Wenige Stunden — aber hohe Produktivität
Im internationalen Vergleich arbeiten Erwerbstätige in Deutschland tatsächlich wenig Stunden: Laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) waren es 2024 mit 1.331 Stunden pro Kopf die wenigsten aller OECD-Länder, weit unter dem OECD-Durchschnitt von 1.736 Stunden. Dieselbe Statistik zeigt aber die andere Seite: Pro geleisteter Stunde gehört Deutschland zu den produktivsten Volkswirtschaften — beim Bruttoinlandsprodukt je Arbeitsstunde lag es 2023 mit rund 94 US-Dollar (kaufkraftbereinigt) auf Rang 10 der OECD, deutlich über dem Schnitt von etwa 71 Dollar.
Hinweis: Durchschnittliche Jahresarbeitsstunden pro Erwerbstätigem (OECD, 2024)
- Deutschland: 1331 Std.
- Niederlande: 1445 Std.
- Frankreich: 1491 Std.
- Japan: 1617 Std.
- Italien: 1709 Std.
- OECD-Schnitt: 1736 Std.
- USA: 1796 Std.
Wer Arbeitsleistung an geleisteten Stunden misst, übersieht zudem die Überstunden: 2024 leisteten Beschäftigte in Deutschland rund 1,2 Milliarden Überstunden — davon 638 Millionen unbezahlt. Mehr als jede zweite Überstunde wurde also nicht vergütet. Das passt nicht zum Bild einer arbeitsunwilligen Gesellschaft.
- Produktivität je Stunde: Platz 10 (OECD, ~94 USD/Std. (2023))
- Überstunden gesamt: ~1,2 Mrd. (Stunden im Jahr 2024)
- davon unbezahlt: 638 Mio. (mehr als die Hälfte)
Das Gesamtarbeitsvolumen in Deutschland
Oft wird behauptet, Deutschland arbeite immer weniger. Laut der Arbeitszeitrechnung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) lag das Gesamtarbeitsvolumen 2025 bei 61,26 Milliarden Stunden — nur 0,2 % unter dem Vorjahr. Umgerechnet sind das 1.332 Stunden pro Erwerbstätigem. Der Pro-Kopf-Wert sinkt langfristig, gleichzeitig ist die Zahl der Erwerbstätigen mit 45,98 Millionen nahe einem Rekordhoch. In der Summe arbeitet Deutschland also ähnlich viel wie in den Vorjahren — die Arbeit verteilt sich nur auf mehr Köpfe mit jeweils etwas kürzeren Zeiten.
- Gesamtarbeitsvolumen: 61,26 Mrd. (Stunden im Jahr 2025 (−0,2 %))
- Erwerbstätige: 45,98 Mio. (nahe Rekordhoch)
- Teilzeitquote: 39,9 % (Höchststand (IAB-Definition))
Der Rückgang der Stunden pro Kopf ist real, aber ein langsamer Langfristtrend: Laut IAB-Reihe sank die durchschnittliche Jahresarbeitszeit pro Erwerbstätigem seit 1991 von rund 1.400 auf 1.332 Stunden. Getrieben wird das vor allem durch die Zunahme der Teilzeit — nicht durch eine sinkende Arbeitsbereitschaft der Einzelnen.