Am Tisch nützlich – Gegenfragen:
- „Welche kreative Arbeit meinst du konkret — Stockfotos und Werbetexte oder Konzept, Dramaturgie und Regie?"
- „Wo verläuft für dich die Grenze zwischen ‚KI erledigt das Handwerk' und ‚KI hat die Idee'?"
- „Wenn KI-Massenware billig verfügbar ist — was passiert dann mit dem Wert erkennbar menschlicher Arbeit?"
Stichworte: kreativität, künstler, designer, journalist, musik, kreative berufe
Fakten dazu
Wer gewinnt, wer verliert?
Generative KI hat das Bild verschoben: Nicht mehr nur Fabrikarbeit ist exponiert, sondern zunehmend Wissensarbeit. Der stärkste Anstieg der Substituierbarkeit findet in IT- und naturwissenschaftlichen Dienstleistungsberufen statt, gefolgt von Handels- und Unternehmensführungsberufen. Kaum verändert haben sich soziale, pflegerische und handwerkliche Berufe.
Substituierbarkeitspotenzial ausgewählter Berufe (IAB 2024)
| Beruf | 2019 | 2022 | Veränderung |
|---|
| Synchronsprecher:in | < 100 % | 100 % | vollständig |
| Modedesigner:in | 50 % | 88 % | +38 PP |
| Softwareentwickler:in | k. A. | k. A. | ca. +30 PP |
| Hörfunk-/Fernsehsprecher:in | 14 % | 43 % | +29 PP |
| Komponist:in | 0 % | 25 % | +25 PP |
| Betriebswirt:in (Industrie) | 46 % | 69 % | +23 PP |
| Journalist:in | 20 % | 40 % | +20 PP |
| Friedhofsarbeiter:in | 60 % | 44 % | −16 PP |
| Gesundheitsberufe | ~27 % | 26,5 % | ±0 |
| Soziale Dienstleistungen | ~14 % | 13,5 % | ±0 |
Zwei Lesehinweise zur Tabelle: Für Softwareentwickler:innen nennt das IAB nur den Anstieg (rund 30 Prozentpunkte durch Low- und No-Coding), keine Absolutwerte. Und das Potenzial kann auch sinken — bei Friedhofsarbeiter:innen fiel es von 60 auf 44 %, weil nicht automatisierbare Aufgaben wie Heckenschnitt und Winterdienst neu zu den Kerntätigkeiten zählen. Berufsbilder verschieben sich also in beide Richtungen.
- Frauen sind in Industrieländern fast dreimal stärker von KI-Automatisierung bedroht als Männer: 9,6 % der weiblichen Arbeitsplätze fallen in die höchste Expositionsstufe, bei Männern sind es 3,5 %. Grund ist die starke Konzentration von Frauen in Büro-, Verwaltungs- und Buchhaltungstätigkeiten.
Welche Berufe sind besonders exponiert?
Das IAB misst für jeden Beruf, welcher Anteil seiner Kerntätigkeiten heute potenziell von Computern oder KI übernommen werden könnte — das sogenannte Substituierbarkeitspotenzial. Das bedeutet nicht, dass diese Jobs tatsächlich wegfallen, sondern zeigt, wo technisch eine Automatisierung möglich wäre.
Hinweis: Substituierbarkeitspotenzial nach Anforderungsniveau (2022)
- Fachkraftberufe: 62 %
- Helferberufe: 57 %
- Spezialistenberufe: 50 %
- Expertenberufe: 36 %
- 13,03 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (38 %) arbeiten in Berufen mit einem Substituierbarkeitspotenzial von über 70 %. 2019 waren es noch 34 %.
Die überraschende Erkenntnis: Durch generative KI steigt das Potenzial bei Expertenberufen am stärksten (+9,7 Prozentpunkte seit 2019), obwohl es dort absolut am niedrigsten bleibt. Hochqualifizierte bekommen die Digitalisierung verstärkt zu spüren — ein neues Phänomen, das vor allem auf Text-, Bild- und Codegeneratoren zurückgeht.
- Bei mehr als der Hälfte der Berufe (2.234 von 4.316) hat sich das Substituierbarkeitspotenzial zwischen 2019 und 2022 gar nicht verändert. Gleichzeitig sind über 280 neue Berufe entstanden — etwa KI-Manager:in, Machine Learning Engineer oder Ethical Hacker.