Internationaler Vergleich
Im EU-Vergleich steht Deutschland bei der Gleichstellung gemischt da: hoher Lebensstandard und gute Bildung, aber einer der größten Gender Pay Gaps in der EU. Der unbereinigte Pay Gap von 16 % liegt deutlich über dem EU-Durchschnitt, der zwischen 2014 und 2024 von 16 % auf 11 % gesunken ist. Im WEF Global Gender Gap Report 2025 belegt Deutschland Platz 9 von 148 Ländern.
Unbereinigter Gender Pay Gap im EU-Vergleich (2024)
| Land | Pay Gap | Einordnung |
|---|
| Belgien | 1 % | Einer der niedrigsten in der EU |
| Polen / Rumänien | 4 % | Deutlich unter Durchschnitt |
| EU-Durchschnitt | 11 % | — |
| Deutschland | 16 % | Deutlich über Durchschnitt |
| Estland | 19 % | Höchster in der EU |
Hinweis: Gender Pay Gap – Deutschland vs. EU (2024)
- EU-Durchschnitt: 0 bis 11 %
- Deutschland: 0 bis 16 %
- Deutschland hat mit 16 % einen der höchsten Gender Pay Gaps in der EU, wo der Durchschnitt bei 11 % liegt. In Belgien beträgt die Lücke nur 1 %, in Luxemburg verdienen Frauen sogar rund 1 % mehr als Männer. Im WEF Global Gender Gap Report 2025 belegt Deutschland dennoch Platz 9, weil Bildung und Gesundheitsversorgung gut abschneiden. Die wirtschaftliche Teilhabe bleibt der größte Schwachpunkt.
Gender Pay Gap
Der Gender Pay Gap beschreibt den Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen. Man unterscheidet zwischen dem unbereinigten Wert (Durchschnitt aller Beschäftigten) und dem bereinigten Wert (bei gleicher Qualifikation, Tätigkeit und Arbeitszeit). Beide Kennzahlen sind aussagekräftig: Der unbereinigte Gap zeigt die tatsächliche Einkommenslücke, der bereinigte den Unterschied, der bei vergleichbarer Qualifikation, Tätigkeit und Arbeitszeit verbleibt — er gilt als Obergrenze für mögliche Diskriminierung, weil auch nicht erfasste Faktoren eine Rolle spielen können.
- Behauptung: Der Gender Pay Gap von 16 % bedeutet, dass Frauen für die gleiche Arbeit 16 % weniger bekommen.
Faktencheck: Die 16 % sind der unbereinigte Gap über alle Beschäftigten — er erfasst auch Unterschiede bei Beruf, Branche und Arbeitszeit. Bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit verbleibt ein bereinigter Gap von 6 %, der als Obergrenze möglicher Diskriminierung gilt. Beide Werte sind real, messen aber Unterschiedliches.
- Unbereinigter Pay Gap: 16 % (Durchschnittlicher Verdienstunterschied (2025))
- Bereinigter Pay Gap: 6 % (Bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit)
- Westdeutschland: 17 % (Unbereinigt – deutlich über Ost)
- Ostdeutschland: 5 % (Unbereinigt – historisch geringere Lücke)
Hinweis: Durchschnittlicher Bruttostundenverdienst (2025)
- Männer
- Stundenlohn: 27,05 €
- Hochrechnung (38 h/Woche, 52 Wochen): ~53.450 € brutto/Jahr
- Frauen
- Stundenlohn: 22,81 €
- Hochrechnung (38 h/Woche, 52 Wochen): ~45.080 € brutto/Jahr
Hinweis: Unbereinigter Gender Pay Gap in Deutschland
- 2006: 23 %
- 2008: 23 %
- 2010: 22 %
- 2012: 23 %
- 2014: 22 %
- 2016: 21 %
- 2018: 20 %
- 2020: 18 %
- 2022: 18 %
- 2024: 16 %
- 2025: 16 %
Branchen mit den größten Pay Gaps (unbereiningter GPG, 2024)
| Branche | Pay Gap |
|---|
| Finanz- und Versicherungsdienstleistungen | 25 % |
| Freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienste | 25 % |
| Verarbeitendes Gewerbe | 22 % |
| Gesundheits- und Sozialwesen | 19 % |
| Öffentliche Verwaltung | 8 % |
- Bei einer Vollzeitstelle mit 38 Wochenstunden ergibt der unbereinigte Pay Gap von 4,24 €/Stunde einen Gehaltsunterschied von rund 8.400 € brutto pro Jahr. In Ostdeutschland ist der Gap mit 5 % deutlich geringer als in Westdeutschland (17 %) — ein Erbe der höheren weiblichen Erwerbsbeteiligung in der DDR.