Die Konzentration ist hoch — aber ‚alles' besitzt das oberste Prozent nicht, und ‚nichts machen' folgt daraus erst recht nicht. Das reichste 1 % hält je nach Schätzung rund ein Drittel des Vermögens, nicht alles; das Vermögen der reichsten 100 hat sich seit 2001 fast verdreifacht. Gerade weil Konzentration politisch gestaltbar ist — über Steuer-, Erbschafts- und Bildungspolitik — ist Resignation unbegründet. Der Befund stimmt also im Kern, die Schlussfolgerung ‚da kann man nichts machen' aber nicht.
Was hinter der Parole steckt: Resignations-Schluss: Aus einem realen Befund (hohe Konzentration) wird mit ‚da kann man nichts machen' politische Untätigkeit abgeleitet. Die Übertreibung ‚besitzt alles' verstärkt das Ohnmachtsgefühl, obwohl Verteilung gestaltbar ist.
Am Tisch nützlich – Gegenfragen:
- „‚Alles' oder rund ein Drittel — welcher Anteil stimmt, und macht das einen Unterschied?"
- „Wenn andere Länder weniger Konzentration haben: Warum sollte sie unveränderlich sein?"
- „Was folgt aus ‚kann man nichts machen' — und wem nützt diese Schlussfolgerung?"
Stichworte: ein Prozent, besitzt alles, kann man nichts machen, Konzentration, Superreiche
Fakten dazu
Die Schere: Einkommen und Vermögen im Zeitverlauf
Ob die Ungleichheit ‚immer weiter' auseinandergeht, lohnt eine Differenzierung: Bei den Einkommen ist die Ungleichheit seit den 1990ern gestiegen, allerdings schubweise und mit Phasen der Stagnation. Bei den Vermögen ist die Konzentration deutlich höher und wächst dynamischer als die Wirtschaft.
- Oberstes Zehntel: +35 % (verfügbares Realeinkommen 1991–2016)
- Unterstes Zehntel: stagniert (real eher gesunken im selben Zeitraum)
- Einkommensanteil oben: 23,3 % (des obersten Zehntels (2016, 1991: 20,5 %))
Hinweis: Gini-Koeffizient der verfügbaren Haushaltseinkommen (SOEP)
- 1999: 0.25
- 2005: 0.29
- 2009: 0.28
- 2016: 0.3
Hinweis: Vermögen der 100 reichsten Deutschen (Mrd. €)
- 2001: 263 Mrd. €
- 2024: 758 Mrd. €
- Während sich das Vermögen der 100 reichsten Deutschen seit 2001 fast verdreifacht hat (von 263 auf 758 Mrd. €), hat sich das Bruttoinlandsprodukt nur etwa verdoppelt. Die Konzentration an der Spitze wächst also schneller als die Wirtschaft.