Es kommt auf die Gruppe an: Erwerbsmigrant:innen sowie EU-Bürger:innen zahlen Beiträge wie alle anderen GKV-Mitglieder auch – und nehmen statistisch im Schnitt weniger Leistungen in Anspruch als die ältere inländische Bevölkerung, weil sie jünger und erwerbstätig sind. Für Asylsuchende gilt zunächst nur ein eingeschränkter Leistungsumfang (AsylbLG: akute Erkrankungen, Schmerzen, Schwangerschaft, Impfungen); erst nach 36 Monaten ist der Leistungsumfang deutlich erweitert. Punktuelle Mehrkosten bei der Erstversorgung Asylsuchender gibt es — sie tragen aber überwiegend Kommunen und Länder, nicht die GKV. Die Haupttreiber der Finanzierungsprobleme sind strukturell: steigende Ausgaben durch die alternde Bevölkerung, Überkapazitäten im Krankenhausbereich und zu wenig Prävention.
Was hinter der Parole steckt: Die Parole wirft sehr verschiedene Gruppen — erwerbstätige Beitragszahler, EU-Bürger, Asylsuchende — in einen Topf und macht sie zum Sündenbock für strukturelle Kostenprobleme. Das Muster lenkt von den eigentlichen Treibern ab (alternde Bevölkerung, Klinik-Überkapazitäten, zu wenig Prävention) und unterstellt eine Belastung, die die Beitragsbilanz dieser Gruppen nicht hergibt.
Am Tisch nützlich – Gegenfragen:
- „Wen genau meinst du — die Pflegekraft mit ausländischem Pass, die Beiträge zahlt, oder Asylsuchende mit eingeschränktem Leistungsanspruch?"
- „Wenn Erwerbsmigranten im Schnitt jünger sind und mehr einzahlen als sie abrufen — belasten sie das System dann oder stützen sie es?"
- „Was treibt die GKV-Ausgaben stärker: ein paar Prozent Zugewanderte oder die Alterung der gesamten Bevölkerung?"
Stichworte: ausländer, flüchtlinge, kosten, belastung, asyl, migranten
Fakten dazu
Was kostet unser Gesundheitssystem?
Deutschland gehört weltweit zu den Ländern mit den höchsten Gesundheitsausgaben.
Hinweis: Gesundheitsausgaben pro Kopf 2023 (kaufkraftbereinigt, USD)
- USA: 14775 USD
- Schweiz: 9900 USD
- Deutschland: 9365 USD
- Norwegen: 8200 USD
- OECD-Schnitt: 5967 USD
- GKV-Gesamtbeitrag: 17,5 % (14,6 % + 2,9 % Zusatzbeitrag (2026))
- GKV-Ausgaben 2025: 352,4 Mrd. € (Ist-Ausgaben (+7,8 % ggü. 2024))
- BIP-Anteil Gesundheit: 12,3 % (OECD-Schnitt: 9,3 % (Health at a Glance 2025))
Hinweis: GKV-Gesamtbeitragssatz seit 2015 (allgemeiner Beitrag + durchschnittlicher Zusatzbeitrag)
- 2015: 15.5 %
- 2018: 15.6 %
- 2020: 15.7 %
- 2022: 15.9 %
- 2024: 16.3 %
- 2025: 17.1 %
- 2026: 17.5 %
GKV-Beitrag bei zwei Beispiel-Gehältern (2026, 17,5 % Gesamtbeitrag; Schätzwerte für Steuerklasse I, kinderlos, ohne Kirchensteuer)
| Position | Mindestlohn (~2.220 € brutto) | Median (~3.000 € brutto) |
|---|
| AN-Anteil GKV (8,75 %) | 194 € | 263 € |
| AG-Anteil GKV (8,75 %) | 194 € | 263 € |
| GKV gesamt | 388 € | 525 € |
| + Pflegeversicherung AN | ~40 € | ~53 € |
| Abzug vom Brutto (AN gesamt) | ~234 € | ~316 € |
| verbleibend netto (ca.) | ~1.570 € | ~2.050 € |
Prävention: Geringer Anteil an den Gesamtausgaben
Das deutsche Gesundheitssystem konzentriert große Teile seiner Ausgaben auf Behandlung. Die Ausgaben für Prävention sind im Vergleich zu den Gesamtausgaben gering.
Hinweis: Gesundheitsausgaben nach Leistungsart 2023
- Pflege & Therapie: 155.1% (155,1 Mrd. EUR)
- Ärztliche Leistungen: 118.3% (118,3 Mrd. EUR)
- Arzneimittel: 77.9% (77,9 Mrd. EUR)
- Prävention: 24.8% (24,8 Mrd. EUR)
- Gesamt: Gesamtausgaben: 500,8 Mrd. EUR
- Nur 4,9 % der Gesundheitsausgaben (24,8 Mrd. von 500,8 Mrd. €) flossen 2023 in Prävention — 298 € je Einwohner. Der GKV-Anteil für Präventionsaktivitäten lag 2024 bei nur 686 Mio. €, also weniger als 0,2 % der GKV-Ausgaben.
Für viele Präventionsmaßnahmen – insbesondere Impfungen und Früherkennungsuntersuchungen – belegt die Forschung einen deutlich positiven Kosten-Nutzen-Effekt. Nicht jede Maßnahme ist gleich wirksam; der Return on Investment variiert je nach Intervention erheblich. Konsens besteht jedoch darin, dass insbesondere bei Volkskrankheiten wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen mehr Prävention mittel- bis langfristig Behandlungskosten senkt.