Werden wir überrannt? Sind Geflüchtete krimineller? Antworten zu Asylzahlen, Arbeitsmarkt, Kriminalität und Integration — Quellen BAMF, BKA und IAB.
Fakten
Entwicklung der Asylzahlen
Die Zahl der Asylerstanträge in Deutschland ist im Jahr 2025 massiv gesunken. Insgesamt wurden 113.236 Erstanträge gestellt, was einem Rückgang von über 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (229.751 Anträge) entspricht. Dieser Trend setzte sich auch Anfang 2026 fort.
Hinweis: Asylerstanträge in Deutschland pro Jahr
- 2015: 441899 Erstanträge
- 2016: 722370 Erstanträge
- 2017: 198317 Erstanträge
- 2018: 161931 Erstanträge
- 2019: 142509 Erstanträge
- 2020: 102581 Erstanträge
- 2021: 148233 Erstanträge
- 2022: 217774 Erstanträge
- 2023: 329120 Erstanträge
- 2024: 229751 Erstanträge
- 2025: 113236 Erstanträge
Aktuelle Asylzahlen im Detail
| Zeitraum | Asylerstanträge | Veränderung |
|---|
| 2023 | 329.120 | Vergleichsbasis Vorjahr |
| 2024 | 229.751 | -30,2 % zu 2023 |
| 2025 | 113.236 | -50,7 % zu 2024 |
| Januar 2026 | 7.649 | -48,7 % zum Vorjahresmonat |
- Die zugangsstärksten Herkunftsländer 2025 waren Afghanistan (23.972 Erstanträge), Syrien (23.256) und die Türkei (11.919).
Schutzquoten & Anerkennungsverfahren
Nicht jeder Asylantrag führt zu Schutz. Das BAMF prüft jeden Fall individuell. Die Gesamtschutzquote – also der Anteil positiver Entscheidungen (Asyl, Flüchtlingsschutz, subsidiärer Schutz, Abschiebungsverbot) – lag 2025 bei 28,1 %. Dabei unterscheiden sich die Quoten je nach Herkunftsland erheblich.
- Gesamtschutzquote 2025: 28,1 % (Anteil positiver Entscheidungen)
- Erstanträge 2025: 113.236 (-50,7 % zum Vorjahr)
- Erstanträge Jan 2026: 7.649 (-48,7 % zum Vorjahresmonat)
- Die Schutzquote variiert stark nach Herkunftsland: Bei syrischen Antragstellern liegt sie deutlich über dem Durchschnitt, bei Anträgen aus sicheren Herkunftsstaaten nahe null. Die Differenzierung zeigt, dass das Asylverfahren nicht pauschal jeden akzeptiert.
EU-Vergleich der Asylzahlen
Deutschland nimmt in absoluten Zahlen die meisten Asylanträge in der EU entgegen. 2024 entfielen rund 25 % aller EU-Erstanträge auf Deutschland (229.695 von 911.960). Pro Kopf liegt Deutschland jedoch nicht auf Platz 1: Zypern und Griechenland verzeichnen deutlich höhere Quoten. Anfang 2025 hat Frankreich Deutschland als Hauptzielland abgelöst, da die deutschen Antragszahlen massiv zurückgingen.
EU-Asylerstanträge 2024 – ausgewählte Länder
| Land | Erstanträge 2024 | Pro 1 Mio. Einwohner |
|---|
| Deutschland | 229.695 | 2.752 |
| Frankreich | 132.800 | ~1.950 |
| Spanien | 163.220 | ~3.430 |
| Italien | 136.100 | ~2.310 |
| Zypern | ~7.000 | ~7.000 |
| EU gesamt | 911.960 | 2.032 |
- Pro Kopf liegen Zypern und Griechenland in der EU deutlich vor Deutschland. Die pauschale Aussage, Deutschland nehme unverhältnismäßig viele Geflüchtete auf, ist im europäischen Vergleich differenzierter zu betrachten.
Arbeitsmarktintegration
Die Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt braucht Zeit (Spracherwerb, Qualifizierung), zeigt aber langfristig deutliche Erfolge. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) nähert sich die Beschäftigungsquote der 2015 nach Deutschland gekommenen Geflüchteten nach neun Jahren dem Bevölkerungsdurchschnitt an.
