Ein wahrer Kern: Laut einer repräsentativen SVR-Umfrage werden als ausländisch wahrgenommene Menschen etwa doppelt so häufig polizeilich kontrolliert wie andere (8,3 % vs. 4,4 %) — ein Indiz für Racial Profiling, das Tatverdächtigenzahlen bei bestimmten Deliktarten tatsächlich nach oben verzerren kann. Die Kriminalstatistik deshalb komplett als bedeutungslos abzutun, geht aber zu weit: Kontrollintensität wirkt vor allem bei sogenannten Kontrolldelikten wie Drogendelikten, die meisten anderen Straftaten werden über Anzeigen der Bevölkerung erfasst — und selbst die Studienautoren können Faktoren wie Wohnortverteilung nicht vollständig herausrechnen. Verzerrung durch Kontrollintensität und reales Kriminalitätsgeschehen schließen sich nicht aus — beides prägt das Bild.
Was hinter der Parole steckt: Die Parole nimmt einen gut belegten Befund (ungleiche Kontrollhäufigkeit) und generalisiert ihn zu einer kompletten Entwertung der Statistik. Das übersieht, dass ein Großteil der erfassten Fälle nicht aus Kontrollen, sondern aus Anzeigen von Betroffenen stammt — Kontrollintensität ist ein realer Verzerrungsfaktor, aber nicht der einzige.
Am Tisch nützlich – Gegenfragen:
- „Meinst du alle erfassten Straftaten oder speziell die, die durch proaktive Polizeikontrollen entdeckt werden?"
- „Woher, schätzt du, stammt der Großteil der erfassten Fälle — aus Kontrollen oder aus Anzeigen der Betroffenen?"
- „Wenn beides zutrifft — reale Kontrollunterschiede und reale Kriminalität — was folgt daraus für den Umgang mit der Statistik?"
Stichworte: Kriminalstatistik, Racial Profiling, Kontrollen, verzerrt, Migranten, Polizei