Vertrauen in Zahlen
Das Vertrauen in die Wissenschaft ist in Deutschland seit Jahren mehrheitlich stabil, schwankt aber mit dem Zeitgeschehen. Im Wissenschaftsbarometer — der jährlichen Bevölkerungsbefragung von Wissenschaft im Dialog — gaben 2024 rund 55 % an, der Wissenschaft eher oder voll zu vertrauen. Das ist deutlich mehr als das Vertrauen in viele andere Institutionen, aber kein bedingungsloser Freibrief.
Hinweis: Vertrauen in Wissenschaft und Forschung in Deutschland (Wissenschaftsbarometer)
- 2017: 50 %
- 2018: 54 %
- 2019: 46 %
- 2020: 60 %
- 2021: 61 %
- 2022: 62 %
- 2023: 56 %
- 2024: 55 %
- In der Frühphase der Corona-Pandemie stieg das Vertrauen sprunghaft: Im April 2020 vertrauten 73 % der Wissenschaft — der höchste je gemessene Wert.
- Wissenschaftler: 77 % (Edelman 2024 (global))
- Journalisten: 49 % (Edelman 2024 (global))
- Regierungschefs: 42 % (Edelman 2024 (global))
- Vertrauen Klima-Aussagen: 59 % (2024 (2016: 39 %))
Wissenschaftler genießen damit international klar mehr Vertrauen als Politik oder Medien; eine pauschale Vertrauenskrise lässt sich aus den Daten nicht ableiten. Gleichzeitig ist das Vertrauen nicht gleich verteilt: Es hängt von Bildung, politischer Orientierung und Thema ab — und das Vertrauen in einzelne Aussagen (etwa zum Klimawandel) ist über die Jahre sogar gewachsen.
Wie Wissenschaft funktioniert
Viele Missverständnisse über die Wissenschaft entstehen aus einer falschen Erwartung: Wissenschaft liefere fertige, endgültige Wahrheiten. Tatsächlich ist sie ein Verfahren, das Wissen schrittweise prüft, eingrenzt und bei Bedarf korrigiert. Eine einzelne Studie ist immer vorläufig — verlässlich wird Wissen erst durch das Zusammenspiel vieler unabhängiger Befunde.
Hinweis: Wie aus einer Idee belastbares Wissen wird
- Hypothese: Begründete Vermutung, aus der sich überprüfbare Vorhersagen ableiten lassen
- Studie & Daten: Kontrollierte Überprüfung an der Realität
- Peer Review: Begutachtung durch unabhängige Fachleute vor der Veröffentlichung
- Replikation: Unabhängige Wiederholung durch andere Forschungsgruppen
- Konsens: Verdichtung vieler Befunde zum belastbaren Forschungsstand
- Eine wissenschaftliche ‚Theorie' ist keine bloße Vermutung, sondern laut der US-amerikanischen National Academy of Sciences eine ‚gut belegte Erklärung eines Aspekts der natürlichen Welt', die Fakten, Gesetze und geprüfte Hypothesen zusammenführt.
Dass die Wissenschaft ihre Aussagen revidiert, wenn neue Evidenz vorliegt, ist kein Mangel, sondern ihr Kern: Ein Befund gewinnt erst dann Vertrauen, wenn er wiederholter Prüfung standhält. Das Verfahren ist darauf ausgelegt, eigene Fehler zu finden — nicht, sie zu vermeiden.