Die Replikationskrise ist real und ernst — in der Psychologie ließen sich nur rund 36 % der untersuchten Befunde klar wiederholen. Aufgedeckt wurde sie allerdings von der Wissenschaft selbst, nicht von ihren Gegnern. Und die Reaktion war Reform: Über 300 Fachzeitschriften nutzen heute die Präregistrierung, bei der die Methodik vor der Datenerhebung begutachtet wird. Das Problem betrifft bestimmte Felder und wird aktiv bearbeitet — es ist ein Zeichen funktionierender Selbstkontrolle, keine Bankrotterklärung.
Was hinter der Parole steckt: Pars pro toto: Ein reales Problem einzelner Disziplinen wird zur Generalabrechnung mit ‚der Forschung' aufgeblasen. Dass die Krise aus der Wissenschaft selbst kam und Reformen auslöste, wird ausgeblendet.
Am Tisch nützlich – Gegenfragen:
- „Wer hat die Replikationskrise eigentlich entdeckt und benannt?"
- „Spricht es gegen ein System, wenn es eigene Fehler sucht, offenlegt und korrigiert?"
Stichworte: Replikationskrise, lässt sich nicht reproduzieren, Forschung kaputt, Studien wertlos, nicht wiederholbar
Fakten dazu
Die Replikationskrise
Seit etwa 2011 ist klar: Nicht jeder publizierte Befund lässt sich wiederholen. Besonders in Teilen der Psychologie und der biomedizinischen Forschung scheiterten Replikationsversuche häufiger als erwartet. Das ist ein ernstes Problem — aber eines, das die Wissenschaft selbst entdeckt, benannt und untersucht hat.
- Psychologie repliziert: 36 % (von 100 Studien (Originale: 97 %))
- Krebsbiologie repliziert: 40 % (positive Effekte (39 von 97))
- Journals mit Präregistrierung: 300+ (Registered Reports)
- Die Replikationskrise wurde nicht von Kritikern der Wissenschaft aufgedeckt, sondern von Forschenden selbst — in großangelegten, kooperativen Replikationsprojekten.
Dass die Wissenschaft ihre eigenen Schwächen sucht, offenlegt und korrigiert, ist Selbstkontrolle in Aktion. Die Reaktion war Reform, nicht Vertuschung: Über 300 Fachzeitschriften nutzen heute das Format der Registered Reports, bei dem die Methodik einer Studie schon vor der Datenerhebung begutachtet und angenommen wird — das nimmt den Anreiz, Ergebnisse im Nachhinein schönzurechnen.