Die Kosten für Deutschland sind real — Energiepreise, Inflation, Belastungen für Unternehmen. Doch die Größenordnung unterscheidet sich: Russland steckt rund 7,5 % seines BIP ins Militär, die Öl- und Gaseinnahmen sanken 2025 nach eigenen Angaben um etwa 21 %, und die Zentralbank musste den Leitzins zeitweise auf ein Rekordhoch von 21 % anheben. Deutschland federte die Krise mit einem 200-Mrd.-Abwehrschirm ab, und die Inflation ging ab 2023 wieder zurück. Beide Seiten zahlen — aber dass es ‚uns mehr' schadet, tragen die Daten nicht.
Was hinter der Parole steckt: Die Parole vergleicht selektiv: Sie stellt die sichtbaren Kosten bei uns den weniger sichtbaren Belastungen in Russland gegenüber und blendet aus, dass Sanktionen langfristig wirken. Oft schwingt ein Nullsummen-Denken mit — als wäre jeder Nachteil bei uns automatisch ein Vorteil für die Gegenseite.
Am Tisch nützlich – Gegenfragen:
- „Woran genau machst du fest, dass es uns ‚mehr' schadet — an welcher Zahl?"
- „Wenn Russland 7,5 % seines BIP fürs Militär aufwendet und die Energieeinnahmen sinken: Wer trägt da die größere Last?"
- „Würdest du den einmaligen Preisschock 2022 mit der dauerhaften Belastung einer Kriegswirtschaft gleichsetzen?"
Stichworte: Sanktionen, schaden uns, Wirtschaft, Energiepreise, Bumerang, Russland
Fakten dazu
Was kostet uns das?
Der Krieg und die Energiekrise haben Deutschland viel Geld gekostet — über höhere Energiepreise, Inflation und milliardenschwere Entlastungspakete. Diese Lasten sind real und sollten nicht kleingeredet werden. Es lohnt aber, die Größenordnungen einzuordnen.
- Inflation 2022: 7,9 % (VPI; harmonisiert (HVPI): 8,7 %)
- Inflation 2023: 5,9 % (rückläufig (VPI, Jahresdurchschnitt))
- Energie-Abwehrschirm: 200 Mrd. € (‚Doppelwumms' 2022, Gas-/Strompreisbremse)
- Bundeshaushalt 2025: 502,55 Mrd. € (Bezugsgröße für Einordnung)
- Der einmalige Energie-Abwehrschirm von 2022 (200 Mrd. €) übertraf die über fast vier Jahre kumulierte deutsche Ukraine-Hilfe deutlich. Die größten Kosten der Krise entstanden im Inland — bei der Abfederung der Energiepreise.
Wirken die Sanktionen?
Sanktionen wirken selten als Knockout, sondern als langsame Erosion der wirtschaftlichen Handlungsspielräume. Kurzfristig hat Russland sie besser verkraftet als von manchen erhofft — die Kriegswirtschaft hielt die Konjunktur zunächst oben. Mittelfristig zeigen sich aber deutliche Belastungen.
- BIP-Wachstum Russland: +4,3 % → +0,6 % (2024 (Ist) zu 2025 (IWF-Prognose))
- des BIP für das Militär: ~7,5 % (2025, höchster Anteil seit Sowjet-Ende (SIPRI))
- Öl- & Gaseinnahmen: −21 % (Jan.–Okt. 2025, russ. Finanzministerium)
- Selbst nach Russlands eigenen Zahlen sanken die Öl- und Gaseinnahmen 2025 um rund 21 % — ihr Anteil an den Föderalhaushaltseinnahmen fiel unter 23 %, der niedrigste Rohstoff-Anteil seit Jahrzehnten.
Gleichzeitig laufen die Sanktionen nicht ins Leere, aber auch nicht perfekt: Russland beschafft militärisch relevante Komponenten weiter über Drittländer und Parallelimporte. Das Kiel Institute beschreibt die Kriegswirtschaft als ‚groß und wachsend' — finanziert allerdings auf Kosten ziviler Bereiche und mit einem Leitzins, den die Zentralbank zeitweise auf ein Rekordhoch von 21 % anheben musste.