Hinweis: Beschäftigungsquote der 2015 zugezogenen Geflüchteten
- Im 1. Jahr: 9% (unter 10 %)
- Nach 9 Jahren: 64% (Männer: 76 %, Frauen: 35 %)
- Gesamt: Bevölkerungsdurchschnitt: 70 %
- Rund die Hälfte der beschäftigten Geflüchteten übt sieben bis acht Jahre nach Zuzug eine qualifizierte Tätigkeit als Fachkraft oder Spezialist aus.
Für die 2015 zugezogene Geflüchtetenkohorte zeigen IAB-Daten eine besondere Bedeutung von Gesundheits-, Fertigungs- sowie Verkehrs- und Logistikberufen. Pauschale Aussagen über eine generelle Verdrängung am Arbeitsmarkt tragen diese Daten nicht.
- 2023 lebten noch 34 % der 2015 zugezogenen Geflüchteten im erwerbsfähigen Alter in SGB-II-Haushalten. Unter den abhängig Beschäftigten konnten 84 % ihren Lebensunterhalt ohne ergänzende Leistungen bestreiten.
Demografischer Wandel und Fachkräfte
Der demografische Wandel verringert in Deutschland das Erwerbspersonenpotenzial. Destatis erwartet, dass die Zahl der 20- bis 66-Jährigen bis Mitte der 2030er Jahre selbst bei hoher Nettozuwanderung um rund 3,2 Millionen sinkt. Dadurch gewinnt die Frage an Bedeutung, wie Zuwanderung und Arbeitsmarktintegration zum Arbeitskräfteangebot beitragen.
- Erwerbspersonen: −3,2 Mio. (20- bis 66-Jährige sinken bis Mitte 2030er)
- Beschäftigungsquote: 64 % (der 2015 zugezogenen Geflüchteten (Ende 2024))
- Fachkraft oder höher: 50 % (der beschäftigten Geflüchteten nach 7–8 Jahren)
- Selbst bei hoher Nettozuwanderung sinkt laut Destatis die Zahl der 20- bis 66-Jährigen bis Mitte der 2030er um rund 3,2 Millionen. Integration in den Arbeitsmarkt ist daher keine Kür, sondern volkswirtschaftliche Notwendigkeit.
Kriminalität & Polizeiliche Kriminalstatistik
Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2024 weist 41,8 % aller Tatverdächtigen als nichtdeutsch aus. Bereinigt um ausländerrechtliche Verstöße (die nur von Nichtdeutschen begangen werden können) sinkt der Anteil auf 35,4 % – bei einem Bevölkerungsanteil von ca. 15 %. Eine pauschale Gleichsetzung dieser Zahlen mit höherer Kriminalitätsneigung greift jedoch zu kurz.
PKS 2024 – Tatverdächtige nach Staatsangehörigkeit
| Kategorie | Anzahl | Anteil |
|---|
| Tatverdächtige gesamt | 2.185.064 | 100 % |
| Nichtdeutsche TV (alle Delikte) | 913.196 | 41,8 % |
| Nichtdeutsche TV (ohne ausl.-rechtl. Verstöße) | 696.873 | 35,4 % |
| Davon Zuwanderer | 383.844 | 17,6 % |
| Zuwanderer (ohne ausl.-rechtl. Verstöße) | ~192.000 | ~8,8 % |
Das BKA und das BMI nennen mehrere Faktoren, die die Überrepräsentation erklären, ohne sie zu rechtfertigen: die demografische Struktur der Zuwanderungsbevölkerung (überproportional junge Männer – die Gruppe mit der höchsten Kriminalitätsbelastung in jeder Bevölkerung), nachteilige ökonomische Lebenslagen, psychische Belastungen durch Flucht und eigene Gewalterfahrungen sowie das höhere Anzeigeverhalten gegenüber Fremden.
- Die Tatverdächtigenbelastungszahl (TVBZ) für Deutsche lag 2024 bei 1.878 pro 100.000 Einwohner. Ein direkter Vergleich mit Nichtdeutschen ist methodisch schwierig, da Faktoren wie Altersstruktur, Geschlechterverteilung und soziale Lage berücksichtigt werden müssen.
