Richtig ist: Deutsche Beschäftigte melden sich mit über 20 Krankheitstagen im Jahr deutlich häufiger krank als der EU-Schnitt (rund 8 Tage), und die Lohnfortzahlung kostet Arbeitgeber laut IW rund 76,7 Mrd. Euro. Ein großer Teil des jüngsten Anstiegs ist aber ein Messeffekt: Seit der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsmeldung (2022/2023) werden Fälle lückenlos erfasst, die früher gar nicht in der Statistik auftauchten. ‚Krankfeiern‘ unterstellt zudem Absicht, wo Atemwegswellen, eine alternde Belegschaft und psychische Erkrankungen die Hauptursachen sind. Ob ein unbezahlter Karenztag hilft, ist offen — er kann Präsentismus fördern, also krankes Erscheinen, das Infektionen verbreitet und langfristig teurer wird.
Was hinter der Parole steckt: Die Parole deutet eine Statistik als Charakterfehler: Aus mehr gemeldeten Krankheitstagen wird ‚Krankfeiern‘, also bewusstes Drücken. Das unterschlägt den Messeffekt der elektronischen Krankmeldung und schiebt strukturelle Ursachen — Infektionswellen, Alter, psychische Belastung — den Beschäftigten als Faulheit in die Schuhe. Ein Einzelphänomen wird zum Pauschalurteil über alle.
Am Tisch nützlich – Gegenfragen:
- „Woher weißt du, dass die Leute ‚feiern‘ und nicht wirklich krank sind — was unterscheidet das für dich?"
- „Wenn seit 2023 jede Krankschreibung automatisch erfasst wird: Wie viel vom Anstieg ist echtes Mehr und wie viel bessere Statistik?"
- „Wie viel vom internationalen Unterschied erklärt sich durch andere Meldesysteme — weißt du, wie die EU-Nachbarn Krankheitstage zählen?"
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