Der Kern stimmt für bestimmte Regionen: 33 Planungsbereiche gelten offiziell als unterversorgt, weitere 152 sind gefährdet – überwiegend im ländlichen Raum und vor allem bei Hausärzten. Deutschlandweit ist die absolute Ärztezahl aber mit 191.875 Ärztinnen und Ärzten in der vertragsärztlichen Versorgung 2025 ein Rekordhoch. Das Problem ist die ungleiche Verteilung: Zwischen dem am besten und am schlechtesten versorgten Landkreis liegt ein Faktor 4 bei der Ärztedichte.
Was hinter der Parole steckt: Die Parole macht aus einem realen, aber regionalen Problem ein absolutes ‚keine Ärzte mehr‘. Das übergeneralisiert: Bundesweit gibt es so viele Vertragsärzte wie nie, das Problem ist die Verteilung, nicht die Gesamtzahl. ‚Keine‘ ist zudem rhetorisch zugespitzt — auch in unterversorgten Kreisen gibt es Praxen, nur zu wenige.
Am Tisch nützlich – Gegenfragen:
- „Meinst du wirklich ‚keine‘ oder ‚zu wenige und mit langen Wartezeiten‘?"
- „Wenn die Ärztezahl bundesweit auf Rekordhoch ist, dein Landkreis aber unterversorgt: Ist das ein Mangel- oder ein Verteilungsproblem?"
- „Was würde mehr helfen — insgesamt mehr Ärzte ausbilden oder gezielt Anreize, aufs Land zu gehen?"
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Fakten dazu
Ärztemangel: Rekordzahlen und trotzdem Engpässe
Die absolute Zahl der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte ist so hoch wie nie – und trotzdem haben viele Regionen Versorgungsprobleme. Der Widerspruch erklärt sich durch Altersstruktur, Spezialisierung und regionale Verteilung.
- Vertragsärzte 2025: 191.875 (Rekordhoch, +1,2 % ggü. 2024 — aber mehr Teilzeit)
- Durchschnittsalter: 54 Jahre (33,7 % der Vertragsärzte sind 60 Jahre oder älter)
- Gebiete mit Unterversorgung: 33 (Planungsbereiche; plus 152 mit drohender Unterversorgung (Stand 2024))
- Zwischen dem am besten und dem am schlechtesten versorgten Landkreis liegt ein Faktor 4 bei der Ärztedichte. Die KBV prognostiziert für 2024–2026 jährlich rund 5.000 offene Stellen ohne Nachbesetzung – vor allem bei Hausärzten.
Ursache ist vor allem die Altersstruktur: Ein großer Teil der niedergelassenen Ärzte geht in den nächsten 10–15 Jahren in Rente, während der Nachwuchs zunehmend in Kliniken oder Teilzeit arbeitet statt eine eigene Praxis zu übernehmen. Besonders betroffen sind ländliche Regionen und der Hausarztbereich. Hinzu kommt ein Strukturwandel: 2025 arbeiteten mehr als 70.000 Vertragsärzte in Teilzeit. Die absolute Kopfzahl steigt, die tatsächlich verfügbare Behandlungszeit bleibt deshalb knapp.
Zwei-Klassen-Medizin: GKV vs. PKV
Ungleichheiten zeigen sich besonders bei Facharztterminen. Für viele gesetzlich Versicherte bleiben Wartezeiten und Terminvergabe ein spürbares Problem.
- Zu lange Facharzt-Wartezeit: 30 % (GKV-Versicherte empfinden ihre Wartezeit als zu lang (Selbstauskunft))
- Mehr als 30 Tage: 25 % (GKV-Versicherte warten nach eigener Angabe länger als 30 Tage auf einen Facharzttermin)
- Versichertenstruktur: 74,5 / 8,79 Mio. (GKV-Versicherte bzw. PKV-Vollversicherte (2025); PKV-Anteil ~10,6 %)
- Viele gesetzlich Versicherte berichten von spürbaren Nachteilen bei Facharztterminen. Das stützt die Diagnose, dass der Zugang zur Versorgung nicht für alle gleich leicht ist.
Rund 88 % der Bevölkerung sind gesetzlich und etwa 11 % privat versichert. Unterschiede bei Terminvergabe und Zugangswegen prägen deshalb die Debatte über Zwei-Klassen-Medizin stark.