- Ausländerrechtliche Verstöße (illegaler Aufenthalt, Verstöße gegen Aufenthaltsrecht) können definitionsgemäß nur von Nichtdeutschen begangen werden. Sie treiben den Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger in der Gesamtstatistik nach oben, ohne etwas über die allgemeine Kriminalitätsbelastung auszusagen.
Kosten der Migration
Migration verursacht erhebliche öffentliche Ausgaben – für Unterbringung, Sprachkurse, Sozialleistungen und Verwaltung. 2023 lagen die Gesamtausgaben des Bundes im Kontext Flucht und Migration bei rund 29,7 Mrd. Euro (Höchststand), 2024 bei ca. 28 Mrd. Euro. Für 2025 sind rund 24,3 Mrd. Euro veranschlagt, davon entfallen 19,8 Mrd. Euro auf die Unterstützung von Ländern und Kommunen.
Hinweis: Bundesausgaben im Kontext Flucht/Migration (Mrd. €)
- 2022: 24 Mrd. €
- 2023: 30 Mrd. €
- 2024: 28 Mrd. €
- 2025 (Plan): 24 Mrd. €
Die Kosten sind real und erheblich, aber sie müssen im Kontext betrachtet werden: Der Bundeshaushalt 2024 umfasste rund 477 Mrd. Euro. Zudem sind Integrationsausgaben Investitionen, deren Rendite erst zeitversetzt messbar wird – etwa wenn Geflüchtete in den Arbeitsmarkt eintreten und Steuern sowie Sozialabgaben zahlen.
- Das Budget für Integrationskurse wurde 2025 von rund 1 Mrd. Euro auf 763 Mio. Euro gekürzt – trotz nachgewiesener Wirksamkeit der Kurse bei der Arbeitsmarktintegration.
Abschiebungen & Rückführungen
2024 wurden 20.084 Abschiebungen durchgeführt – der höchste Stand seit 2019 und ein Anstieg von 22 % gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig gab es 33.400 freiwillige Ausreisen und 45.337 Zurückweisungen an der Grenze. Dennoch bleiben viele Ausreisepflichtige in Deutschland: Ende 2024 waren rund 220.808 Personen vollziehbar ausreisepflichtig, davon etwa 178.500 mit Duldung.
- Abschiebungen 2024: 20.084 (+22 % zum Vorjahr)
- Freiwillige Ausreisen: 33.400 (mit Grenzübertrittsbescheinigung)
- Ausreisepflichtige: 220.808 (davon 178.500 mit Duldung)
- Von den rund 220.808 Ausreisepflichtigen waren nur etwa 42.300 (19 %) unmittelbar ausreisepflichtig – der Rest besitzt eine Duldung, meist weil eine Abschiebung aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht möglich ist (z. B. fehlende Papiere, Krankheit, Situation im Herkunftsland).
- 2024 scheiterten 33.717 Abschiebeversuche (Misserfolgsquote 61,6 %). Häufige Gründe: Die Person wurde nicht angetroffen, fehlende Reisedokumente oder medizinische Hindernisse.
Integration: Sprache & Bildung
Die vom BAMF geförderten Integrationskurse sind das zentrale Instrument der sprachlichen Integration. 2024 nahmen rund 360.000 Personen neu an Integrationskursen teil. Die OECD bewertet das deutsche Integrationskurssystem im internationalen Vergleich als effektiv.
Deutsch-Test für Zuwanderer – Ergebnisse 2024
| Sprachniveau | Anteil | Bedeutung |
|---|
| B1 (Fortgeschritten) | 56 % | Selbstständige Sprachverwendung |
| A2 (Grundlagen) | 32 % | Elementare Sprachverwendung |
| Unter A2 | 12 % | Nicht bestanden |
- Über 88 % der Integrationskursteilnehmer erreichen mindestens das Niveau A2, mehr als die Hälfte sogar B1. Die Kurse ermöglichen damit den Einstieg in Arbeitsmarkt und Alltagsleben.
Die Wartezeiten für Integrationskurse haben sich durch die Budgetkürzungen 2025 verlängert. Experten warnen, dass Kürzungen bei Sprachkursen die Arbeitsmarktintegration verzögern und langfristig höhere Kosten verursachen.
