Stiftungen und Spenden leisten viel — ersetzen den Sozialstaat aber nicht. Die 60 größten Stiftungen gaben 2024 rund 6,8 Milliarden Euro für gemeinnützige Zwecke aus; insgesamt gibt es über 26.000 Stiftungen, 89 % gemeinnützig. Zum Vergleich: Das Sozialbudget umfasst 1.345 Milliarden Euro — Stiftungsausgaben liegen im Promillebereich davon. Zudem sind Stiftungen steuerbegünstigt, gehen also teils zulasten öffentlicher Einnahmen, und der Stifter bestimmt den Zweck. Philanthropie ergänzt — staatliche Umverteilung ersetzt sie nicht.
Was hinter der Parole steckt: Anekdote schlägt Größenordnung: Sichtbare, sympathische Beispiele (Stiftungen, Spenden) werden als Ersatz für systematische Umverteilung dargestellt. Der Größenvergleich (Milliarden gegenüber über tausend Milliarden Sozialbudget) und die Steuerbegünstigung bleiben außen vor.
Am Tisch nützlich – Gegenfragen:
- „Wie verhalten sich 6,8 Mrd. € Stiftungsausgaben zu 1.345 Mrd. € Sozialbudget?"
- „Wer entscheidet bei Philanthropie über die Mittel — und wer bei Steuern?"
- „Würden freiwillige Spenden Renten, Gesundheit und Grundsicherung verlässlich finanzieren?"
Stichworte: Stiftungen, Spenden, Philanthropie, Mäzenatentum, zurückgeben
Fakten dazu
Philanthropie und Stiftungen: Geben Reiche zurück?
Stiftungen und Spenden tragen zum Gemeinwohl bei. Ob sie staatliche Umverteilung ersetzen können, ist eine Frage der Größenordnung — und der Steuersystematik, denn gemeinnützige Stiftungen sind steuerbegünstigt.
- Stiftungsausgaben: 6,8 Mrd. € (60 größte Stiftungen, 2024)
- Stiftungen: 26.349 (rechtsfähig, Ende 2024)
- gemeinnützig: 89 % (der rechtsfähigen Stiftungen)
- Die 60 größten Stiftungen gaben 2024 rund 6,8 Mrd. € für gemeinnützige Zwecke aus. Gemessen am Sozialbudget von 1.345 Mrd. € liegt das im Promillebereich. Philanthropie ergänzt den Sozialstaat also — sie ersetzt ihn nicht, zumal der Stifter den Zweck bestimmt und die Steuerbegünstigung teils zulasten öffentlicher Einnahmen geht.
Was Umverteilung tatsächlich bewirkt
Die Wirkung von Steuern und Sozialtransfers zeigt sich erst im Vergleich: Wie hoch wären Ungleichheit und Armut ohne staatliche Umverteilung — und wie hoch sind sie danach?
- Armutsgefährdung: 24,1 % → 15,5 % (vor vs. nach Sozialtransfers (ohne Renten))
- Gini-Koeffizient: ~0,50 → ~0,29 (Markt- vs. verfügbares Einkommen)
- Armutssenkung: −35,7 % (durch Sozialtransfers (ohne Renten))
- Ohne Sozialtransfers läge die Armutsgefährdung bei rund 24 %; nach Transfers sinkt sie auf etwa 15,5 % — eine Reduktion um gut ein Drittel. Auch der Gini der Markteinkommen (~0,50) fällt durch Steuern und Transfers auf etwa 0,29. Umverteilung wirkt also messbar; diskutieren lässt sich über Effizienz, nicht über das Ob.