Spitzenverdiener tragen tatsächlich einen großen Teil der Einkommensteuer — aber sie finanzieren nicht ‚den ganzen' Staat. Fast die Hälfte des Steueraufkommens stammt aus indirekten Steuern wie der Mehrwertsteuer, die untere Einkommen relativ stärker belasten: Die ärmsten 10 % zahlen dafür 23 % ihres Bruttoeinkommens, die reichsten nur 7 %. Zählt man Sozialabgaben hinzu, ist die Gesamtbelastung über die Einkommensgruppen erstaunlich gleichmäßig. Hohe Einkommen leisten viel — aber alle finanzieren den Staat, nicht nur ‚die Reichen'.
Was hinter der Parole steckt: Selektiver Steuerbegriff: Aus dem hohen Anteil an der Einkommensteuer wird die Finanzierung ‚des ganzen Staates'. Mehrwertsteuer, Verbrauch- und Sozialabgaben — die untere und mittlere Einkommen relativ stärker treffen — werden ausgeblendet.
Am Tisch nützlich – Gegenfragen:
- „Zählst du Mehrwertsteuer und Sozialabgaben mit, wenn du fragst, wer den Staat finanziert?"
- „Wenn die Gesamtbelastung über die Einkommensgruppen fast gleich hoch ist — wer trägt dann wen?"
- „Wie viel Prozent ihres Einkommens zahlen Geringverdiener über die Mehrwertsteuer — und wie viel die Top-Einkommen?"
Stichworte: Leistungsträger, Reiche finanzieren, Steuern zahlen, Sozialstaat, Spitzenverdiener
Fakten dazu
Wer finanziert den Staat? Die Verteilung der Abgabenlast
Die Einkommensteuer ist stark progressiv und wird vor allem von höheren Einkommen getragen. Fast die Hälfte des Steueraufkommens stammt aber aus indirekten Steuern (vor allem Mehrwertsteuer), die untere Einkommen relativ stärker belasten.
Anteil indirekter Steuern am Bruttoeinkommen nach Einkommensgruppe
| Gruppe | Anteil an indirekten Steuern |
|---|
| Ärmste 10 % | 23 % des Bruttoeinkommens |
| Reichste 10 % | 7 % des Bruttoeinkommens |
Hinweis: Effektive Gesamtbelastung mit Steuern und Abgaben (Beispielrechnung)
- Durchschnittspaar
- Bruttoeinkommen: ~110.000 €
- Quelle des Einkommens: v. a. Arbeit
- Steuer- & Abgabenquote: 43 %
- Muster-Millionär
- Einkommen: ~1,6 Mio. €
- Quelle des Einkommens: v. a. Kapital
- Steuer- & Abgabenquote: 24 %
- Zählt man direkte Steuern, indirekte Steuern und Sozialabgaben zusammen, ist die Gesamtbelastung über die Einkommensgruppen ‚erstaunlich gleichmäßig' verteilt und wirkt nur leicht progressiv. Den Staat finanzieren also nicht allein die Spitzenverdiener.
Der Sozialstaat: Umfang und Zusammensetzung
Der Sozialstaat ist in absoluten Zahlen groß — die entscheidende Frage ist aber der Maßstab: Wie steht Deutschland international da, und wohin fließt das Geld?
- Sozialbudget 2024: 1.345 Mrd. € (31,2 % des BIP)
- OECD-Vergleich: Rang 7/18 (netto 26,7 % BIP — EU-Mittelfeld)
- Rente + Gesundheit: > 50 % (Renten- (29,1 %) + Krankenversicherung (23,2 %))
- OECD-vergleichbar berechnet liegt Deutschlands Sozialquote mit rund 26,7 % des BIP auf Rang 7 von 18 reichen Ländern — also im Mittelfeld, nicht an der Spitze. Der Großteil fließt in gesetzliche Renten- und Krankenversicherung (zusammen über die Hälfte), getrieben von Demografie und Gesundheitskosten — nicht in eine ‚soziale Hängematte'.