Die Gen Z und die Arbeitsmoral
Ein häufig geäußerter Vorwurf besagt, die Generation Z sei arbeitsscheu. Die Daten des IAB zeichnen ein anderes Bild: Die Erwerbsbeteiligung der 20- bis 24-Jährigen ist seit 2015 um rund 6 Prozentpunkte auf etwa 76 % gestiegen — der höchste Stand seit Jahrzehnten. Der Anstieg der Teilzeit in dieser Gruppe hängt laut IAB zu großen Teilen mit mehr erwerbstätigen Studierenden zusammen: Deren Erwerbsquote stieg von 36,7 % auf 56,0 %.
Hinweis: Erwerbsverhalten der 20- bis 24-Jährigen (2015 → 2023)
- Erwerbsbeteiligung gesamt
- 2015: ca. 70 %
- 2023: ~76 %
- Erwerbsquote Studierende
- 2015: 36,7 %
- 2023: 56,0 %
Rechnet man den gestiegenen Studierendenanteil heraus, unterscheidet sich die gewünschte Arbeitszeit junger Menschen laut IAB kaum von der älterer Altersgruppen. Junge Beschäftigte wechseln auch nicht häufiger den Job als früher. Dass sie andere Erwartungen an Arbeit haben — flexible Zeiten, Homeoffice, Sinn — bedeutet nicht, dass sie weniger arbeiten wollen.
Wunsch und Wirklichkeit der Arbeitszeit
Die gewünschte Arbeitszeit ist in Deutschland seit 2007 in allen Altersgruppen gesunken — nicht nur bei den Jungen. Laut Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ging der Wunsch bei Unter-25-Jährigen, bei 26- bis 40-Jährigen und bei Über-40-Jährigen jeweils um rund zwei bis drei Wochenstunden zurück. Der stärkste Rückgang zeigte sich bei Beschäftigten mit niedrigen Stundenlöhnen — ein Hinweis darauf, dass dahinter oft finanzielle und strukturelle Gründe stehen, nicht reine Bequemlichkeit.
Hinweis: Durchschnittlich gewünschte Wochenarbeitszeit (2021)
- Frauen
- Gewünschte Stunden/Woche: ~29,5 h
- Männer
- Gewünschte Stunden/Woche: ~35,4 h
Wunsch und tatsächliche Arbeitszeit klaffen dabei in beide Richtungen auseinander: Viele Vollzeitbeschäftigte würden gern etwas kürzer treten, während ein erheblicher Teil der Teilzeitbeschäftigten — vor allem alleinstehende Frauen — gern aufstocken würde. Es gibt also nicht nur überarbeitete, sondern auch unterbeschäftigte Menschen. Die pauschale Erzählung ‚alle wollen weniger arbeiten' verdeckt dieses gegenläufige Muster.