Für viele lokale Umweltprobleme stimmt das: Reiche Länder haben Luft- und Wasserverschmutzung deutlich reduziert, ärmere kämpfen noch damit. Beim CO₂ kehrt sich das Bild aber um. Pro Kopf emittieren gerade die reichen Länder am meisten — die USA 14,2 t, Deutschland 6,8 t, gegenüber Indien mit 2,0 t. Wohlstand hat bisher höhere, nicht niedrigere Treibhausgas-Emissionen bedeutet. ‚Erst wachsen, dann ans Klima denken' verlängert genau den fossilen Pfad, der das Problem verursacht — zumal sich Klimaschutz und Wachstum nicht ausschließen müssen.
Was hinter der Parole steckt: Die Parole verallgemeinert einen für lokale Schadstoffe gültigen Zusammenhang (Umwelt-Kuznets-Kurve) auf das CO₂ — wo er nicht gilt. Sie verwechselt sichtbare lokale Verschmutzung, die Wohlstand beseitigt, mit globalen Treibhausgasen, die mit Wohlstand bisher steigen.
Am Tisch nützlich – Gegenfragen:
- „Wenn Wohlstand automatisch die Umwelt schützt — warum emittieren die reichsten Länder pro Kopf am meisten CO₂?"
- „Gilt dein Argument für sichtbare lokale Verschmutzung (Luft, Wasser) genauso wie für unsichtbares CO₂?"
- „Müssen sich Wachstum und Klimaschutz ausschließen — oder lassen sie sich entkoppeln?"
Stichworte: wohlstand, wachstum, umweltschutz, kapitalismus, kuznets, reiche länder, pro kopf