Die Kriminalstatistik zeigt eine Überrepräsentation nichtdeutscher Tatverdächtiger — das ist real, erklärt sich laut BKA aber zu großen Teilen durch Alter, Geschlecht und soziale Lage: Tatverdächtige sind überall überproportional junge Männer in prekären Verhältnissen, unabhängig vom Pass. Zudem zählen ausländerrechtliche Verstöße mit, die nur Nichtdeutsche begehen können. Pauschal ‚die Ausländer‘ für Unsicherheit verantwortlich zu machen, blendet diese Faktoren aus — eine ausführliche Einordnung findest du im Thema Migration & Asyl.
Was hinter der Parole steckt: Die Parole nimmt eine Rohzahl (Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger) und blendet die Faktoren aus, die das BKA selbst nennt: Altersstruktur, Geschlecht, soziale Lage und mitgezählte ausländerrechtliche Delikte. Aus einer Korrelation wird so vorschnell eine Eigenschaft der Gruppe gemacht.
Am Tisch nützlich – Gegenfragen:
- „Vergleichst du Gruppen mit gleicher Alters- und Sozialstruktur — oder den Durchschnitt mit einer jungen, männlichen Teilgruppe?"
- „Ist dir bewusst, dass ausländerrechtliche Verstöße mitgezählt werden, die nur Nichtdeutsche begehen können?"
- „Was sagt die Staatsangehörigkeit über das Verhalten aus, wenn Alter und Lebenslage die eigentlichen Treiber sind?"
Stichworte: Ausländer, Migranten, Städte, unsicher, Kriminalität, Tatverdächtige
Fakten dazu
Gewaltkriminalität & Messerangriffe
Ein wichtiger Wahrheitskern: Während die Gesamtkriminalität langfristig sinkt, ist die Gewaltkriminalität real gestiegen. 2024 erreichte sie mit 217.277 Fällen den höchsten Stand seit Einführung der Kategorie 2007 (+1,5 % gegenüber 2023). Gleichzeitig macht Gewaltkriminalität rechnerisch nur rund 3,7 % aller 5,84 Mio. Straftaten aus — der Anstieg ist ernst zu nehmen, betrifft aber einen kleinen Teilbereich des Gesamtgeschehens.
- Gewaltdelikte 2024: 217.277 (+1,5 %, Höchststand seit 2007)
- Messerangriffe 2024: 29.014 (davon 54 % Gewalt, 43 % Bedrohung)
- Anteil an allen Straftaten: ~3,7 % (Gewaltkriminalität am Gesamtgeschehen)
Ausgewählte Gewaltdelikte 2023 vs. 2024
| Delikt | 2023 | 2024 | Veränderung |
|---|
| Gewaltkriminalität gesamt | 214.099 | 217.277 | +1,5 % |
| Gefährliche/schwere Körperverletzung | 154.541 | 158.177 | +2,4 % |
| Raub | 44.857 | 43.194 | −3,7 % |
| Gef./schw. KV mit Messer | 8.951 | 9.620 | +7,5 % |
- Das Bild ist nicht durchgängig ‚immer mehr Gewalt‘: Raubdelikte gingen 2024 um 3,7 % zurück. Messerangriffe werden zudem erst seit 2024 deliktübergreifend gesondert ausgewiesen — ein belastbarer Vorjahresvergleich der Gesamtzahl existiert deshalb noch nicht, nur für Teilgrößen wie die Körperverletzung.
Regionaler Vergleich: Stadt, Land, Ost & West
Wo ist es am unsichersten? Die Kriminalitätshäufigkeit unterscheidet sich stark nach Region — aber anders, als es manche Wahlkampferzählung nahelegt. Die höchsten Häufigkeitszahlen haben durchweg die Stadtstaaten Bremen, Berlin und Hamburg, nicht der Osten. Großstädte haben strukturell höhere Werte: Pendler, Tourismus und eine andere Deliktstruktur treiben die Statistik. Ein fairer Vergleich stellt Großstadt gegen Großstadt, nicht Großstadt gegen Flächenland. Hinweis zur Vergleichbarkeit: Die Länderzahlen beruhen auf der aktuellen Bevölkerungsbasis (Zensus 2022); die bundesweite Häufigkeitszahl liegt dadurch bei 6.995 statt der 6.894 aus der älteren Langzeitreihe (Zensus 2011).
Hinweis: Straftaten je 100.000 Einwohner nach Bundesland (PKS 2024, Basis Zensus 2022)
- Bremen: 14998 pro 100.000 EW
- Berlin: 14719 pro 100.000 EW
- Hamburg: 12147 pro 100.000 EW
- Sachsen-Anhalt: 8588 pro 100.000 EW
- Bund gesamt: 6995 pro 100.000 EW
- Meckl.-Vorp.: 6878 pro 100.000 EW
- Bayern: 4726 pro 100.000 EW
- Kein pauschaler Ost-West-Graben: Unter den Flächenländern liegt nur Sachsen-Anhalt (8.588) klar über dem Bundesschnitt (6.995). Mecklenburg-Vorpommern liegt mit 6.878 sogar darunter, ebenso wie die sichersten Länder Bayern (4.726) und Baden-Württemberg (5.230). Die Spannweite innerhalb Westdeutschlands ist größer als der Unterschied zwischen Ost und West.
- Und die Entwicklung zeigt nicht überall nach oben: 2024 gingen die Fallzahlen in Mecklenburg-Vorpommern (−2,7 %) und Sachsen-Anhalt (−5,0 %) zurück, in Berlin blieben sie nahezu stabil (+0,4 %).