Männer haben in einigen Bereichen reale Nachteile, und die gehören ernst genommen: kürzere Lebenserwartung, höhere Suizidrate, oft weniger Zeit mit den Kindern nach Trennungen, und ab 2026 erhalten zunächst nur Männer einen verpflichtenden Wehrdienst-Fragebogen. Auch zeigt die LeSuBiA-Studie, dass Männer von psychischer Partnerschaftsgewalt häufiger betroffen sind als lange angenommen. Das ist aber kein Nullsummenspiel: Diese Probleme heben die systematische Benachteiligung von Frauen bei Einkommen, Rente, Vermögen und körperlicher Sicherheit nicht auf — Frauen tragen bei Gewalt das deutlich höhere Risiko schwerer Verletzungen und Tötung. Beides darf nebeneinander stehen, ohne gegeneinander aufgerechnet zu werden.
Was hinter der Parole steckt: Die Parole nutzt einen Whataboutism: Reale Männer-Nachteile werden angeführt, um die Frauen-Benachteiligung als erledigt darzustellen. Dahinter steckt ein Nullsummen-Denken — als ließe sich Benachteiligung nur einer Seite zuordnen. Tatsächlich können beide Befunde gleichzeitig wahr sein, ohne dass der eine den anderen aufwiegt.
Am Tisch nützlich – Gegenfragen:
- „Muss man die Nachteile von Männern und Frauen gegeneinander aufrechnen — oder kann man beide ernst nehmen?"
- „Welche konkrete Benachteiligung von Männern meinst du, und welche Zahl belegt sie?"
- „Wenn Männer in manchem benachteiligt sind: Hilft es ihnen, wenn man die Benachteiligung von Frauen kleinredet?"
Stichworte: Männer benachteiligt, Sorgerecht, Familienrecht, umgekehrt, Männer
Fakten dazu
Gewalt gegen Frauen
Gewalt gegen Frauen ist in Deutschland ein gravierendes Problem — und kein Randphänomen. Laut BKA-Lagebild 2024 wurden mehr als 265.000 Opfer häuslicher Gewalt erfasst, über 70 % davon weiblich. Die Dunkelziffer liegt deutlich höher.
- Opfer häuslicher Gewalt: 265.942 (Polizeilich erfasst (2024))
- Davon weiblich: 70,4 % (187.128 Frauen und Mädchen)
- Getötete Frauen: 132 (Durch Partner/Ex-Partner (2024))
- Anstieg 5 Jahre: +17,8 % (Häusliche Gewalt 2019 bis 2024)
Gewalt gegen Frauen – Überblick 2024
| Kategorie | Anzahl | Veränderung |
|---|
| Häusliche Gewalt gesamt | 265.942 Opfer | +3,8 % zu 2023 |
| Partnerschaftsgewalt | 171.069 Opfer | ~80 % weiblich |
| Getötete Frauen (Partnerschaft) | 132 | ~1 Frau alle 3 Tage |
| Sexualdelikte gegen Frauen | 53.451 Opfer | — |
| Digitale Gewalt in Partnerschaften | 4.876 Fälle | +10,9 % |
- Anzeigequote: unter 10 % (der Fälle werden polizeilich bekannt (LeSuBiA))
- Betroffene Frauen: 48,7 % (psychische Partnerschaftsgewalt im Leben (LeSuBiA))
- Tötungsdelikte (Partnerschaft): 308 (versuchte + vollendete an Frauen (2024))
- Sexualdelikte: 53.451 (weibliche Opfer von Sexualdelikten (2024))
- Alle drei Tage wird in Deutschland eine Frau durch ihren Partner oder Ex-Partner getötet. 2024 waren es 132 Frauen. Die LeSuBiA-Dunkelfeldstudie des BKA (2026) zeigt, warum die Hellfeld-Zahlen das Ausmaß unterschätzen: Die Anzeigequote liegt bei den meisten Gewaltformen unter 10 %, bei Partnerschaftsgewalt noch niedriger. Die 265.942 polizeilich erfassten Fälle sind also nur die Spitze des Eisbergs — fast jede zweite Frau (48,7 %) erlebt im Lauf ihres Lebens psychische Partnerschaftsgewalt.
Gender Pension Gap & Altersarmut
Der Gender Pension Gap ist die Rentenlücke zwischen Männern und Frauen. Er spiegelt die kumulierten Auswirkungen von Pay Gap, Care Gap und Teilzeitarbeit über ein ganzes Erwerbsleben wider. Bei den eigenen Rentenansprüchen — also ohne Hinterbliebenenrenten — beträgt die Lücke gut ein Drittel. Sie sinkt langsam, bleibt aber eine der größten in Europa.
- Gender Pension Gap: 24,2 % (Mit Hinterbliebenenrenten (2024))
- Ohne Hinterbliebenenrenten: 36,0 % (Eigene Rentenansprüche (2024))
- Westdeutschland: 40,8 % (Ohne Hinterbliebenenrenten)
- Ostdeutschland: 13,2 % (Ohne Hinterbliebenenrenten)
Hinweis: Durchschnittlicher monatlicher Rentenzahlbetrag (Altersrente)
- Männer
- Altersrente (Bestand): 1.405 €/Monat
- Jahreseinkommen: ~16.860 €
- Frauen
- Altersrente (Bestand): 955 €/Monat
- Jahreseinkommen: ~11.460 €
Armutsgefährdungsquote nach Geschlecht (65+)
| Altersgruppe | Frauen | Männer | Differenz |
|---|
| 65+ | 21,3 % | 17,3 % | +4,0 Pp. |
| 75+ | 21,3 % | 15,8 % | +5,5 Pp. |
Hinweis: Durchschnittliche Beitragsjahre zur Rentenversicherung (2024)
- Männer
- Beitragsjahre: 42 Jahre
- Frauen
- Beitragsjahre: 33 Jahre
Hinweis: Gender Pension Gap (mit Hinterbliebenenrenten)
- 2007: 43 %
- 2011: 38 %
- 2015: 34 %
- 2019: 30 %
- 2024: 24.2 %
- Frauen erhalten im Schnitt 450 € weniger Altersrente pro Monat als Männer — über 20 Rentenjahre summiert sich das auf über 100.000 €. Ein Hauptgrund: Frauen haben durchschnittlich nur 33 Beitragsjahre (Männer: 42) — 9 Jahre fehlen durch Care-Arbeit. Immerhin sinkt der Gap langsam: von 43 % (2007) auf 24,2 % (2024). Bei den eigenen Rentenansprüchen — ohne Hinterbliebenenrenten — bleibt er bei 36,0 %.