Tatsächlich liegt die Gesamtkriminalität heute unter dem Niveau der 1990er und sinkt seit zwei Jahren: 2025 zählte die PKS 5,51 Mio. Straftaten — rund 5,6 % weniger als 2024 und klar unter dem Höchststand von 1993 (6,75 Mio.). Richtig ist: Die Gewaltkriminalität war bis 2024 real gestiegen und erreichte damals ein Hoch. 2025 ging aber auch sie erstmals seit 2021 zurück (−2,3 %) und macht weiterhin nur etwa 3,9 % aller Straftaten aus. ‚Explodiert‘ trifft auf das Gesamtbild nicht zu — die Lage ist differenziert, nicht dramatisch.
Was hinter der Parole steckt: Die Parole überträgt einen früheren Anstieg im Teilbereich Gewalt (rund 3,9 % aller Taten) auf das gesamte Kriminalitätsgeschehen und verstärkt ihn mit Dramatisierungs-Sprache (‚explodiert‘). Wer einen kleinen, zuletzt sogar rückläufigen Ausschnitt zum Gesamtbild erklärt, betreibt Rosinenpicken — die Gesamtkriminalität liegt klar unter den 1990ern.
Am Tisch nützlich – Gegenfragen:
- „Meinst du die Gesamtkriminalität oder einen bestimmten Bereich wie Gewaltdelikte?"
- „Weißt du, wie hoch die Kriminalität pro Kopf in den 1990ern war im Vergleich zu heute?"
- „Wenn 2025 zum zweiten Mal in Folge weniger Straftaten registriert wurden als im Vorjahr — passt das zu ‚explodiert‘?"
Stichworte: Kriminalität, explodiert, unsicherer, immer mehr, Straftaten, Statistik
Fakten dazu
Kriminalität im Langzeittrend
Das Gefühl, Deutschland werde ‚immer unsicherer‘, hält dem Langzeitvergleich nicht stand. Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) des BKA erfasst seit Jahrzehnten alle polizeilich bekannt gewordenen Straftaten. 2025 wurden 5.508.559 Straftaten registriert — ein weiteres Minus von 5,6 % gegenüber 2024 und damit der zweite Rückgang in Folge, deutlich unter dem Höchststand der 1990er Jahre. Gemessen an der Häufigkeitszahl (Straftaten pro 100.000 Einwohner) lag bereits das Niveau von 2024 klar unter dem von 1993 oder 2004.
Hinweis: Häufigkeitszahl: erfasste Straftaten pro 100.000 Einwohner
- 1993: 8337 pro 100.000 EW
- 2004: 8037 pro 100.000 EW
- 2014: 7530 pro 100.000 EW
- 2019: 6548 pro 100.000 EW
- 2021: 6070 pro 100.000 EW
- 2022: 6762 pro 100.000 EW
- 2023: 7042 pro 100.000 EW
- 2024: 6894 pro 100.000 EW
Straftaten insgesamt im Langzeitvergleich (barrierefreie Datenansicht)
| Jahr | Erfasste Fälle | Häufigkeitszahl |
|---|
| 1993 | 6.750.613 | 8.337 |
| 2004 | 6.633.156 | 8.037 |
| 2019 | 5.436.401 | 6.548 |
| 2021 (Corona-Tief) | 5.047.860 | 6.070 |
| 2023 | 5.940.667 | 7.042 |
| 2024 | 5.837.445 | 6.894 |
- Der absolute Höchststand der Kriminalität im wiedervereinigten Deutschland war 1993 mit 6,75 Mio. Straftaten — nicht heute. Das Niveau 2021 war durch Corona-Maßnahmen besonders niedrig, der Anstieg 2022/2023 ist teils ein Nachholeffekt. 2024 und 2025 sanken die Zahlen zwei Jahre in Folge, zuletzt auf 5,51 Mio. Straftaten.
Gewaltkriminalität & Messerangriffe
Ein wichtiger Wahrheitskern: Die Gewaltkriminalität war über Jahre real gestiegen und erreichte 2024 mit 217.277 Fällen den höchsten Stand seit Einführung der Kategorie 2007 (+1,5 % gegenüber 2023). 2025 kehrte sich dieser Trend erstmals seit 2021 um: Die Gewaltkriminalität sank auf 212.335 Fälle (−2,3 %). Sie macht damit weiterhin rechnerisch nur rund 3,9 % aller 5,51 Mio. Straftaten 2025 aus — ernst zu nehmen, aber ein kleiner Teilbereich des Gesamtgeschehens, der sich zuletzt sogar leicht entspannt hat.
- Gewaltdelikte 2025: 212.335 (−2,3 %, erster Rückgang seit 2021)
- Messerangriffe 2025: 29.243 (+0,8 % — nahezu unverändert zu 2024)
Hinweis: Anteil der Gewaltkriminalität an allen Straftaten (PKS 2025)
- 4 von 100: Straftaten 2025 waren Gewaltdelikte — der weit überwiegende Rest sind Eigentums- und Vermögensdelikte.
Ausgewählte Gewaltdelikte 2023 vs. 2024
| Delikt | 2023 | 2024 | Veränderung |
|---|
| Gewaltkriminalität gesamt | 214.099 | 217.277 | +1,5 % |
| Gefährliche/schwere Körperverletzung | 154.541 | 158.177 | +2,4 % |
| Raub | 44.857 | 43.194 | −3,7 % |
| Gef./schw. KV mit Messer | 8.951 | 9.620 | +7,5 % |
- Das Bild ist nicht durchgängig ‚immer mehr Gewalt‘: Raubdelikte gingen 2024 um 3,7 % zurück. Bei den Messerangriffen zeigt sich 2025 ein gemischtes Bild: Die Gesamtzahl blieb mit 29.243 Fällen nahezu stabil (+0,8 %), während die Messerangriffe im engeren Kontext der Gewaltkriminalität auf 14.787 Fälle sanken (−6,1 %) — ein Hinweis darauf, dass sich auch dieser Teilbereich zuletzt eher entspannt als verschärft hat.