Einbürgerungen
2024 wurden in Deutschland 291.955 Einbürgerungen vollzogen – ein absoluter Rekord seit Einführung der Statistik im Jahr 2000 und ein Anstieg von 46 % gegenüber dem Vorjahr. Hauptgrund war die Reform des Staatsangehörigkeitsrechts, die im Juni 2024 in Kraft trat: Der Mindestaufenthalt wurde von 8 auf 5 Jahre gesenkt, bei besonderer Integration auf 3 Jahre, und die doppelte Staatsbürgerschaft wurde generell erlaubt.
Hinweis: Einbürgerungen in Deutschland pro Jahr
- 2020: 109880 Einbürgerungen
- 2021: 131600 Einbürgerungen
- 2022: 168500 Einbürgerungen
- 2023: 200095 Einbürgerungen
- 2024: 291955 Einbürgerungen
Häufigste Herkunftsländer bei Einbürgerungen 2024
| Herkunftsland | Einbürgerungen | Anteil |
|---|
| Syrien | 83.150 | 28 % |
| Türkei | 22.525 | 8 % |
| Irak | 13.545 | 5 % |
| Russland | 12.980 | 4 % |
| Afghanistan | 10.085 | 3 % |
- Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer bei Einbürgerung lag 2024 bei 11,8 Jahren. Einbürgerung ist also das Ergebnis eines langen Integrationsprozesses, nicht eines schnellen Durchlaufens.
Art. 16 Abs. 1 Grundgesetz schützt vor willkürlichem Entzug der deutschen Staatsangehörigkeit: ‚Die deutsche Staatsangehörigkeit darf nicht entzogen werden. Der Verlust darf nur auf Grund eines Gesetzes und gegen den Willen des Betroffenen nur dann eintreten, wenn der Betroffene dadurch nicht staatenlos wird.‘ Dieser Schutz ist eine direkte Lehre aus den Massenausbürgerungen im Nationalsozialismus. Eng begrenzte Verlust-Tatbestände existieren nur bei Doppelstaatlern, etwa bei Beteiligung an einer Terrororganisation im Ausland — generelle Aberkennung bei Straftaten ist verfassungsrechtlich ausgeschlossen.
Reguläre Arbeitsmigration & Fachkräfteeinwanderung
Neben der Fluchtmigration gibt es die reguläre Arbeitsmigration: Menschen, die gezielt zur Erwerbstätigkeit nach Deutschland kommen. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz (FEG), zuletzt novelliert 2023, soll den Zugang für qualifizierte Arbeitskräfte aus Drittstaaten erleichtern. Die öffentliche Debatte vermischt häufig Fluchtmigration und Arbeitsmigration, obwohl es sich um völlig unterschiedliche Zuwanderungskanäle handelt.
- Deutschland konkurriert international um Fachkräfte. Während die Asylzahlen 2025 um über 50 % gesunken sind, bleibt der Bedarf an qualifizierter Zuwanderung unverändert hoch: Bis Mitte der 2030er sinkt die Zahl der Erwerbsfähigen um 3,2 Millionen.
Die Unterscheidung ist wichtig: Wer Asylmigration begrenzen will, muss gleichzeitig reguläre Arbeitsmigration attraktiver machen – sonst verschärft sich der Fachkräftemangel. Beides gegeneinander auszuspielen geht an der Realität vorbei.
Herkunftsländer & Fluchtursachen
Die Herkunftsländer der Asylsuchenden spiegeln die globalen Krisenherde wider. 2025 kamen die meisten Erstantragsteller aus Afghanistan (23.972), Syrien (23.256) und der Türkei (11.919). Die Fluchtursachen reichen von Bürgerkrieg und politischer Verfolgung über Unterdrückung ethnischer und religiöser Minderheiten bis zu Naturkatastrophen und wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit.
Hinweis: Asylerstanträge 2025 nach Herkunftsland (Top 5)
- Afghanistan: 23972 Erstanträge
- Syrien: 23256 Erstanträge
- Türkei: 11919 Erstanträge
- Irak: 5800 Erstanträge
- Iran: 4200 Erstanträge
- Der starke Rückgang syrischer Anträge im Vergleich zu Vorjahren hängt u. a. mit veränderten Fluchtrouten und EU-Abkommen zusammen. Ob der Rückgang anhält, hängt von der Entwicklung in den Herkunftsregionen und der europäischen Migrationspolitik ab.
