Die bislang größte deutsche Studie (Universität Münster, 45 Organisationen, 2024) deutet in eine andere Richtung: Umsatz und Gewinn blieben stabil, Stress und Gesundheit verbesserten sich, und mehr als 70 % der teilnehmenden Organisationen wollten das Modell fortführen. Eine große britische Studie kam zu ähnlichen Ergebnissen, mit 65 % weniger Krankheitstagen. Fairerweise: Die Teilnehmer waren freiwillig dabei und meist motiviert, und in Schichtbetrieben oder der Pflege lässt sich das nicht eins zu eins übertragen. Eine ‚Ruinierung' der Wirtschaft zeigen die Daten aber nicht.
Was hinter der Parole steckt: Die Parole erklärt ein Arbeitszeitmodell vorab für gescheitert (‚Spinnerei'), ohne die vorliegenden Ergebnisse anzusehen, und unterstellt einen Automatismus weniger Tage = weniger Leistung, den die Studien gerade nicht zeigen.
Am Tisch nützlich – Gegenfragen:
- „Wenn Produktivität und Umsatz stabil bleiben — woran genau scheitert die Wirtschaft dann?"
- „Ist die Zahl der Arbeitstage entscheidend oder das Ergebnis am Ende der Woche?"
- „Würdest du ein Modell ablehnen, das den Krankenstand senkt und Beschäftigte hält?"
Stichworte: Vier-Tage-Woche, 4-Tage-Woche, Wirtschaft, Spinnerei, weniger arbeiten
Fakten dazu
Vier-Tage-Woche: weniger Tage, gleiche Leistung?
Auch kürzere Arbeitswochen stehen unter dem Verdacht, die Wirtschaft zu schwächen. Die bisher größte deutsche Studie (Universität Münster, 45 Organisationen, Februar bis September 2024) fand das Gegenteil: Umsatz und Gewinn unterschieden sich nicht signifikant vom Vorjahr — blieben also im Kern stabil —, die Beschäftigten berichteten von weniger Stress und besserer Gesundheit, und mehr als 70 % der teilnehmenden Organisationen wollten die Vier-Tage-Woche fortführen.
Hinweis: Ergebnisse zweier Vier-Tage-Woche-Pilotprojekte
- Deutschland (2024, 45 Orgs.)
- Umsatz/Gewinn: stabil
- Stress/Gesundheit: verbessert
- Fortführung geplant: >70 % der Orgs.
- UK (2022, 61 Orgs.)
- Umsatz: nahezu unverändert
- Krankheitstage: −65 %
- Beibehaltung danach: 92 % der Firmen
Solche Pilotprojekte sind freiwillig und selbstselektiv — teilnehmende Firmen sind oft besonders motiviert, und die Ergebnisse lassen sich nicht eins zu eins auf Schichtbetriebe, Pflege oder Industrie übertragen. Sie widerlegen aber die pauschale Annahme, weniger Arbeitstage bedeuteten zwangsläufig weniger Leistung.