Vermögende zahlen Steuern — aber gemessen am Einkommen oft anteilig weniger als die Mitte. Ein Muster-Millionär kommt auf rund 24 % Steuern und Abgaben, ein Durchschnittspaar dagegen auf 43 %. Grund ist die niedrigere Besteuerung von Kapitalerträgen gegenüber Arbeit. ‚Gar keine Steuern' stimmt also nicht — wohl aber, dass der effektive Satz an der Spitze sinken kann. Illegale Hinterziehung über Konstrukte wie Cum-Ex kommt hinzu, ist aber von legaler Steuergestaltung zu trennen.
Was hinter der Parole steckt: Übertreibung ins Absolute: Aus ‚zahlen anteilig weniger' wird ‚zahlen gar nichts'. Das verwischt zugleich die Grenze zwischen legaler Steuergestaltung (niedrigere Sätze auf Kapital) und illegaler Hinterziehung — beides verschwimmt zum pauschalen ‚die zahlen eh nichts'.
Am Tisch nützlich – Gegenfragen:
- „Meinst du den absoluten Betrag oder den Anteil am Einkommen — und welcher ist bei Topverdienern niedriger?"
- „Unterscheidest du zwischen legaler Gestaltung und illegaler Hinterziehung?"
- „Würde dich überraschen, dass ein Millionär anteilig oft weniger zahlt als eine Facharbeiterfamilie?"
Stichworte: keine Steuern, Reiche, Schlupflöcher, effektiver Steuersatz, Kapital
Fakten dazu
Wer finanziert den Staat? Die Verteilung der Abgabenlast
Die Einkommensteuer ist stark progressiv und wird vor allem von höheren Einkommen getragen. Fast die Hälfte des Steueraufkommens stammt aber aus indirekten Steuern (vor allem Mehrwertsteuer), die untere Einkommen relativ stärker belasten.
Anteil indirekter Steuern am Bruttoeinkommen nach Einkommensgruppe
| Gruppe | Anteil an indirekten Steuern |
|---|
| Ärmste 10 % | 23 % des Bruttoeinkommens |
| Reichste 10 % | 7 % des Bruttoeinkommens |
Hinweis: Effektive Gesamtbelastung mit Steuern und Abgaben (Beispielrechnung)
- Durchschnittspaar
- Bruttoeinkommen: ~110.000 €
- Quelle des Einkommens: v. a. Arbeit
- Steuer- & Abgabenquote: 43 %
- Muster-Millionär
- Einkommen: ~1,6 Mio. €
- Quelle des Einkommens: v. a. Kapital
- Steuer- & Abgabenquote: 24 %
- Zählt man direkte Steuern, indirekte Steuern und Sozialabgaben zusammen, ist die Gesamtbelastung über die Einkommensgruppen ‚erstaunlich gleichmäßig' verteilt und wirkt nur leicht progressiv. Den Staat finanzieren also nicht allein die Spitzenverdiener.
Steuervermeidung, Steueroasen und die Steuerlücke
Zu trennen sind zwei Dinge: legale Steuergestaltung (etwa die niedrigere Besteuerung von Kapital gegenüber Arbeit) und illegale Steuerhinterziehung. Beides verringert das Steueraufkommen — aber in unterschiedlichem Maß und mit unterschiedlicher rechtlicher Bewertung.
- Cum-Ex: ≥ 10 Mrd. € (geschätzter Steuerschaden)
- Cum-Cum: ≥ 28 Mrd. € (Schätzung (Spengel))
- zurückgeholt: Bruchteil (bislang nur ein kleiner Teil)
- Illegale Konstrukte wie Cum-Ex (mindestens 10 Mrd. € Schaden) und Cum-Cum (zusammen über 35 Mrd. €) kosteten den Fiskus Milliarden, von denen bislang nur ein Bruchteil zurückgeholt wurde. Hinzu kommt legale Gestaltung: Ein Muster-Millionär zahlt anteilig rund 24 %, ein Durchschnittspaar 43 % — der effektive Satz an der Spitze liegt also niedriger als in der Mitte.