Tatsächlich liegt die Gesamtkriminalität heute unter dem Niveau der 1990er: 2024 zählte die PKS 5,84 Mio. Straftaten — rund 1,7 % weniger als 2023 und klar unter dem Höchststand von 1993 (6,75 Mio.). Richtig ist: Die Gewaltkriminalität ist real gestiegen und 2024 auf einem Hoch. Aber sie macht nur etwa 3,7 % aller Straftaten aus. ‚Explodiert‘ trifft auf das Gesamtbild nicht zu — die Lage ist differenziert, nicht dramatisch.
Was hinter der Parole steckt: Die Parole überträgt einen realen Anstieg im Teilbereich Gewalt (3,7 % aller Taten) auf das gesamte Kriminalitätsgeschehen und verstärkt ihn mit Dramatisierungs-Sprache (‚explodiert‘). Wer einen kleinen Ausschnitt zum Gesamtbild erklärt, betreibt Rosinenpicken — die Gesamtkriminalität liegt klar unter den 1990ern.
Am Tisch nützlich – Gegenfragen:
- „Meinst du die Gesamtkriminalität oder einen bestimmten Bereich wie Gewaltdelikte?"
- „Weißt du, wie hoch die Kriminalität pro Kopf in den 1990ern war im Vergleich zu heute?"
- „Wenn 2024 weniger Straftaten registriert wurden als 2023 — passt das zu ‚explodiert‘?"
Stichworte: Kriminalität, explodiert, unsicherer, immer mehr, Straftaten, Statistik
Fakten dazu
Kriminalität im Langzeittrend
Das Gefühl, Deutschland werde ‚immer unsicherer‘, hält dem Langzeitvergleich nicht stand. Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) des BKA erfasst seit Jahrzehnten alle polizeilich bekannt gewordenen Straftaten. 2024 wurden 5.837.445 Straftaten registriert — rund 1,7 % weniger als 2023 und deutlich unter dem Höchststand der 1990er Jahre. Gemessen an der Häufigkeitszahl (Straftaten pro 100.000 Einwohner) liegt das heutige Niveau klar unter dem von 1993 oder 2004.
Hinweis: Häufigkeitszahl: erfasste Straftaten pro 100.000 Einwohner
- 1993: 8337 pro 100.000 EW
- 2004: 8037 pro 100.000 EW
- 2014: 7530 pro 100.000 EW
- 2019: 6548 pro 100.000 EW
- 2021: 6070 pro 100.000 EW
- 2022: 6762 pro 100.000 EW
- 2023: 7042 pro 100.000 EW
- 2024: 6894 pro 100.000 EW
Straftaten insgesamt im Langzeitvergleich (barrierefreie Datenansicht)
| Jahr | Erfasste Fälle | Häufigkeitszahl |
|---|
| 1993 | 6.750.613 | 8.337 |
| 2004 | 6.633.156 | 8.037 |
| 2019 | 5.436.401 | 6.548 |
| 2021 (Corona-Tief) | 5.047.860 | 6.070 |
| 2023 | 5.940.667 | 7.042 |
| 2024 | 5.837.445 | 6.894 |
- Der absolute Höchststand der Kriminalität im wiedervereinigten Deutschland war 1993 mit 6,75 Mio. Straftaten — nicht heute. Das Niveau 2021 war durch Corona-Maßnahmen besonders niedrig, der Anstieg 2022/2023 ist teils ein Nachholeffekt. 2024 sanken die Zahlen wieder.
Gewaltkriminalität & Messerangriffe
Ein wichtiger Wahrheitskern: Während die Gesamtkriminalität langfristig sinkt, ist die Gewaltkriminalität real gestiegen. 2024 erreichte sie mit 217.277 Fällen den höchsten Stand seit Einführung der Kategorie 2007 (+1,5 % gegenüber 2023). Gleichzeitig macht Gewaltkriminalität rechnerisch nur rund 3,7 % aller 5,84 Mio. Straftaten aus — der Anstieg ist ernst zu nehmen, betrifft aber einen kleinen Teilbereich des Gesamtgeschehens.
- Gewaltdelikte 2024: 217.277 (+1,5 %, Höchststand seit 2007)
- Messerangriffe 2024: 29.014 (davon 54 % Gewalt, 43 % Bedrohung)
- Anteil an allen Straftaten: ~3,7 % (Gewaltkriminalität am Gesamtgeschehen)
Ausgewählte Gewaltdelikte 2023 vs. 2024
| Delikt | 2023 | 2024 | Veränderung |
|---|
| Gewaltkriminalität gesamt | 214.099 | 217.277 | +1,5 % |
| Gefährliche/schwere Körperverletzung | 154.541 | 158.177 | +2,4 % |
| Raub | 44.857 | 43.194 | −3,7 % |
| Gef./schw. KV mit Messer | 8.951 | 9.620 | +7,5 % |
- Das Bild ist nicht durchgängig ‚immer mehr Gewalt‘: Raubdelikte gingen 2024 um 3,7 % zurück. Messerangriffe werden zudem erst seit 2024 deliktübergreifend gesondert ausgewiesen — ein belastbarer Vorjahresvergleich der Gesamtzahl existiert deshalb noch nicht, nur für Teilgrößen wie die Körperverletzung.