Sprache & Konzepte: Wie über Migration geredet wird
Begriffe verschieben, was politisch sagbar ist. ‚Remigration‘ stammt ursprünglich aus der Migrations- und Exilforschung und meinte dort überwiegend freiwillige Rückkehr — etwa von Jüdinnen und Juden aus dem Exil nach 1945. Die Sprachkritische Aktion ‚Unwort des Jahres‘ wählte den Begriff 2023 zum Unwort, weil er in der politischen Verwendung der Identitären Bewegung, rechter Parteien und weiter rechter Kreise zum euphemistischen Tarnbegriff für Forderungen nach erzwungener Ausweisung bis hin zu Massendeportationen geworden ist.
- Am 25. November 2023 trafen sich in einer Potsdamer Villa Vertreter rechtsextremer Netzwerke, AfD-Funktionäre und Geldgeber. Martin Sellner (Identitäre Bewegung) skizzierte einen ‚Remigrations‘-Plan, der drei Gruppen umfasste: Asylsuchende, Ausländer mit Bleiberecht und ‚nicht assimilierte Staatsbürger‘ — also auch deutsche Staatsangehörige mit Migrationsgeschichte. Die Recherche wurde von CORRECTIV im Januar 2024 veröffentlicht; einzelne Formulierungen wurden später gerichtlich untersagt, der zentrale Befund zur Einbeziehung von Staatsbürgern aber bestätigt (LG Hamburg, Dezember 2025).
Eng damit verknüpft ist die Erzählung vom ‚großen Austausch‘. Der französische Publizist Renaud Camus prägte den Begriff in einem Vortrag in Lunel am 26. November 2010 und in seinem 2011 erschienenen Buch ‚Le grand remplacement‘ — die These eines ‚von Eliten gesteuerten Bevölkerungsaustausches‘. Die Bundeszentrale für politische Bildung ordnet ihn klar als Verschwörungserzählung ohne empirische Basis ein, die in der extremen Rechten häufig mit antisemitischen Stereotypen verbunden wird (‚geheime Eliten‘). Die Identitäre Bewegung Deutschlands trägt diese Erzählung seit 2013 in den öffentlichen Diskurs und ist vom Bundesamt für Verfassungsschutz seit Juli 2019 als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft.
- Empirisch gegen den ‚Austausch‘-Mythos: Die Gesamtbevölkerung in Deutschland wächst nicht durch ‚Ersetzung‘, sondern schrumpft bei den Erwerbsfähigen — bis Mitte der 2030er Jahre laut Destatis um rund 3,2 Millionen, selbst bei hoher Nettozuwanderung. Es wird niemand ‚ersetzt‘; es fehlen Menschen.
Historischer Kontext: Migration in Deutschland
Migration ist in Deutschland kein neues Phänomen. Seit den 1950er Jahren hat das Land mehrere große Zuwanderungswellen erlebt, die jeweils von Debatten über Integration begleitet wurden – und deren Ergebnisse heute oft als selbstverständlich gelten.
Hinweis: Meilensteine der Migration nach Deutschland
- 1955–1973: Gastarbeiter-Anwerbung (Millionen Arbeitskräfte aus Italien, Türkei, Jugoslawien u. a.)
- 1988–1995: Aussiedler & Spätaussiedler (Über 2,5 Mio. Deutschstämmige aus Osteuropa/GUS)
- 1992: Asylkompromiss (Änderung Art. 16 GG nach 438.000 Asylanträgen)
- 2015–2016: Fluchtbewegung (Über 1,1 Mio. Asylerstanträge in zwei Jahren)
- 2022: Ukraine-Flucht (Über 1 Mio. Ukrainer:innen aufgenommen (kein Asylverfahren))
- 2025: Deutlicher Rückgang (113.236 Erstanträge – niedrigster Stand seit 2020)
- Die Nachkommen der Gastarbeiter der 1960er Jahre sind heute ein fester Bestandteil der deutschen Gesellschaft und Wirtschaft. Integration ist ein Generationenprojekt – das zeigt sich auch bei der aktuellen Fluchtmigration.